Ich befinde mich nach wie vor auf dem schönen Campingplatz südlich von Nysted. Heute stand meine zweite Radtour in dieser Gegend auf dem Programm, die mit nur 24 km etwas kürzer ausfiel als die gestrige. In der Nacht hatte es stark geregnet, am Morgen war es allerdings trocken, dafür aber kalt. Auch die Vorhersage versprach keine angenehmen Temperaturen und viel Wind.
Während ich gestern auf meiner Rundtour die östlichen Region von Nysted erkundet hatte, war heute die westliche Seite dran. Ich radelte um 9 Uhr zunächst wieder in den Ort und zum Hafen.

Das sehenswerte Schloss Aalholm hatte ich ja bereits gestern näher vorgestellt. Im Jahr 1332 diente es sogar als Gefängnis für niemanden Geringeres als den dänischen König selbst! König Christoph II. hatte im bankrotten Reich die Macht verloren und wurde von seinem eigenen Halbbruder, dem holsteinischen Grafen Johann von Plön (genannt der Milde, was in diesem Fall ironisch gemeint war), auf Schloss Aalholm festgesetzt. Der König wurde erst kurz vor seinem Tod wieder freigelassen.

Der Name Aalholm setzt sich übrigens schlicht aus Aal und Holm (deutsch kleine Insel) zusammen. Das liegt an der strategischen Lage: Die ursprüngliche Wasserburg wurde auf einer flachen Insel im Nysted Nor errichtet, genau an der Meerenge, an der die Aale seit Jahrhunderten zwischen der salzigen Ostsee und dem Süßwasser der landseitigen Burgseen wandern.


Nun ging es nach Westen zum winzigen, aber sehenswerten Ort Stubberup. Dessen idyllischer Hafen ist ein echter Geheimtipp für Ruhesuchende und Naturliebhaber. Mit seinen wenigen Booten und dem weiten Blick über das Wasser strahlt der kleine Naturhafen eine wunderbare, entschleunigende Gelassenheit aus.

Hier sollte gerade ein Boot zu Wasser gelassen werden. Das Ganze zog sich aber dermaßen hin, auch durch den ausgiebigen Schwatz des Traktor-Fahrers mit den umstehenden Zuschauern, dass ich dann doch die Geduld verlor und weiterfuhr, bevor etwas Sehenswertes passierte.




Die geschichtsträchtige Bregninge kirke fällt sofort durch ihre charakteristische knallrote Außenfarbe und das Fehlen eines klassischen Kirchturms ins Auge. Die idyllisch gelegene Dorfkirche wurde um 1.200 im romanischen Stil erbaut und beherbergt im Inneren einen kunstvoll geschnitzten Renaissance-Altaraufsatz sowie einen historischen Taufstein aus Granit. Ein besonderes Highlight direkt am Friedhofseingang ist zudem die detailgetreue Kopie des alten Bregninge-Runensteins, dessen Original heute im dänischen Nationalmuseum steht.

In der gesamten Region auf Lolland zeugen zahlreiche große und auch viele kleine Hünengräber wie das beeindruckende Ganggrab Glentehøj von einer jahrtausendealten Siedlungsgeschichte. Viele dieser faszinierenden steinzeitlichen Grabkammern liegen frei zugänglich inmitten der idyllischen Natur und laden dazu ein, sie aus nächster Nähe zu erkunden.

Die prähistorische Ausgrabungsstätte Gillehøj wurde bereits in der Jungsteinzeit von den Menschen der Trichterbecherkultur als monumentale Begräbnisstätte errichtet.

Kurz vor dem kleinen Ort Kettinge, den ich ja gestern auch schon durchquert hatte, traf ich auf dieses fotogene Häuschen…

Der Schmuck bezieht sich auf eine gerade erst vor vier Tagen begangene Silberhochzeit von Flemming og Lene…

Die historische Windmühle in Kettinge, eine im Jahr 1891 erbaute Holländermühle, ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen im Südosten Lollands. Einst diente sie dem Mahlen von Getreide, wobei Pferdewagen sogar direkt in das Gebäude hineinfahren konnten, um schwere Säcke per Seilwinde nach oben zu hieven. Nach dem Ende des Mahlbetriebs im Jahr 1945 wurde die Anlage zu einem bewegenden Mahnmal zur Erinnerung an die dänische Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg umgewandelt. Dank des engagierten lokalen Mühlenvereins wurde das Bauwerk aufwendig restauriert, sodass sich die imposanten Flügel heute wieder majestätisch im Wind drehen.

Von hier aus fuhr ich nun wieder direkt nach Süden, wo ich nach einer halben Stunde wieder Nysted und kurz darauf meinen Campingplatz erreichte. Gegen Mittag fing es an zu regnen, erst um 14 Uhr hörte es wieder auf. Wie auf den Fotos zu erkennen ist, war das Wetter während meiner Tour etwas besser als vorhergesagt, vor allem nicht so kalt. Der Nachmittag war dagegen eher ungemütlich, und so hatte ich mit meiner heute etwas kürzeren Strecke wieder „goldrichtig“ gelegen.
