Heute ist der letzte Tag meiner aktuellen Wohnmobilreise auf den dänischen Inseln Lolland, Falster und Møn zu Ende gegangen. Morgen früh geht es mit der Autofähre von Scandlines leider wieder zurück nach Deutschland, genauer gesagt, nach Puttgarden auf Fehmarn. Als Übernachtungsort hatte ich wieder denselben Parkplatz ganz in der Nähe des Fähranlegers gewählt, den ich auch zu Beginn meiner Reise schon genutzt hatte, da ich von dort aus nur ein paar wenige Minuten zum Check-In zu fahren hatte. Doch tagsüber stand natürlich noch eine schöne Radtour auf dem Programm, die neben Rødbyhavn und Rødby noch ein ganz besonderes Highlight zu bieten hatte, nämlich den im Bau befindlichen Fehmarnbelt-Tunnel, dem längsten Absenktunnel der Welt! Dazu später mehr…
Nach einem ausgiebigen Frühstück und der vollständigen Ent- und Versorgung auf dem Campingplatz in Nysted verließ ich den Ort und fuhr zu einem schon vorher recherchierten, tagsüber kostenlosen Wohnmobilparkplatz, der für meine geplante Fahrrad-Rundtour bestens geeignet war.
Hyldtofte ist ein idyllisches Ferienhausgebiet an der malerischen Südküste der Insel Lolland, das sich etwas östlich von Rødbyhavn erstreckt und als absolute Ruheoase gilt. Der dazugehörige Küstenabschnitt Hyldtofte Østersøbad bietet einen breiten, kinderfreundlichen Sandstrand, an dem vorgelagerte Buhnen für besonders ruhige, fast lagunenartige Badebedingungen sorgen. Direkt hinter den Dünen verläuft zudem der beeindruckende Lolland-Deich, mit 63 km Länge der längste Deich Dänemarks, auf dessen Deichkrone ein fantastischer Rad- und Wanderweg mit weitem Blick über das Meer einlädt.

Das Foto zeigt die schwimmende Spezialplattform Maya (auch bekannt als Elementverlegeponton), die beim Bau des Fehmarnbelt-Tunnels eingesetzt wird. Diese schwimmende Megastruktur ist dafür zuständig, die gigantischen, bis zu 73.000 to schweren Betonelemente sicher über die Ostsee zu transportieren und millimetergenau auf dem Meeresgrund abzusenken. Ausgestattet mit modernsten GPS-, Winden- und Ballastierungssystemen sorgt die Plattform dafür, dass die Segmente selbst bei schwieriger Meeresströmung absolut präzise im ausgehobenen Tunnelgraben platziert werden.

Kurz nach Beginn meiner Radtour näherte ich mich auch schon meinem ersten und auch wichtigsten Ziel für heute: Der Aussichtspunkt Pilen (dänisch für Pfeil) ist eine markante, pfeilförmige Besucherplattform in Rødbyhavn auf der dänischen Seite des Fehmarnbelt-Projekts. Von diesem erhöhten Aussichtsbauwerk aus hat man einen spektakulären Überblick über das riesige Baustellengelände, den Arbeitshafen und die Fabrikhallen, in denen die gigantischen Tunnelsegmente gegossen werden. Die Architektur ist zudem symbolisch gewählt, da die Spitze des hölzernen Pfeils exakt über die Ostsee hinweg in Richtung der deutschen Insel Fehmarn weist.




Die langgestreckte Rampe, die zum höchsten Punkt hinaufführt, ist vollkommen barrierefrei gestaltet, sodass auch Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen die Plattform mühelos erreichen können. Während des Aufstiegs bietet der sanft ansteigende Steg den Besuchern bereits erste Ausblicke auf das Gelände und führt sie architektonisch direkt zur pfeilförmigen Aussichtsspitze.




Von hier aus hatte ich tatsächlich eine hervorragende Sicht auf die vor und unter mir liegende Baustelle. Vor allem kann man aus dieser Höhe ihre gewaltigen Ausmaße besser einschätzen…


Die spätere Einfahrt in den Tunnel ist bereits bestens zu erkennen!



Nachdem ich mir dort alles genau angeschaut habe, fuhr ich weiter nach Rødbyhavn, überquerte die Zufahrt zu den Fähren und erreichte später den eigentlichen Hafen des Orts…



Später ging es weiter in Richtung Norden nach Rødby; diesen Ort wollte ich auch endlich einmal kennenlernen.

Die historische Kirche ist eine spätromanische Backsteinkirche, die ursprünglich im 13. Jahrhundert auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde. Ein markantes architektonisches Detail ist der im Jahr 1632 angebaute Chor, an dessen Südseite das eiserne Monogramm des dänischen Königs Christian IV. prangt. Im weiß gekalkten Innenraum beherbergt das Gotteshaus wertvolle historische Kunstschätze, darunter eine reich verzierte Renaissance-Kanzel aus dem Jahr 1580 und einen Altar aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Insgesamt kam mir der Ort allerdings recht trostlos vor; er wirkte auf mich eher langweilig, fast wie ausgestorben! In der Hauptgeschäftsstraße, die man eigentlich kaum als solche bezeichnen kann, standen sehr viele Läden leer, was schon sehr bezeichnend ist…


Von hier aus führte mich meine Tour in Richtung Osten, bis zum Flughafen Lolland-Falster. Der Flugplatz, auch bekannt als Maribo Airport, ist ein kleiner, international zugelassener Regionalflugplatz. Er wird gemeinschaftlich von den Kommunen Lolland und Guldborgsund betrieben und verfügt über eine 1.200 m lange, beleuchtete Asphaltstartbahn. Neben der Nutzung durch lokale Luftsportvereine für Fallschirmspringen und Segelfliegen dient der zollgeschützte Platz vor allem dem privaten Geschäfts-, Rettungs- und Taxiflugverkehr. Dank seiner strategischen Lage unweit von Rødbyhavn fungiert er zudem als ein wichtiger logistischer Anlaufpunkt für Techniker, Spezialkräfte und Partner des nahegelegenen Fehmarnbelt-Tunnelprojekts. Hier legte ich eine längere Pause ein, aß und trank etwas und sah den Fallschirmspringern bei ihrem Hobby zu…




Später ging es dann wieder nach Süden. Die romanische Tågerup kirke ist ein historisches Backsteingotteshaus aus dem frühen 13. Jahrhundert. Überregional bekannt ist sie für ihre gut erhaltenen spätgotischen Kalkmalereien im Innenraum, die unter anderem von den Meistern der berühmten dänischen Brarup-Werkstatt geschaffen wurden. Als besonderer archäologischer Schatz steht zudem an der Außenwand des Vorhauses ein alter Runenstein, dessen Inschrift an den tragischen Verlust eines historischen Schiffsführers erinnert.

Kurze Zeit später passierte ich dieses „schmucke“ Gebäude-Ensenble! Das Schloss Lungholm ist ein geschichtsträchtiges Herrenhaus, dessen Ursprünge bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen. Das heutige Hauptgebäude wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und ist von einer weitläufigen, idyllischen Parkanlage umgeben. Über viele Generationen hinweg befand sich das traditionsreiche Gut im Besitz der Adelsfamilie de Bertouch-Lehn, welche die Geschichte der Region maßgeblich prägte. Heute wird das exklusive Anwesen als luxuriöses Feriendomizil sowie als stilvolle Location für Hochzeiten und geschäftliche Veranstaltungen genutzt.

Die direkt neben dem Gut, aber abgeschieden in der Landschaft gelegene Olstrup kirke wurde um 1100 im romanischen Stil erbaut und dem heiligen Laurentius geweiht. Neben ihrem außergewöhnlichen Fachwerk-Treppenhaus an der Südseite ist das Backsteingotteshaus vor allem für seine wertvollen Kalkmalereien aus dem 16. Jahrhundert bekannt, die eine eindrucksvolle Darstellung des Jüngsten Gerichts zeigen.


Die Errindlev kirke ist ein historisches Gotteshaus im gleichnamigen Dorf, dessen Ursprünge auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückgehen. Ursprünglich war das Bauwerk dem heiligen Nikolaus geweiht, da es Seefahrern auf der nahen Ostsee über Jahrhunderte hinweg als markante Landmarke zur Orientierung diente. Das heutige Erscheinungsbild vereint ein romanisches Kirchenschiff aus Feld- und Kreidesteinen mit einem erst 1607 vollendeten Turm sowie prächtigen, im Jahr 1872 im neugotischen Stil verzierten Treppengiebeln.


Im weiß gekalkten Innenraum beherbergt die Kirche wertvolle historische Schätze, darunter ein beckenförmiges Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert und eine kunstvoll geschnitzte Kanzel der Hochrenaissance aus dem Jahr 1622.

Ich fuhr von hier aus nun kreuz und quer in Grobrichtung Süden, bis ich schließlich wieder die Südküste Lollands und damit die Ostsee erreichte. Ab hier ging es auf dem schon mehrfach erwähnten Deich dann nach Westen, zurück zum Parkplatz, wo meine „Hannelore“ geduldig auf mich wartete.


Gegen 15 Uhr verließ ich den Platz und fuhr mit dem Wohnmobil zum oben bereits erwähnten Parkplatz neben dem Fähranleger in Rødbyhavn, wo ich den Rest des Tages verbrachte und mich organisatorisch sowie gedanklich auf die morgige Abreise aus Dänemark vorbereitete…
