Heute habe ich Aalborg besucht, eine Stadt, auf die ich mich vor der Reise eigentlich besonders gefreut hatte. In Reiseberichten las ich häufig von der „schönen Stadt am Limfjord“, auch Freunde und Arbeitskollegen hatten mir vor Jahren schon mehrmals geraten, diese Stadt doch ‘mal zu besuchen!

Ich muss sagen, dass der Funke leider nicht so richtig übergesprungen ist! Eine „Liebe auf den ersten Blick“ wäre ja gar nicht nötig gewesen, aber alles in allem bin ich nach meiner heutigen Fahrradtour doch ein wenig enttäuscht!

Mir ist natürlich völlig klar, dass meine Art, Städte zu besuchen, nicht gerade optimal geeignet ist, um sie auch richtig kennenzulernen! Zum einen bin ich eben meistens nur einen Tag vor Ort, zum anderen gehört zum Charakter einer Stadt logischerweise nicht nur das Wenige, was ich von meinem Fahrradsattel aus zu sehen bekomme! Soweit alles in Ordnung!

Aber diese Art gefällt mir nun ‘mal, und sie betrifft ja auch alle anderen Städte, die ich bisher mit Wohnmobil und Bike besucht habe. Insofern sind meine Eindrücke schon ein wenig vergleichbar, und heute überwogen bei mir leider die negativen Eindrücke.

Trotzdem bin ich gern bereit, mir dafür die Schuld zu geben. Und sollte ich in Zukunft noch einmal die Gelegenheit zu einer solchen Reise haben, so werde ich Aalborg wegen der heutigen Erfahrungen ganz gewiss nicht meiden; im Gegenteil, ich werde sie mir noch einmal und vor allem intensiver „vorknöpfen“… 😉

Ich sollte aber vielleicht erst einmal schildern, was ich auf meiner City Tour gesehen und empfunden habe, danach wird man sicher besser verstehen, was ich meine…

Als mein Wecker heute früh klingelte, war ich bereits „putzmunter“. Da ich nicht allzu viel zu erledigen hatte, konnte ich in aller Ruhe frühstücken und verließ gegen kurz nach 08:30 bereits den Parkplatz nördlich von Frederikshavn.

Die Fahrt nach Aalborg verlief mehr oder weniger ereignislos über die Autobahn E45; die etwa 70 Kilometer waren in einer Stunde bewältigt.

Zuerst fuhr ich zu einem Parkplatz am Kongresszentrum, der mir von einer Stellplatz-App empfohlen wurde. Der war zwar für Wohnmobile nicht explizit verboten, allerdings wegen der Größe der Parzellen eher ungeeignet für mich. Und dazu auch noch kostenpflichtig.

Deshalb brauchte ich auch nicht sehr lange, um mich dann doch für einen der beiden Campingplätze im Westen der Stadt zu entscheiden.

Ich fuhr also zur Rezeption des Campingplatzes Vandrerhjem und buchte einen Platz für eine Nacht. Ich hatte mich schon etwas über den recht günstigen Preis von 93 Kronen (etwa 12,50 EUR) gewundert; das relativierte sich allerdings gleich, als ich auf den eigentlichen Platz fuhr. Das gesamte Areal war überwiegend grün und sehr großzügig, das Ambiente wirkte aber irgendwie unattraktiv! Die Sanitär-Anlagen waren… naja, man sagt ja gern ‘mal „schon etwas in die Jahre gekommen“. Hier aber müsste es wohl eher heißen „aus den 60ern leider nicht herausgekommen“! 😉

Aber ok, ich habe schon schlechter gestanden, und für eine Nacht kann man über so manches hinwegsehen, erst recht, wenn der Preis stimmt!

Meine Radtour war schnell geplant! Aalborg liegt ja an einer flussartigen Verengung des Limfjords, der weiter östlich in die Ostsee mündet. Und mein Campingplatz liegt ebenfalls am Fjord, nur eben ca. 7 km weiter westlich. Also fuhr ich, wie ich es ja sehr gerne mache, immer nah am Wasser entlang in Richtung Stadtzentrum.

Ich passierte zuerst einen der insgesamt drei Yachthäfen, die auf meinem Weg in die Stadt lagen…

…sowie eine Art Freibad mit großem Badesee, deren Grünflächen auch ‘mal wieder einen „Anstrich“ nötig hätten…

Das rustikale und gut besuchte Street Food – The Lighthouse, eine ausrangierte Möbelhalle direkt am zweiten Yachthafen auf meiner Strecke gelegen, vereint 16 verschiedene Küchen aus aller Welt. Bis zu 600 Gäste finden hier Platz, man kann sein Essen aber natürlich auch mit nach draußen nehmen, um dem bunten Treiben im Yachthafen zuzuschauen.

Die Limfjordsbroen ist die wichtigste Brücke über den hier sehr schmalen Limfjord, die den nördlichen und den südlichen Teil der Stadt miteinander verbindet. Über sie bin ich auch gekommen.

Die etwa 640 m lange und 1933 eröffnete Klappbrücke musste wegen des hohen Verkehrsaufkommens bereits 1960 von 14,5 m auf 21,4 m erweitert werden; heute wird sie durch den Limfjordtunnel entlastet.

Kurze Zeit später erreichte ich das Stadtzentrum und konnte schon ‘mal einen Blick in die Østerågade werfen, eine der Haupteinkaufsstraßen der Stadt.

Zunächst aber ging es noch ein Stückchen weiter am Wasser entlang. Ich passierte das futuristisch anmutende Utzon Center, entworfen vom leider viel zu früh verstorbenen dänischen Stararchitekten Jørn Utzon, der auch für das weltberühmte Opernhaus in Sydney verantwortlich zeichnete. Leider habe ich hier kein Foto gemacht.

Danach folgten verschiedene Wohn- und Büroanlagen, ebenfalls neuer Art und teilweise auch mit sehr ausgefallener Architektur, die einen abrupten Gegensatz zum bisherigen Stadtbild darstellten.

Jetzt wandte ich mich nach Süden und durchquerte mit dem Fahrrad den ehemaligen Freizeitpark Karolinelund. Durch große Verluste, die die Anlage in früheren Jahren einfuhr. und durch den ständigen Besitzerwechsel wird sie heute von der Stadt nur noch als Freizeitpark und Grünanlage weitergeführt, wo hin und wieder Veranstaltungen stattfinden.

Ich muss sagen, dass ich selten durch eine so abstoßende Anlage gefahren bin. Alles sah sehr ungepflegt aus, es lag viel Müll herum; keine noch so kleine Fläche blieb von den allgegenwärtigen Graffitis verschont. Im Dunklen würde ich mich auf keinen Fall hierher trauen! Ich war froh, als ich am südlichen Ende wieder hinausfuhr…

Kurz danach fuhr bzw. ging ich von Ost nach West auf der größten Fußgängerstraße, der Algade, durch das eigentliche Zentrum der Stadt; hier hat’s mir schon deutlich besser gefallen.

Auch hier fielen mir, wie schon in Holstebro, mehrere sehr schöne Wandmalereien auf.

In der Østerågade stellte ich mein Bike an einem Fahrradständer ab und wanderte weiter zu Fuß durch die Altstadt. Eine der Sehenswürdigkeiten ist das Jens Bangs Stenhus, ein im Renaissancestil erbautes Wohn- und Geschäftshaus des Kaufmanns Jens Bang.

Dies ist wohl das schönste Bauwerk der Stadt und mit zahlreichen Figuren und Malereien versehen.

Hier befinde ich mich auf der „sündigen Meile“ Aalborgs: Die über die Landesgrenzen Dänemarks hinaus bekannte Jomfru Ane Gade ist eine malerische Altstadtgasse mit vielen Szene-Wirtshäusern. Tagsüber ist es hier recht ruhig und unspektakulär, aber abends wird in dieser kurzen Straße gefeiert, gegessen und noch so manches mehr… 😉

Nach einem ausgiebigen Bummel setzte ich mich in ein Café, bestellte mir einen Cappuccino und einen Eisbecher und ging danach wieder zurück zu meinem Fahrrad, das glücklicherweise immer noch brav am Fahrradständer angekettet war…

Bevor ich den Rückweg antrat, wollte ich aber noch zweierlei erledigen. Mein obligatorisches Andenken, einen Fotomagneten, fand ich sehr schnell, mit der zweiten Sache hatte ich allerdings erheblich mehr Probleme!

Meine Schwägerin liebt die kleinen dänischen Marshmallow-Naschereien und hatte aus einer Ferienwoche auf Fanø ‘mal etwas mitgebracht, was ihr sehr gut geschmeckt hatte, und was ich ihr daher von meiner Reise auch mitbringen sollte. In den letzten Tagen hatte ich schon immer ‘mal kurz Ausschau danach gehalten, wurde aber nie fündig. Nun ging meine Reise aber so langsam zu Ende, und deshalb musste ich nun ‘mal etwas genauer forschen! In Ermangelung eines richtigen Namens hatten wir die Dinger damals der Einfachheit halber „Brustwarzen“ genannt! Etwas frivol vielleicht, aber so sahen sie nun ‘mal aus!

Mittlerweile habe ich aber herausgefunden, dass diese Teile Skumsvampe (zu deutsch etwa Schaumschwamm) heissen; wer neugierig geworden ist, wie sowas aussieht, kann ja ‘mal danach googeln… 😉

Mit diesem Namen und einem entsprechenden Foto aus dem Internet, was ich verschiedenen Leuten auf der Straße auf meinem Handy zeigte, kam ich dieses Mal schon viel weiter! Nach zwei Fehlversuchen fand ich sie dann doch noch in einen Supermarkt im Kellergeschoss eines großen Warenhauses. Am Ein- oder Ausgang stehen oftmals diese großen Automaten, an denen man sich seine Süßigkeiten selbst zusammenstellen kann; bezahlt wird dann einfach nach Gewicht. Als ich das Gebäude verließ, war ich also endlich stolzer Besitzer von ca. 250 Gramm Brustwarzen, jedenfalls noch, denn in ein paar Tagen würde sich Gitta darüber hermachen … 😉

Dann radelte ich schließlich zurück zum Campingplatz und genehmigte mir erst ‘mal ein eiskaltes Bier! Es war inzwischen stark bewölkt und extrem schwül, in der Ferne hörte man schon ein Gewitter. Weil es tatsächlich jetzt stark nach Regen aussah, verwarf ich meinen ursprünglichen Plan, heute wieder ‘mal den Grill „anzuwerfen“. Und kurze Zeit später gab’s tatsächlich einen sehr heftigen Regenguss, der später in ein leichtes, aber andauerndes Nieseln überging. Große Abkühlung hatte der „Wolkenbruch“ aber auch nicht gebracht…

Jetzt, wo ich mit etwas Abstand diesen endgültigen Tagesbericht schreibe, die Fotos zusammengestellt und bearbeitet habe, kommt mir die Stadt mit einem Mal gar nicht mehr so schlimm vor, wie ich noch zu Beginn behauptet hatte! Allein das zeigt schon, wie sehr sich Eindrücke von einem Ort oder einem Ereignis mit der Zeit auch durchaus verändern können.

Wenn ich mir jetzt im Internet anschaue, was Aalborg alles zu bieten hat, auch in der näheren Umgebung, stelle ich fest, dass ich davon so gut wie nichts gesehen habe; erst recht ein Grund, nochmal herzukommen.

Trotzdem bleibt aber, dass ich Aalborg eben doch ganz anders erlebt habe, als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Die Stadt ist mit Sicherheit keine typische Touristenstadt, sondern eher moderne Industriestadt mit offenbar zufriedenen nd recht entspannten Bewohnern; vieles bleibt aber noch zu tun! Die zahlreichen eigenwilligen Neubauten passen vielleicht doch etwas weniger gut in das bisherige Stadtgefüge, als das bei anderen Städten der Fall ist. Und einige Anlagen, vor allem auch an der Promenade, müssten meiner Ansicht nach ‘mal wieder ein bisschen aufgepeppt werden.

Mein Fazit ist also: Ich bin sehr gespannt auf einen zweiten Besuch, vielleicht in ein paar Jahren. Es gibt ja schließlich auch so etwas wie „Liebe auf den zweiten Blick“… 😉

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