Wusstet ihr eigentlich, dass es noch eine weitere Stadt in der Lagune von Venedig gibt? Eine, die auch als „Klein-Venedig“ oder als „kleine Schwester Venedigs“ bezeichnet wird? Nein? Ist nicht schlimm, ihr braucht ja nur weiterzulesen… 😉

Bis vor ein paar Jahren ahnte ich auch noch nichts von diesem Ort, bis ich per Zufall ’mal während einer Karten-Recherche (in der Satellitenfoto-Ansicht) über ihn „gestolpert“ bin: Die ca. 50.000 Einwohner zählende Hafenstadt Chioggia liegt im äußersten Süden der Lagune und weist erstaunlich viele Gemeinsamkeiten mit ihrer „großen Schwester“ auf: Sie liegt auf einer Insel, ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden, wurde auf Holzpfählen gebaut und kann jahrhundertealte Kanäle, Brücken und antike Bauwerke im typisch venezianischen Stil vorweisen! Das alles erinnert tatsächlich stark an Venedig, doch der Lebensstil ist deutlich gemächlicher. Chioggia ist in erste Linie ein malerisches Fischerstädtchen und vor allem kein touristisches Massenziel!

Auf meinen Weg in Richtung Sizilien wollte ich ja auf der Ostseite des italienischen „Stiefels“ reisen, also immer an der Adria entlang. Was lag also näher, als diese Stadt endlich ’mal zu besuchen? Die Entfernung von nur etwa 45 km war relativ schnell bewältigt, lediglich auf den letzten Kilometern herrschte etwas zähflüssiger Verkehr. Als Ziel hatte ich über eine meiner Stellplatz-Apps einen speziell für Wohnmobile vorgesehen Parkplatz ’rausgesucht, den ich auch mühelos fand. Er befindet sich im Stadtteil Sottomarina auf der gleichnamigen Halbinsel, also noch auf dem Festland.

Der Platz war bei meiner Ankunft bereits (oder noch?) gut besucht, aber es gab doch noch genügend freie Lücken (spätabends waren übrigens alle Plätze belegt). Ich suchte mir einen Platz aus und ging zunächst ’mal zur Einfahrt zurück, um ein Parkticket zu lösen. Der Parkautomat erwies sich einmal mehr als ziemlich „zickiger“ Vertreter seiner Art: Von englischer, französischer oder gar deutscher Menüführung keine Spur, und die Bedienung war alles andere als intuitiv! Das winzige LCD-Display war im direkten Sonnenlicht kaum lesbar, und für die Eingabe meines Kfz-Kennzeichens habe ich daher ’ne ganze Weile gebraucht! Schließlich klappte aber doch alles. Für 24 Stunden ab Ankunft wurden 10,- EUR von meiner Kreditkarte abgebucht.

Nach einem Mittagessen und einer kleinen Mittagspause freute ich mich auf meine Radtour; ich konnte es kaum erwarten, diese interessante Stadt kennenzulernen; das perfekte Wetter steigert meine Vorfreude noch!

Zuerst fuhr ich in Richtung Norden, immer an der Promenade Via Lungomare Adriatico entlang. Hier reiht sich ein Bagno, also ein Strandbad, an das andere. Der kostenlose Zugang zum Strand ist hier natürlich nicht möglich, man müsste Eintritt zahlen, um dann zusätzlich auch in den Genuss von Liegestühlen, Sonnenschirmen, Duschen und Ähnlichem zu kommen. Und hier gibt’s natürlich auch zahlreiche Hotels, Restaurants und Cafés, Diskotheken und Bars, Shops und Sportanlagen, eben alles, was halt so dazu gehört! Diese Strandpromenade kann man übrigens sehr gut mit dem entsprechenden Pendant in Venedig vergleichen, dem Lido di Venezia, dem Barrierenstrand also, der die Lagune von der Adria trennt.

Am Nordende der Halbinsel stößt man auf eine der drei Einfahrten in die Lagune. Direkt auf der Hafenmole, an dessen Ende sich ein Restaurant befindet, sieht man noch einige der alten Trabucchi, zum Fischfang errichtete Pfahlbauten mit fest installierten Fischernetzen. Der deutsche Begriff dafür lautet Fischergalgen oder Fischwaage.

Von hier aus konnte ich auch endlich ’mal den 11 km langen, schönen Strand von Sottomarina überblicken. Ich war mehr als überrascht, wieviele Menschen sich hier befanden! Nach der eher geringen Anzahl von Gästen in den bisher besuchten Städten hatte ich dies so nicht erwartet! Bei diesem Anblick ist von corona-bedingten Auswirkungen keine Spur zu sehen, dachte ich. Viel voller kann es hier zu „normalen“ Zeiten auch nicht sein, denn die Menschen lagen hier dicht an dicht wie Ölsardinen in der Dose; von Abstand keine Spur…

Nun wandte ich mich auf der Westseite der Halbinsel wieder ein Stückchen nach Süden, um dann später über eine Steinbrücke und die Calle Piva in das eigentliche Zentrum der Stadt zu gelangen. Schon von hier aus ahnte ich, was den Reiz dieses Ortes ausmachten würde…

Wer’s bunt mag, ist hier goldrichtig, wie man sieht! Die vielen, völlig unterschiedlichen Gebäude sind allesamt sehr farbenfroh, besonders bei strahlendblauem Himmel. Man fühlt sich hier auf Anhieb sehr wohl!

Und man spürt natürlich auch sofort, dass die Fischerei hier eine große Rolle spielt. Der Fischfang und der Gemüseanbau sind die wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt, nicht der Tourismus; Chioggia besitzt den größten Fischmarkt Italiens.

Auch Sportboote und Luxusjachten sind natürlich vertreten. Im Hintergrund sieht man die Häuserkulisse der Halbinsel Sottomarina.

Am Nordostende der Altstadt liegt, auf einer winzigen Insel, die Kirche San Domenico aus dem 13. Jahrhundert. Der Zugang in Form einer fotogenen Bogenbrücke befindet sich gleich links davon…

Wenn man sich die PKW auf der rechten Seite ’mal wegdenkt, würde man dieses Foto doch wohl sofort nach Venedig „verorten“, oder? Vielleicht auch nach Burano oder Murano. Wie soll man da auch auf Chioggia kommen, wenn man’s gar nicht kennt… 😉

Den Corso del Popolo, die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Hauptachse der Stadt, nannte ein italienischer Schriftsteller ’mal „ein einziges großes Café im Freien“. Abends wird die Straße für den Verkehr gesperrt, werktags findet hier auch der Fischmarkt statt.

Beste Gelegenheit also, ein coffee break einzulegen! Aufgrund der Hitze war mir dieses Mal allerdings eher nach etwas Kaltem, Fruchtigem statt nach dem sonst obligatorischen Cappuccino; meine kleine „Kaffeepause“ gestaltete ich heute ausnahmsweise ’mal in hübschen Rottönen…- 😉

Im Süden der Stadt fuhr ich über eine weitere Brücke wieder zurück auf die Halbinsel, wo ich diese Installationen traf. Ich bin leider zu sehr Laie in solchen Fragen, kann also nicht sagen, was hier gefangen und/oder gezüchtet wird. Hummer? Austern? Muscheln? Ich bitte um input… 😉

Nun ging es in einem großen Bogen, wieder entlang der oben bereits erwähnten Promenade, zurück zum Parkplatz und zum Wohnmobil, wo ich es mir für den Rest des Tages gemütlich machte. Gegen 18:00 Uhr gab’s noch einen ausgedehnten Video Chat mit der Familie, währenddessen ich zwei Frikadellen mit Kartoffelsalat „verdrückte“. Um 23:00 Uhr hieß es dann ’mal wieder: „Gute Nacht, John-Boy…“

4 Kommentare zu “Chioggia – Wie Venedig, nur mit Autos”

  1. Hallo Wolfgang,
    hier stellst du mir eine total unbekannte Stadt vor welche du mit den schönen, farbenfrohen Fotos wunderbar zeigst. Bei dem einen oder anderen Foto könnte man ohne Zweifel sicher auf Venedig tippen … da hast du recht ! Echt interessant was sich auf der Welt, wie hier in Italien so alles verbirgt. Schon komisch das man bzw. ich noch nie etwas von Chioggia gehört gelesen, gesehen oder gehört habe. Natürlich zu aller erst bei Koomot 😉
    Viele Grüße, Roland

  2. Von dieser Stadt hatte ich bisher auch noch nichts gehört. Das ist ja spannend. Schön, dass Du sie uns vorstellst. Aber wenn der Strand auf der Festland-Seite so voll war, scheint sie -vielleicht auch nur bei den Einheimischen- doch dehr beliebt zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.