Heute früh um 8 Uhr habe ich meinen zweimaligen Übernachtungsplatz in Dortmund verlassen und bereits 45 min später die dritte Station meiner Reise durch Westdeutschland erreicht, die ca. 360.000 Einwohner zählende Großstadt Bochum. Die Stadt selbst wollte ich erst morgen besuchen. Für heute hatte ich eine Radtour geplant, die mich unter anderem zur Halde Hoheward führen sollte.

In Bochum gibt es seit ein paar Jahren den Premium-Wohnmobilstellplatz Glück Auf, den ich mir im Vorfeld bereits ausgeguckt hatte. Er bietet mehr als 50 geräumige und komfortabel eingerichtete Plätze, sodass ich mir keine Sorgen zu machen brauchte, hier abgewiesen zu werden, erst recht nicht zu dieser frühen Stunde. Man zieht am Eingang ein Ticket, es öffnet sich die Schranke und man fährt dann vor bis zur Rezeption, um sich dort an einem modernen Automaten zu registrieren. Der Platzwart war gerade anwesend, begrüßte mich freundlich und übernahm das Einchecken für mich; eine Minute später war bereits alles erledigt und ich bezog meinen Platz (17 EUR/Nacht).

Das Wetter war heute leider nicht so „prickelnd“. Der Himmel blieb meistens bedeckt, und am Vormittag war es noch ziemlich kalt, weshalb ich mir zu Beginn meiner Tour sogar eine Wollmütze aufsetzen musste. Dennoch habe ich diese Tour sehr genossen; für mich ist es immer wieder superschön, durch für mich völlig unbekannte Regionen zu radeln, überwiegend abseits von Lärm und großen Straßen und meist voller Überraschungen!

Erstes Etappenziel auf meiner heutigen Fahrradtour war der Westpark, von dort ging es auf die 9 km lange Erzbahntrasse. Nordwestlich der Jahrhunderthalle führt die Strecke über die sogenannte Erzbahnschwinge, die zuerst parallel zu der noch befahrenen Werkbahnverbindung der Thyssen-Krupp-Werke verläuft. Nach der Überquerung des Ruhrschnellweges A 40 tangiert der Weg das Gelände der Zeche Carolinenglück, die lange Zeit nicht nur über die Eisenbahntrasse, sondern mittels einer Seilbahn die Kokskohle für die Hochöfen des Bochumer Vereins lieferte.

Von 2002 bis 2008 wurde die Trasse zu einem Bahnradweg umgebaut. Dadurch konnte der Westpark kreuzungsfrei mit dem Emscher-Radweg verbunden werden. Der Verlauf der Strecke auf einem Damm ermöglicht einen ausgezeichneten Blick auf die umliegende Industrie- und Siedlungslandschaft. Im Verlauf der Strecke befinden sich einige größere, zum Teil spektakuläre Brückenbauwerke, zu denen unter anderem die Grimberger Sichel zählt.

Die Fußgängerbrücke führt in einem halbkreisförmigen Bogen über den Rhein-Herne-Kanal und gehört bereits zu Gelsenkirchen. Sie wurde 2009 eingeweiht und ist als asymmetrische Stahlkonstruktion ausgeführt. Ihre Spannweite zwischen den Widerlagern beträgt 141 m. Insgesamt ist sie 153 m lang und damit eine der längsten gekrümmten Fußgängerbrücken der Welt! Sie hängt an einem 48 m hohen Stahlpylon auf der Nordseite des Kanals. Die Grimberger Sichel erhielt im September 2010 den European Steel Bridges Award in der Kategorie Fußgängerbrücken.

Die weitere Route führte nun in Richtung Osten, ’mal nördlich und ’mal südlich des Kanals, aber immer so dicht wie möglich an seinem Ufer. Die Anlagen der Neuen Schleuse Altcrange fand ich besonders interessant.

Schließlich erreichte ich den Landschaftspark Hoheward, ein Rekultivierungsprojekt im nördlichen Ruhrgebiet, und damit auch mein Hauptziel für heute, die Halde Hoheward. Der „Aufstieg“ begann hinter einer Überführung über die Cranger Straße. Ich hatte anfangs befürchtet, dass die Steigungen dort für ein Fahrrad, auch wenn es sich um ein eBike handelte, möglicherweise zu steil sein könnten. Dies war aber erfreulicherweise nicht der Fall!

Die aus 180.000.000 to Gestein aufgeschüttete Halde ragt 152 m hoch auf! Mit den rund um die Halde verlaufenden Panoramawegen, dem Horizontobservatorium auf dem Gipfelplateau und der großen Horizontalsonnenuhr mit Obelisk bildet sie ein ungewöhnliches und bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebtes Freizeitareal.

Eine Umrundung der Halde auf Höhe der Balkonpromenade mit einer Länge von rund 6,4 km bietet Aussichten in jede Himmelsrichtung, ergänzt durch informative Panorama-Tafeln auf allen 10 Aussichts-Balkonen, die entlang der Promenade errichtet wurden.

Die rund 3.000 qm große Horizontalsonnenuhr liegt auf dem südlichen Plateau in einer Höhe von etwa 140 m. Als Zeiger dient ein exzentrisch stehender, 8,50 m hoher Edelstahl-Obelisk, der seinen Schatten auf die kreisrunde Fläche mit einem Durchmesser von 62 m wirft. Die Oberfläche besteht aus hellen Pflastersteinen. Durchzogen wird es von 20 cm breiten Bahnen aus schwarzem Pflaster. Diese sehr präzise Ausführung ermöglicht dem Besucher bei geeigneter Witterung eine genaue Ablesung der Uhrzeit und des Datums. Zu diesem Zweck sind zahlreiche Erläuterungen in die Fläche eingelassen worden. Eine Besonderheit ist, dass die Fläche absolut eben ausgeführt ist. Damit es zu keiner Pfützenbildung kommt, wurde poröses Pflaster verwendet, durch welches das Wasser in den Untergrund gelangt.

Auf dem nördlichen Gipfelplateau der Halde Hoheward wurde 2008 das Horizontobservatorium errichtet. Das moderne Bauwerk besteht aus einer kreisrunden, ebenen Fläche von 88 m Durchmesser, einem um 1,50 m abgesenkten Forum mit 35 m Durchmesser in der Mitte und zwei Bögen mit einem Radius von ca. 45 m, die sich wie die Großkreise Meridian und Himmelsäquator über den Platz spannen. Es soll eine moderne Version prähistorischer Steinkreise und Bauwerke wie Stonehenge darstellen. Befindet sich der Beobachter genau in der abgesenkten Mitte des Bauwerks, breitet sich das Plateau der Halde in alle Richtungen wie ein künstlicher Horizont aus und mit Hilfe einiger Peilmarken können der Auf- und Untergang der Sonne zu wichtigen Kalendertagen wie SommersonnenwendeWintersonnenwende oder Äquinoktium beobachtet werden. Die alles überspannenden Bögen teilen den Himmel in Ost- und Westhälfte sowie in Nord- und Südhalbkugel ein und dienen daher tagsüber als Sonnenkalender und nachts mit Hilfe einer selbstleuchtenden Skala als Orientierungshilfe am Sternenhimmel.

Den Aufenthalt dort oben habe ich sehr genossen, überhaupt war es das allererste Mal in meinem Leben, dass ich mich auf einer ehemaligen Halde im Ruhrgebiet befand! Doch irgendwann wurde es natürlich Zeit, weiterzufahren. Der Weg hinunter lag naturgemäß sehr schnell hinter mir, und nach der erneuten Überquerung des Kanals erreichte ich später die Stadt Herne, die ich von Nord nach Süd durchquerte.

Gegen 14:30 Uhr war ich wieder „zuhause“, und es folgte ein etwas verspätetes Mittagessen. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, verschiedene Dinge zu erledigen. Unter anderem probierte ich zum ersten Mal einen Reinigungsautomaten für Chemie-WCs aus, dessen Benutzung mit 2 EUR zu Buche schlug. Zunächst muss man ’mal die anfangs etwas verwirrenden Anweisungen auf dem Gerät studieren, danach läuft aber alles reibungslos! Zugegeben, die WC-Kassette war hinterher so sauber wie noch nie seit ihrer allerersten Benutzung, aber grundsätzlich werde ich wohl doch beim einfachen Entleeren bleiben.

Ab 17 Uhr schien die Sonne, und ich nahm dies als gutes Zeichen für etwas besseres Wetter morgen…

2 Kommentare zu “Auf der Halde Hoheward”

  1. Hallo Wolfgang,
    solche Campingplätze mit Komfort und schnellem Einchecken würde man sich sicher immer wünschen, aber ich kann mich auch nicht erinnern das du öfters Probleme hattest, egal wo du bisher warst. Die gebogene Brücke sieht ja toll aus und da hat sie ihren Preis verdient. Auch die Halde mit der Sonnenuhr und dem Horizontobservatorium finde ich klasse. Da haben die Ruhrpottjungs ganze Arbeit geleistet.
    Beste Grüße, Roland

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