Heute beginnt schon meine zweite Wohnmobilreise in diesem Jahr, nachdem ich in der letzten Woche ja bereits für ein paar Tage auf Rømø in Dänemark war.

Für diese Woche sind die Wetteraussichten deutlich besser, und deshalb mache ich jetzt mein ursprüngliches Vorhaben, in den Teutoburger Wald zu fahren, wahr. Ich habe keinen festen Plan, geschweige denn eine Reiseroute vorbereitet, und bin nun gespannt, wo es mich überall hintreiben wird. Auf jeden Fall will ich mir aber endlich ‘mal die mysteriösen Externsteine ansehen und natürlich das weltbekannte Hermannsdenkmal besuchen.

Heute ist Sonntag, und auf der Autobahn kam ich wegen des geringeren Verkehrs und vor allem wegen der fehlenden „Brummis“ sehr gut voran, allerdings wollte ich nicht direkt von Pinneberg zum Teutoburger Wald fahren; ich habe schon seit langer Zeit ein weiteres Zwischenziel auf meinem „Zettel“, das ich heute auch gleich „abhaken“ konnte!

Dazu müsst ihr wissen, dass ich früher, vor gefühlten 100 Jahren, Zeitsoldat bei der Bundeswehr war; unter anderem war ich in Delmenhorst stationiert und machte von dort aus während der Zeit des Kalten Krieges etwa zwei Jahre lang Schichtdienst als junger Feuerleitoffizier in einer zur NATO gehörenden Abwehrraketenstellung in der Nähe von Leerßen, einer winzigen Ortschaft in der Umgebung der niedersächsischen Stadt Syke.

Naja, 100 Jahre ist es natürlich nicht her, aber immerhin doch schon 43 Jahre! Die Kaserne in Delmenhorst ist längst dem Erdboden gleichgemacht, und die damaligen Bundeswehr-Verbände und die entsprechenden Waffensysteme existieren selbstverständlich auch nicht mehr, aber den ehemaligen Feuerleitbereich kann man immerhin noch besuchen! Das etwas erhöht liegende Gelände ist frei zugänglich und beherbergt heute eine Art Naturpark. Durch die natürlichen Gegebenheiten bietet der so genannte Hohe Berg eine bis zu 36 km weite Fernsicht über die Geestlandschaft, bis hin nach Bremen. Auf dem 12 m hohen Naturerlebnisturm steht man immerhin 75 m über dem Meeresspiegel.

Gegen 10:30 Uhr traf ich dort ein; ich war gespannt wie ein Flitzbogen, wie es dort wohl aussehen würde, und ob ich überhaupt irgendetwas wiedererkennen würde. Mein WoMo konnte ich ohne Probleme auf dem kleinen Parkplatz vor dem Gelände parken.

Als erstes war ich erstaunt darüber, dass das ehemalige Bereitschaftsgebäude, in dem ich damals Dienst tat, und in dem auch gegessen und geschlafen wurde, noch in der ursprünglichen Form existierte! Es war (natürlich) abgeschlossen und, einem Blick durch einige Fenster zufolge, offensichtlich auch ungenutzt. Die beiden vergitterten Fenster vorne gehörten zur Wachraum, der rund um die Uhr immer von zwei Soldaten besetzt war.

Die Radargeräte, die zum Betrieb des Feuerleitbereichs notwendig waren, standen damals auf einem eigens zu diesem Zweck errichteten Wall, um deren freie „Sicht“ auf das umliegende Gelände zu gewährleisten. Auch dieser „Radarwall“ (so nannten wir ihn damals) existiert noch; auf ihm befindet sich der oben schon erwähnte Aussichtsturm.

Ich ging den Wall hinauf und kletterte auf den Turm; es war dort oben extrem windig und daher auch saukalt, aber von dort aus hatte ich nicht nur eine tolle Sicht auf die Landschaft, sondern, was für mich in diesem Moment natürlich viel spannender war, auf das ganze Gelände der ehemaligen Stellung.

Links auf dem Foto sieht man, sozusagen unter mir, den Radarwall; zu meiner Dienstzeit standen hier insgesamt vier Radargeräte, die ganz unterschiedlichen Zwecken dienten. In der Mitte oben ist wieder das Bereitschaftsgebäude zu sehen; das Gebäude rechts daneben, das mit den bunt bemalten Toren, war das Generatorgebäude; mehrere sehr leistungsfähige Generatoren hätten damals im Fall des Falles die Stromversorgung der gesamten Stellung gewährleisten müssen.

Das kleine Gebäude mit den „Löchern“ ist der klägliche Rest des damals eindeutig wichtigsten Teils der Anlage: an diesen vier Öffnungen standen damals verschiedene Trailer (Wagen), die mit Elektronik nur so vollgestopft waren. Dort saß ich in manchmal endlos langen Schichten vor den Radarschirmen. Ich könnte noch heute die genauen Bezeichnungen aller Radargeräte und der Trailer nennen und ausführlich beschreiben, welchen Zweck die einzelnen Geräte hatten; derartige Technik-, Taktik- und Strategievorträge würden euch aber wohl endgültig zum Einschlafen bringen oder zum sofortigen Verlassen meines Blogs bewegen, deshalb verkneif’ ich mir das lieber… 😉

Ich muss gestehen, dass ich trotz der eisigen Kälte dort oben fast eine halbe Stunde auf dem Turm verbracht habe; die Erinnerungen an „Alte Zeiten“ waren in diesem Moment so intensiv, dass ich mich selbst darüber gewundert habe! Fast wünschte ich mir, dass ich hier gleich einen Kumpel aus der damaligen Zeit treffen würde, der zufällig aus demselben Grund zur selben Zeit auf diesen Turm klettern würde… War aber nicht der Fall, ich war zu dieser Zeit ganz allein auf dem Gelände! Als ich später den Wall wieder herunterging, kam mir ein älterer Herr, geschätzt etwa 75 Jahre, entgegen, der auf dem Fahrrad den Wall hinauf fahren wollte; er bemerkte allerdings ziemlich schnell, dass er das aufgrund der Steigung besser aufgeben sollte. Er sah mich und sprach mich an, fragte, ob ich das erste Mal hier sein würde, was ich mit einer Art von „Jein“ beantworten musste. Wir kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er gleich nebenan in Leerßen wohnte, und zwar von klein auf, und dass er die damalige Zeit, als dieses Gelände zur Bundeswehr gehörte, natürlich miterlebt hatte. So kam ich doch noch zu einem „Kumpel“, mit dem man einige alte Erinnerungen austauschen konnte, obwohl ich ihn gar nicht kannte…

Nun wurde es aber „höchste Eisenbahn“, weiterzufahren, denn es lagen ja noch ein paar Kilometer vor mir. Ich hatte mir von zuhause aus schon einen Wohnmobilstellplatz ausgeguckt, und zwar in Horn-Bad Meinberg, einer Stadt mit etwa 17.000 Einwohnern am Rand des Teutoburger Walds.

Die Fahrt dorthin war recht abwechslungsreich, da ich jetzt ja nicht mehr auf der Autobahn unterwegs war; das Wetter war super schön und ich genoß die Fahrt bei immer noch wenig Verkehr. Gegen 16:00 Uhr kam ich auf dem schön angelegten Stellplatz an, auf dem zu diesem Zeitpunkt lediglich drei Wohnmobile standen. Ich suchte mir eine schöne Stellfläche aus und ging danach zuerst ‘mal zum nebenan liegenden Bad Meinberger Badehaus, in dem man sich anmelden und bezahlen musste; eine Übernachtung kostet nur 7,50 EUR (zuzüglich 2,60 EUR Kurtaxe) und ich buchte gleich für zwei Nächte.

Nach einer kurzen Kaffeepause machte ich noch eine ausgiebige Fahrradtour, um die beiden Stadtteile Horn und Bad Meinberg etwas zu erkunden. Horn ist mit seinen vielen Fachwerkhäusern und dem Marktplatz sehr hübsch anzusehen.

Im Ortsteil Bad Meinberg hat mir der ca. 6 ha große historische Kurpark mit dem Kurparksee und dem Brunnentempel am besten gefallen.

Gegen 18:00 Uhr war ich zurück auf dem Stellplatz; den Rest des Tages verbrachte ich überwiegend im Wohnmobil, weil es draußen doch schnell ziemlich kalt wurde. Immerhin haben wir ja erst Mitte März…

One thought on “Alte Zeiten”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.