Heute habe ich ’mal meinen Wecker geweckt! Das heisst, ich bin schon vor 7:00 Uhr wach geworden, war putzmunter und ausgeschlafen! Die ruhige Nacht hier auf dem fast leeren Campingplatz war eine Wohltat im Vergleich zur letzten, in der ich ja bei Sturm und Regen junge störrische Bäume zähmen musste… 😉

Nach dem Frühstück bereitete ich alles für die Abfahrt vor. Eigentlich wollte ich hier Frischwasser auffüllen, denn direkt neben meiner Parzelle befand sich praktischerweise ein Wasserhahn mitsamt langem Schlauch. Allerdings war der Wasserdruck derartig niedrig, dass es eine halbe Ewigkeit gedauert hätte, bis mein 120-Liter-Tank voll gewesen wäre, also verzichtete ich darauf. Kurz noch auschecken (20 EUR), und schon war ich wieder unterwegs!

Mein Ziel für heute war ein Parkplatz am Nordende der berühmten Rio-Andirrio-Brücke, schon wieder auf dem griechischen Festland, aber vorher wollte ich noch Patras besuchen, immerhin die größte Stadt (etwa 164.000 Einwohner) auf dem Peloponnes und nach Athen und Thessaloniki die drittgrößte Griechenlands. Patras ist gleichzeitig auch wichtigster Hafen des Landes im Fährverkehr mit Italien.

Die Fahrt dorthin dauerte etwa zwei Stunden. Ich steuerte einen großen Parkplatz am Hafen an, den ich mir vorher über die App park4night ausgesucht hatte. Der war nicht nur kostenlos, sondern fast komplett leer, und damit die perfekte Ausgangsbasis für eine kleine Radtour.

Wie fast immer, fuhr ich zunächst am Wasser entlang. Heute gab’s wieder viele Wolken, aber auch viel blauen Himmel, daher konnte ich meine Stadterkundung ganz entspannt und in aller Ruhe beginnen und einige Fotos machen…

In Höhe des Stadtzentrums bog ich dann rechts ab und erreichte schon wenige Blocks später den Hauptplatz der Stadt, den König-Georg-I-Platz.

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht war! Der Platz war ziemlich groß, aber in meinen Augen nicht gerade einladend. Auch die Gebäude drumherum empfand ich, bis auf wenige Ausnahmen, als eher nüchtern und schmucklos…

Überhaupt wirkte die gesamte Innenstadt recht unattraktiv auf mich, hinzu kam der extrem starke Verkehr; es ging alles sehr hektisch und laut zu.

Ich bin mir natürlich völlig darüber im Klaren, dass bei einer knapp zweistündigen Fahrradtour ein ganz falscher Eindruck entstehen könnte; die richtig schönen Orte und Plätze, z.B. die Burg, das Amphitheater, den Leuchtturm oder verschiedene Parks und andere antike Stätten, habe ich natürlich verpasst. Meine Vorbereitung auf diese Hafenstadt war zugegebenermaßen gleich Null! Andererseits sind so kurze Stadtbesichtigungen bei mir ja gar nicht ’mal so selten, insofern traue ich meinem ersten Eindruck, die eine Stadt auf mich macht, in den meisten Fällen auch.

Die Orthodoxe Kirche des Heiligen Andreas fand ich sehr sehenswert; die neobyzantinische Kirche ist die größte auf dem gesamten Balkan; sie bietet Platz für 5.500(!) Menschen!

Ok, ich hatte im Vorfeld auch nicht erwartet, dass Patras mich komplett „umhauen“ würde, aber auf dem Weg nach Norden wollte ich nicht einfach daran vorbeifahren, daher der nur kurze und eher halbherzige Besuch!

Nachdem ich mein Wohnmobil wieder erreicht hatte, verstaute ich das Rad, machte eine kleine Pause, programmierte das nächste Ziel auf dem Navi und fuhr dann aus der Stadt heraus.

Bevor es über die oben bereits erwähnte Brücke ging, wollte ich noch ein paar Fotos vom südlichen Ufer aus machen. Ich suchte mir also einen entsprechenden Zugang zu einem Parkplatz, ging ein paar Schritte in Richtung Wasser und hatte das beeindruckende Bauwerk dann direkt vor mir!

Die 2004 eröffnete Rio-Andirrio-Brücke (offiziell heißt sie eigentlich Charilaos-Trikoupis-Brücke) ist eine Straßenbrücke über eine Meerenge, die den Eingang zum Golf von Korinth bildet. Sie verbindet Andirrio am Nordufer mit Rio auf dem Peloponnes, etwa acht Kilometer östlich von Patras. Die Schrägseilbrücke mit ihren vier Pylonen erregte damals großes Aufsehen, weil es lange für unmöglich gehalten wurde, eine Brücke in einem Erdbebengebiet über eine 2,5 km breite und 65 m tiefe Meerenge ohne stabilen Boden zu bauen (diese „Weisheiten“ hab’ ich übrigens von Wikipedia).

Nach diesem Fotostopp fuhr ich endlich über die mautpflichtige Brücke (20,30 EUR!), was ziemlich spektakulär war. Natürlich habe ich keine Fotos von dieser Passage, denn ich musste mich voll und ganz auf den Verkehr konzentrieren (ich brauche dringend eine Dashcam oder etwas ähnliches…).

Kurz darauf fuhr ich von der Autobahn ab und folgte dem Weg, den mein Navi mir vorgab. Ich landete auf einem völlig leeren, großen Parkplatz unterhalb der Brücke, direkt neben einer kleinen Festung, von der ich bisher nichts wusste.

Sie wurde um 1500 erbaut, mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Einem Schild am Eingangstor (in der Bildmitte des nächsten Fotos) entnahm ich, dass die Anlage gerade geöffnet war; es war allerdings kein Mensch zu sehen. Der Eintritt kostete einen Euro, und da ich mir vom Rundgang auf der Mauer eine noch bessere Fotoposition für die Brücke versprach, löste ich ein Ticket bei einem ziemlich verschlafen aussehenden und etwas verstört dreinblickenden Angestellten. Wahrscheinlich hatte ich ihn geweckt; shame on me… 😉

Die Anlage bot nichts Besonderes, aber oben auf der Mauer konnte man tatsächlich recht gut in alle Richtungen fotografieren…

Nach diesem kurzen Besuch ging ich zurück zum WoMo, um eine kleine Kaffeepause einzulegen. Kurze Zeit später rauschte plötzlich ein riesiger Bus heran, unzählige Touristen stiegen aus, kletterten wie Ameisen überall herum und machten wahrscheinlich Tausende von Fotos von der Brücke! Dann, wie auf ein geheimes Kommando, verschwanden wieder alle blitzschnell im Bus, der fuhr los und schon war der Spuk wieder vorbei!

Das Wetter wurde inzwischen ziemlich ungemütlich! Die Wolken nahmen eine tiefblaue Farbe an, und in der Ferne hörte ich schon ein unheilvolles Grummeln; der Regen blieb allerdings aus…

Nach dem Abendessen klarte es wieder etwas auf. Eine gute Gelegenheit für mich, noch ein paar weitere Fotos von der Brücke zu machen, davon kann man schließlich nie genug haben, oder…? 😉

Den späteren Abend musste ich leider komplett im Wohnmobil verbringen, denn jetzt regnete es inzwischen ständig und es wurde sehr windig. Zeitweise hagelte es sogar, glücklicherweise aber nicht so stark, dass ich um Hannelores Dach besorgt sein musste. Ich hatte eigentlich gehofft, ein paar schöne Nachtaufnahmen von der beleuchteten Brücke machen zu können, aber daraus wurde jetzt bedauerlicherweise nichts!

Ich machte noch schnell die üblichen Notizen zum heutigen Tagesablauf, schaute noch etwas „Netflix“ (auf dem iPad) und ging dann, bei ziemlich lautem Regengeprassel, relativ früh schlafen…

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