Es steht wieder eine spannende Wohnmobilreise an, und zwar eine ziemlich lange! Vermutlich wird sie sogar länger dauern, als alle meine bisherigen Reisen, denn mein Ziel ist sehr weit entfernt: Es geht in die südlichste Region Italiens, nämlich nach Sizilien, bereits seit vielen Jahren eines meiner Wunschziele!

Schon immer habe ich mir gewünscht, ’mal nach Süditalien und vor allem bis nach Sizilien reisen zu können! Ich bin sehr gespannt darauf, die Unterschiede zu Norditalien, das ich ja bisher überwiegend bereist habe, kennenzulernen, und zwar sowohl, was Landschaften und Orte anbelangt, als auch bezogen auf die dort lebenden Menschen.

Außerdem war ich auch noch sehr neugierig auf etwas völlig Anderes: Vor einigen Jahren sah ich in irgendeinem TV-Programm die italienische Krimiserie Commissario Montalbano, die auf den Büchern von Andrea Camilleri basiert. Sie spielte in der fiktiven sizilianischen Stadt Vigàta und hat mich über mehrere Jahre sehr beeindruckt. Neben dem streitbaren, aber doch sehr sympathischen Kommissar (gespielt von Luca Zingaretti) haben mir vor allem die Landschaften und Städte gefallen; sie sind oft von beeindruckender Schönheit und menschenleer! Und für mich strahlten sie stets eine irgendwie melancholische Atmosphäre aus, der ich mich nur schwer entziehen konnte! Eine besondere Bedeutung für die Serie hat das Haus des Commissarios, direkt am Meer gelegen; das als Filmset benutzte Gebäude steht am Strand von Punta Secca an der Südküste der Insel. Ich war wirklich sehr neugierig, ob ich das, was ich in de Serie gesehen habe, in irgendeiner Form würde wiedererkennen können. Und vor allem, ob ich das, was ich damals dabei empfunden hatte, nun ebenfalls würde spüren können! Ein etwas eigenartiger Gedanke vielleicht, zugegeben, aber wenn ich vor Ort bin, werde ich definitiv alles daran setzen, einige der damaligen Drehorte zu besuchen…

Die sizilianische Flagge, die ich bis zu meinen Reisevorbereitungen wohl noch niemals bewusst gesehen hatte, existiert schon seit dem Jahr 1282. Die Trinacria vor dem rot-gelben Hintergrund mit dem Kopf in der Mitte ist noch heute ein typisches Symbol für Sizilien und überall auf der Insel zu sehen. Trinacria ist übrigens auch eine uralte Bezeichnung für Sizilien selbst und bedeutet wörtlich Dreikap. Wenn man sich die Form der Insel auf einer Karte anschaut, weiß man sofort, warum…

Wie jeder weiß, wird dieses Jahr von einer schlimmen Pandemie beherrscht, die uns alle betrifft und uns in unseren Entscheidungen extrem stark einschränkt. Ich habe mir natürlich sehr gründlich überlegt, ob ich diese Reise überhaupt antreten sollte, und mich schließlich aus verschiedenen Gründen dafür entschieden. Alle Argumente dazu gehören selbstverständlich nicht in diesen Reisebericht, aber einer der Hauptgründe für meine Entscheidung war, dass die Lage im südlichen Italien bezüglich der Infektionszahlen und dort geltenden Regeln zurzeit deutlich besser zu sein scheint, als bei uns in Deutschland. Das Risiko ist meiner Ansicht nach also auf jeden Fall überschaubar!

Im Gegensatz zum letzten Jahr, in dem ich auf meiner Reise nach Griechenland durch sehr viele Länder gefahren bin und alle Hauptstädte auf meiner Route besucht habe, bleibt die Anzahl der Transitländer dieses Mal recht überschaubar: Auf der Hinreise durchquere ich lediglich Österreich, während ich auf der Rückreise wohl durch die Schweiz fahren werde, da ein Besuch bei meiner Schwester geplant ist. Sie lebt mit ihrem Mann im schönen Lugano im schweizerischen Tessin. Ob tatsächlich alles so klappt, wie geplant, wird sich später zeigen…

Für die Fahrt nach Sizilien und zurück werde ich mir möglichst viel Zeit lassen, denn es warten unterwegs ja so einige „Leckerbissen“ auf mich, die ich noch nicht kenne, zum Beispiel Verona, Rimini, Bari und Brindisi, Capri, Amalfi mit der wunderschönen Amalfiküste, Neapel und Pompeji, Rom und eventuell auch Mailand. Für Sizilien habe ich eine komplette Umrundung im Uhrzeigersinn eingeplant; ich hoffe, dass alles zusammengenommen auch tatsächlich in einen noch vertretbaren Zeitrahmen passt! Ob ich den Ätna, den höchsten aktiven Vulkan Europas, besuchen werde, weiß ich noch nicht genau. Ich bin mir aber sicher, dass ich ihn auf jeden Fall aus verschiedenen Richtungen von der Küste aus werde sehen können…

Vor zwei Tagen hatte ich mich spätabends von Gitta und Jimmy verabschiedet. Wir waren zu einer Grillparty bei deren Nachbarn eingeladen und hatten dort einen sehr netten Abend verbracht. Erst kurz nach Mitternacht ging ich schlafen, und zwar im schon abfahrbereiten Wohnmobil, das ich ganz in der Nähe geparkt hatte.

Gestern Morgen klingelte mein Wecker bereits um 6:30 Uhr, und nur ein paar Minuten nach einem schnellen Frühstück war ich auch schon auf der A23 in Richtung Süden unterwegs! Ich fühlte mich zwar noch etwas müde, aber das würde sich hoffentlich schnell geben.

Das Wetter war während des gesamten Tages nicht besonders toll, alles grau, auch häufiger ’mal Regen. Teilweise sogar Starkregen, der das Fahren manchmal zur Tortur machen konnte! Und es gab, wie immer, natürlich unzählige Baustellen auf der A7 und demzufolge auch viele Staus, die meine Durchschnittsgeschwindigkeit drastisch nach unten drückten! Lediglich die wegen des Sonntags fehlenden LKW entschädigten etwas für die ansonsten miesen Bedingungen.

Mein Ziel war Klosterlechfeld, ein kleiner Ort nördlich von Landsberg am Lech. Dort wohnen nämlich Trudi und Bernd, zwei sehr gute Freunde aus „uralten Zeiten“. Als junger Soldat habe ich Bernd vor fast 50 Jahren während der Grundausbildung in Fürstenfeldbruck kennengelernt und (mit Unterbrechungen) bis Ende 1972 sogar das Zimmer mit ihm geteilt! Nachdem wir uns leider danach sehr viele Jahre aus den Augen verloren hatten, kam irgendwann aber doch wieder ein Kontakt zustande! Beide hatten mich nun zu einem Besuch eingeladen; ich hätte wahrscheinlich irgendwann heftige Prügel bezogen, wenn ich auf dem Weg nach Italien klammheimlich bei ihnen vorbeigefahren wäre… 😉

Eigentlich wollte ich spätestens um 18:30 Uhr eintreffen; sie hatten einen Tisch in einem griechischen Restaurant in der Nähe reserviert (beide sind nämlich absolute Griechenland-Fans!). Leider wurde daraus nichts: Kurz hinter Augsburg habe ich die Autobahn verlassen, und auf der restlichen Strecke mussten sage und schreibe drei Baustellen großräumig umfahren werden, wodurch sich natürlich wieder sehr lange Staus bildeten! So kam ich erst gegen kurz vor 20:00 Uhr in Klosterlechfeld an und wurde von beiden sehr herzlich begrüßt! Der Termin im Restaurant war längst abgesagt, stattdessen hatte Trudi aber ein wirklich superleckeres Abendessen auf den Tisch gezaubert! Wir hatten einen wunderschönen Abend miteinander verbracht, viel gelacht und viel erzählt. Dabei ging es aber nicht nur um Erinnerungen an die Bundeswehrzeit, wie man vermuten könnte, sondern es wurde auch viel über vergangene und zukünftige Reisen gesprochen; glücklicherweise sind beide, ebenso wie ich, begeisterte Wohnmobil-Fahrer! Erst nach Mitternacht verabschiedeten wir uns, und ich ging zurück in mein „Hotelzimmer“, das ja praktischerweise direkt vor der Haustür stand… 😉

In der Nacht hatte ich geschlafen wie ein Stein; kein Wunder, nach so einigen Bierchen und Schnäpschen! Die anstrengende Fahrt „quer durch die Republik“ und der lange Abend hatten natürlich auch dazu beigetragen. Obwohl ich wieder um 6:30 Uhr aufstand, fühlte mich dennoch einigermaßen ausgeschlafen. Ich brach sofort auf, suchte mir zunächst eine Tankstelle (volltanken und frische Brötchen kaufen) und fuhr danach etwa 30 Minuten in Richtung Süden, um auf einem Rastplatz eine kleine Frühstückspause einzulegen.

Zum ersten Etappenziel in Italien hatte ich einmal mehr der wunderschönen Gardasee auserkoren. Ich glaube, auch wenn ich noch so oft nach Italien führe, zwei Ziele würde ich wahrscheinlich ich immer wieder besuchen wollen: Den Gardasee und Venedig! Dieses Mal wollte ich zum Campingplatz Lombardi in Malcesine; diesen Ort kannte ich noch bisher nicht. Die Strecke von Klosterlechfeld über Innsbruck und die Brennerautobahn bis zu meinem Ziel betrug „nur“ 380 km, aber auch die hatten’s wieder ’mal in sich! Ein Mega-Stau kurz vor Garmisch-Patenkirchen, bedingt durch eine Tagesbaustelle, hatte mich fast 3 (in Worten: drei!) Stunden gekostet. Meine Güte, diese Anreise erforderte einen wirklich extrem langen Geduldsfaden! Ich nutzte die Wartezeiten, um mir schon ’mal ein paar Notizen für die späteren Reiseberichte zu machen, hörte Musik, trank und aß etwas und erledigte dies und das im Wohnmobil. Das alles war deshalb möglich, weil man immer wieder 5, 10 oder gar 15 Minuten auf der Stelle stand, bevor es dann endlich wieder weiter ging. Ein paar Meter nur, versteht sich…

Ab Mittenwald kam ich dann aber endlich wieder zügig voran; bis zum Gardasee gab’s glücklicherweise keine nennenswerten Verkehrsprobleme mehr! Die Maut für die Brennerautobahn (10 EUR) hatte ich vorher bereits online bezahlt; ich war gespannt, ob das auch wirklich funktionieren würde. Das tat es, die Schranke an der Mautstation öffnete sich (blitz)artig, sobald das Kennzeichen meiner „Hannelore“ erfasst war. Bis nach Mori, der Autobahnabfahrt nach Malcesine, wurden dann noch ’mal 13,10 EUR Maut fällig.

Um kurz vor 17:00 Uhr traf ich auf dem Campingplatz ein. Das Einchecken für zwei Übernachtungen erfolgte superschnell (ich hatte vorher reserviert), und ich konnte mir einen beliebigen Platz auf dem großen Areal aussuchen. Die Auswahl war groß, der Campingplatz war höchstens zu einem Viertel belegt. Bei einem kleinen Rundgang fand ich einen schönen und gemütlich wirkenden Campingplatz vor, mit sehr freundlichem Personal und vorbildlichen, sauberen Sanitäranlagen. Hier fühlte ich mich auf Anhieb wohl!

Für große Unternehmungen war es nun leider zu spät, außerdem hatte ich ja auch heute wieder eine ziemlich anstrengende Fahrt hinter mir. Ich richtete mich also schnell ein, spendierte mir freundlicherweise erst ’mal einen leckeren Cocktail, verschickte ein paar Nachrichten und verbrachte den Rest des Tages „saugemütlich“ am Wohnmobil…

6 Kommentare zu “Auf den Spuren von Commissario Montalbano”

  1. Hallo Wolfgang,
    dein Einführungsbericht hat es ja schon mal in sich. Auch unsere Anreise und Abreise zum Gardasee war bisher die schlimmste von den 4 Besuchen. Wir fuhren jeweils Sonntags um den LKW-Verkehr zu meiden. Auch sehr früh um 5 Uhr. Richtung Italien lief alles wie geschmiert durch Deutschland und auch noch durch Österreich. Aber dann war nur noch zähflüssiger, nerviger Verkehr und immer wieder mit Stillstand . So brauchten wir diesmal für die 660 km 10 Std. Nach Deutschland war es genau umgekehrt. Ich freute mich schon wie alles lief und in Deutschland war es dann plötzlich ein Horror ! Der Gardaseeurlaub war aber eine kleine Sensation. So schön wie noch nie 🙂

    1. Ja, manchmal kann die An- oder Abreise ziemlich nervig sein; umso schöner, wenn man es dann endlich geschafft hat! Dass eure Gardasee-Reise dieses Mal ganz besonders schön war, konnte ich, so meine ich jedenfalls, schon auf den vielen Fotos sehen, die du auf FB gepostet hast! Insbesondere habt ihr wohl ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Restaurants und Cafés gehabt, allen voran der besondere Abend unten am Strand. Danke für deinen Beitrag, Roland!

  2. Was? Keine Fotos? 😉 Malcesine – einer meiner Lieblingsorte am Gardasee. Ich bin gespannt, wie er dir gefällt. In Sizilien war ich noch nie und ich muss gestehen, das reizt mich irgendwie gar nicht. Ist aber bestimmt trotzdem ein toller Ort. Ich bin eh ein Italienfan und war schon viel zu lange nicht mehr dort. Leider wird das auch erstmal warten müssen. Die Serie kenne ich noch gar nicht, ich muss mal schauen, ob ich sie in einem meiner Streaminganbieter finde. Hört sich spannend an. Und ich freue mich auf den nächsten Bericht, dann aber mit Fotos! 😉 LG Andrea

    1. Danke für deinen Beitrag, Andrea! Und ja, natürlich gibt’s ab jetzt immer viele Fotos zu jedem Tagesbericht, sonst wär’s ja ziemlich öde… 😉 Von der Anreise selbst hab‘ ich tatsächlich nicht ein einziges Foto, was natürlich seine Gründe hat. Malcesine hat mir super gefallen, trotz des etwas „gewöhnungsbedürftigen“ Wetters, aber davon später mehr, im nächsten Bericht… 😉

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