Im Hinblick auf ein bereits gestern angedeutetes Highlight für heute hatte ich im Vorfeld lange überlegen müssen, wo ich an diesem Tag übernachten wollte. Da die Insel Møn recht klein ist, hätte ich auch ruhig auf dem netten Campingplatz in Keldby bleiben können, aber ich hatte mich dann doch für einen Ortswechsel entschieden. Im kleinen Ort Klintholm Havn, der im Süden der Insel und direkt an der Ostsee liegt, gibt es am Ortseingang einen Parkstreifen auf einer Wiese, der in der Hauptsache von Wohnmobilen benutzt wird. Es existieren zwar keinerlei Einrichtungen, dafür darf man dort aber kostenlos übernachten. Die Entfernung betrug nur etwa 13 km und so traf ich relativ früh dort ein.
Der Platz war gut belegt, aber es waren doch noch genügend Lücken vorhanden, von denen ich mir die beste aussuchte. Kurz darauf war ich auch schon mit dem Rad unterwegs. Mein erster Weg führte mich durch den kleinen Ort direkt zum idyllischen Hafen. Er verbindet den rauen Charme eines aktiven Fischereihafens mit einer modernen, lebendigen Marina für Freizeitsegler. Umgeben von zwei schönen Sandstränden lädt das Hafenviertel mit gemütlichen Fischrestaurants, Cafés und einer maritimen Promenade zum Verweilen und Genießen ein. Zu dieser frühen Uhrzeit war hier allerdings noch nichts los, und ich traf nur sehr wenige Menschen an.



Danach verließ ich den Ort und fuhr in Richtung meines heutige Ziels, den berühmten Kreidefelsen, auf die ich mich schon sehr freute. Zuerst ging es möglichst nah an der Ostküste von Møn entlang…


…dann langsam, aber stetig bergauf, durch überraschend hügeliges Gelände, das ein paar „knackige“ Steigungen für mich bereithielt!

Schließlich erreichte ich mein Ziel und suchte mir einen geeigneten Platz, um mein Rad abzustellen und zu sichern. Neben einigen Parkplätzen befanden sich hier die Ausgangspunkte verschiedener Wanderwege, die teils oben auf der Steilküste verliefen und teils herunter zum Strand führten. Hier trifft man auch auf das hochmoderne Geocenter Møns Klint, ein Erlebniszentrum, dessen Architektur größtenteils unterirdisch in den Boden integriert wurde, um die umliegende Natur zu schonen. Im Inneren nimmt die interaktive Ausstellung Besucher mit auf eine Zeitreise durch 70 Millionen Jahre Erdgeschichte von der Kreidezeit bis zur Entstehung Dänemarks.
Ich entschied mich zunächst für eine Wanderung auf der Steilküste, zu der ich über ein paar Treppen gelangte…



Die Kreidefelsen auf Møn, auch bekannt als Møns Klint, erstrecken sich über rund 6 km entlang der Ostseeküste. Mit einer Höhe von bis zu 128 m ragen die strahlend weißen Wände majestätisch aus dem meist türkisblauen Meer empor. Diese beeindruckende Naturkulisse entstand vor Millionen von Jahren aus den kalkhaltigen Überresten mikroskopisch kleiner Algen aus der Kreidezeit. Besonders faszinierend ist der starke Farbkontrast zwischen dem weißen Gestein, den sattgrünen Buchenwäldern auf den Klippen und dem glitzernden Wasser.
Als eines der spektakulärsten Naturwunder Dänemarks steht das gesamte Gebiet unter Naturschutz; es zieht jährlich unzählige Touristen und Naturliebhaber an. Auch bei mir standen diese Kreidefelsen schon seit vielen Jahren auf meiner bucket list. Heute schaffte ich es endlich einmal, sie zu besuchen, und das auch noch bei absolutem „Kaiserwetter“… 😉




An vielen Stellen fühlte ich mich an die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund auf der deutschen Insel Rügen erinnert. Obwohl beide Regionen zu unterschiedlichen Ländern gehören, sind sie doch geologische „Geschwister“! Beide entstanden aus derselben riesigen Kreideschicht, die vor Millionen von Jahren den heutigen Ostseeraum bedeckte, und wurden durch die letzte Eiszeit emporgehoben.




Irgendwann machte ich schließlich kehrt und ging auf gleicher Strecke wieder zurück zum Ausgangspunkt meiner kleinen Wanderung an der Steilküste und durch den Wald, bis ich wieder das Besucherzentrum und den großen Parkplatz erreichte. Von dort aus gelangt man über steile Holztreppen mit etwa 500 Stufen hinunter zum Kieselstrand. Selbstverständlich machte auch ich mich auf den Weg nach unten, obwohl ich beim Gedanken an den später notwenigen Aufstieg nicht besonders amused war.




Von unten wirkten die Kreidefelsen auf mich noch deutlich spektakulärer als von oben, vor allem, weil man deren unglaubliche Höhe wegen der fehlenden Sichtbehinderung durch den Wald jetzt viel besser einschätzen konnte.




Ich hielt mich hier trotz der Hitze und des fehlenden Schattens eine ganze Weile auf und genoss die einmalige Kulisse sowie die besondere Atmosphäre, die hier herrschte. Ich sah den kommenden und gehenden Menschen zu und machte unzählige Fotos, bevor ich mich wieder auf den mühsamen Aufstieg wagte.




Ich muss gestehen, dass mir der Rückweg dann doch deutlich leichter fiel, als ich gedacht hatte! Das Geheimnis sind ganz einfach mehrere kleine Pausen, die man unterwegs einlegen sollte. Es gibt im Verlauf dieser gewaltigen Treppenkonstruktion immer wieder gute Möglichkeiten, sich etwas auszuruhen und sogar zu setzen.
Nach diesem äußerst interessanten und zufriedenstellenden Besuch von Møns Klint setzte ich meine Radtour fort. Zusätzlich zu den fotogenen Kreidefelsen, die mir insgesamt sogar noch etwas besser gefallen hatten als die auf Rügen, gab es nämlich noch ein zweites Ziel, wenngleich nicht ganz so spektakulär: Der nördlichste Punkt meiner heutigen Rundfahrt war Schloss Lieselund, relativ nah an der Ostseeküste gelegen.
Das charmante, reetgedeckte Herrenhaus wurde Ende des 18. Jahrhunderts von einem dänischen Adligen als Lustschloss im klassizistischen Stil für seine Frau Elisabeth erbaut. Es ist weltberühmt für seinen weitläufigen englischen Landschaftsgarten, der mit verträumten Teichen, kleinen Pavillons und Brücken wie aus einem Märchen wirkt. Durch seine direkte Lage am Rande der Klippen lässt sich der Besuch der historischen Residenz wunderbar mit einer Wanderung an den Kreidefelsen verbinden. Das hatte ich mir auch gedacht, und so stellte ich mein Fahrrad nach meinem Eintreffen im Eingangsbereich ab und schaute mir die gesamte Anlage, die zu dieser Zeit sehr gut besucht war, in aller Ruhe zu Fuß an…




Danach ging es dann aber ohne weitere Unterbrechungen wieder zurück nach Klintholm Havn, wo ich am späten Nachmittag eintraf. Dort traf ich auf einen kleinen, aber recht einladend wirkenden food court im Freien, wo es allerhand Leckereien gab und herrlich roch…

Da ich bis dahin noch nichts „Gescheites“ gegessen hatte, gönnte ich mir eine Portion Fish & Chips, die wahrlich riesig war! Ich musste tatsächlich etwas davon übrig lassen. Mit umgerechnet 18,60 EUR war diese Ausgabe allerdings auch nicht gerade ein „Schnapper“…

Nach einer Weile kehrte ich schließlich zum Parkplatz am Ortseingang und zum Wohnmobil zurück und verbrachte dort den Rest des Tages. Zu diesem Zeitpunkt standen nicht mehr ganz so viele Wohnmobile hier wie noch heute Morgen, dafür kamen aber immer mehr PKW und parkten hier ein. Irgendwo musste demnächst wohl eine größere Veranstaltung beginnen…
