Nachdem ich in den beiden vergangenen Wochen Lolland und Falster näher kennengelernt hatte, ist mit Møn ab heute nun die dritte und letzte der dänischen Inseln an der Reihe, die ich mir auf meiner aktuellen Wohnmobilreise zum Thema gemachte hatte. Møn ist zwar die kleinste der drei Inseln und hat daher naturgemäß auch nicht sehr viel zu bieten, doch hier gibt es ein ganz besonderes Naturerlebnis, um das die beiden anderen sie sicherlich beneiden! Doch davon berichte ich erst morgen… 😉
Die Fahrt von Stubbekøbing auf Falster bis zum kleinen Ort Keldby auf Møn lag schnell hinter mir, und nach dem problemlosen Einchecken auf dem östlich des Orts gelegenen Campingplatz konnte ich auch schon früh mit meiner täglichen Radtour starten. Zunächst radelte ich in südliche und kurz danach in westliche Richtung.
Das „einsame“ Boot aus der grünen Wiese mag etwas befremdlich wirken, aber ganz in der Nähe befindet sich das Stege Nor, ein rund 6 km langer, flacher Brackwassersee, der über einen schmalen Kanal mit der offenen Ostsee verbunden ist. Das idyllische Gewässer gilt unter Anglern als eines der absolut besten Reviere Dänemarks für kapitale Hechte und bietet zudem einer artenreichen Vogelwelt ein geschütztes Rückzugsgebiet.


Die geschichtsträchtige Theaterhochschule Rødkilde wurde bereits 1865 als eine der ältesten Volkshochschulen des Landes gegründet und widmet sich seit 1998 ganz der darstellenden Kunst. Das denkmalgeschützte Hauptgebäude aus rotem Backstein erinnert optisch an ein kleines Schloss und liegt eingebettet in eine romantische Parkanlage direkt am Ufer des oben erwähnten Binnensees. Ein besonderes architektonisches Highlight des Ensembles ist die Ottekanten von 1878, Møns erstes öffentliches Versammlungshaus, das den Studierenden heute als einzigartiger, achteckiger Theaterraum dient.

Nachdem ich den Binnensee umrundet hatte, erreichte ich schließlich Steg, den Hauptort von Møn, aus südwestlicher Richtung und überquerte, nach ein paar Fotos, die Klappbrücke Stege Storebro.





Stege ist der größte Ort und das charmante Zentrum der Insel, idyllisch gelegen zwischen der Ostsee und dem bereits erwähnten Binnensee. Als historische Marktstadt verzaubert der Ort seine Besucher mit kopfsteingepflasterten Gassen, gut erhaltenen Fachwerkhäusern und einer gemütlichen Atmosphäre. Das Wahrzeichen der Stadt ist das beeindruckende Mühlentor (dänisch Mølleporten) aus dem 15. Jahrhundert, welches zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadttoren Dänemarks zählt. Im Sommer herrscht hier üblicherweise viel Betrieb, wenn die lebendige Einkaufsstraße mit ihren Cafés, Kunsthandwerksläden und den beliebten Dienstagsmärkten zahlreiche Urlauber anlockt.

Direkt an der Brücke am Eingang zur Altstadt von Stege steht diese markante, zweiteilige Granitskulptur des Künstlers Morten Flyverbom. Während die Außenseiten des gespaltenen Findlings rau und naturbelassen sind, offenbaren die eher glatten Innenseiten zwei gegenüberliegende, rot ausgemalte Vertiefungen in Herzform, die als symbolisches „Herz von Stege“ zeigen, dass selbst im härtesten Stein ein warmer Kern schlägt.








Nachdem ich mich gründlich in der Stadt umgesehen hatte, verließ ich sie in Richtung Norden, wo ich eine weitere, recht kleine Insel besuchen wollte. Der Weg dorthin, den ich mir als Alternative zur Straße ausgewählt hatte, verlief „über Stock und Stein“ und teilweise auf sehr schmalen Pfaden durch dichten Wald…




Schließlich erreichte ich aber die zur Insel führende Brücke, überquerte sie und fand mich urplötzlich in einer völlig anderen Landschaft wieder. Die knapp 5 qkm große Insel Nyord ist bekannt für ihr riesiges Vogelschutzgebiet und das historische Dorf mit seinen reetgedeckten Fachwerkhäusern, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Zu ihr führt die erwähnte Nyord-Brücke (dänisch Nyordbroen), eine schmale, einspurige und sehr flache Betonbrücke aus dem Jahr 1968. Sie verbindet die Halbinsel Ulvshale mit Nyord und bietet bei der Überquerung einen faszinierenden, freien Blick über die weiten Strandwiesen und das seichte Brackwasser.



Das Dorf besticht neben den bereits erwähnten Fachwerkhäusern auch durch gemütliche Gassen und ein weitgehend autofreies Zentrum, das wie ein lebendiges Freilichtmuseum wirkt.



Der Hafen diente im 18. und 19. Jahrhundert als wichtiger Stützpunkt für die traditionsreichen Insel-Lotsen, die Schiffe sicher durch die flachen und tückischen Gewässer steuerten. Heute ist er ein herrlich ruhiger Naturhafen für Freizeitsegler, an dem man den historischen, winzigen Lotsenausguck Møllestangen bestaunen und den weiten Blick aufs Wasser genießen kann…



Im Mittelpunkt des Ortes, wo fast alle Wege sternförmig zusammenlaufen, steht die markante Nyord kirke aus dem Jahr 1846. Sie beeindruckt Besucher mit ihrem ungewöhnlichen, achteckigen Grundriss und der Besonderheit, dass sie bis heute keinen elektrischen Strom besitzt und im Winter rein durch stimmungsvollen Kerzenschein erleuchtet wird.


Nach einer Weile verließ ich die kleine Insel wieder über die erwähnte (und einzige) Brücke und fuhr auf einer anderen Strecke wieder in Richtung Keldby und Campingplatz.

Im winzigen Nest Udby (etwa 200 Einwohner) fand gerade eine Art Flohmarkt statt: Das ganze Dorf schien hier auf den Beinen zu sein! Aber anders als bei uns gab es hier auch viele kleinere Festzelte, ein paar Veranstaltungen für Kinder und fast überall Kaffee und Kuchen! Richtig dänisch also, oder noch besser ausgedrückt: richtig hyggelig… 😉
Um kurz vor 15 Uhr traf ich wieder auf dem Campingplatz ein. Ich war froh, meine Tour ohne nennenswerte Regengüsse absolviert zu haben! Zum Abend habe ich wieder einmal den Grill „angeworfen“, allerdings nur für ein paar Grillwürstchen. Dazu gab’s Kartoffelsalat und ein paar Gläser Rotwein.

