Ich hab‘ in meinem ganzen Leben vermutlich schon Hunderte Wiener Schnitzel vertilgt, aber noch nie in Wien! Genau das habe ich heute endlich ’mal nachgeholt! Übrigens, was einige vielleicht nicht wissen, der Begriff Wiener Schnitzel ist nicht zu verwechseln mit Schnitzel Wiener Art; letzteres besteht nämlich aus Schweinefleisch, während das „echte“ natürlich aus Kalbfleisch zubereitet wird.

Überhaupt ist es bedauerlich, dass ich, obwohl ich sehr viele Male im wunderschönen Österreich gewesen bin, noch niemals Wien besucht hatte! Der Grund dafür ist natürlich, dass fast alle meine Reiseziele entweder in den Alpen lagen, oder dass ich eben einfach nur auf der Durchreise „in den Süden“ war! Wien liegt halt etwas „abseits“… 😉

Aber heute (und auch morgen) bin ich nun endlich vor Ort; nach Prag folgte nun mein „zweiter Streich“ auf meiner spannenden Hauptstadtreise!

Ich bin wieder ziemlich früh aufgestanden, habe gut gefrühstückt und dann meine Abreise vorbereitet. Viel gab’s allerdings nicht zu tun; kurz abwaschen, Auffahrkeile verstauen, Stromkabel einrollen, Chemie-Klo entleeren, dann ging’s auch schon zum Auschecken. Das dauerte keine fünf Minuten, und so war ich schon um 8:00 Uhr wieder unterwegs.

Heute musste ich nach den 660 Kilometern, die ich gestern zurückgelegt hatte, unbedingt wieder tanken; der junge Mann an der Rezeption hatte mir allerdings empfohlen, erst einmal aus der Stadt hinauszufahren. Nicht wegen der eventuell höheren Preise in der Stadt, sondern eher wegen des starken Berufsverkehrs und der teilweise „abenteuerlichen“ Zufahrten auf den engen Tankstellen, wo ich mit meinem 7,5 m langen und 3 m hohen Wohnmobil womöglich Probleme bekommen könnte!

Daran hab‘ ich mich auch gehalten; etwas ausserhalb von Prag fand ich eine Tankstelle direkt an meiner Strecke, wo ich für (umgerechnet) 1,28 EUR pro Liter volltanken konnte.

Danach ging es ohne nennenswerte Pausen und bei absolutem Traumwetter ausschließlich über Autobahnen nach Österreich; kurze Zeit später erreichte ich Wien und mein neues „Domizil“ für zwei Nächte, den Campingplatz Camping Neue Donau. Hier hatte ich nicht reserviert; man hatte mir vorher per Mail mitgeteilt, dass das nicht notwendig sei, da immer genügend Kapazitäten zur Verfügung ständen. Ich musste kurz das Ende der Mittagspause abwarten und checkte dann ein. Für zwei Übernachtungen wurden 50,- EUR fällig, für einen Campingplatz „mit alles“ in dieser stadtnahen Lage ganz in Ordnung, denke ich.

Nach einer Kaffeepause und einem kurzen „Schönheitsschläfchen“ (ich weiß, es bringt sowieso nichts…;-) nutzte ich das immer noch tolle Wetter für eine Radtour! Ich hatte mir vorgenommen, morgen den gesamten Tag in der Stadt zu verbringen, und zwar zu Fuß! Die einzige Sehenswürdigkeit auf meinem „Zettel“, die etwas außerhalb lag, war Schloss Schönbrunn. Daher war dies eine gute Gelegenheit, den Besuch dort bereits heute „abzuhaken“.

Ich hatte meine Tour so geplant, dass ich auch den weltberühmten Vergnügungspark im Wiener Prater besuchen würde, den so genannten Wurstelprater.

Die vielen Stände und Buden, Attraktionen und Fahrgeschäfte unterschieden sich eigentlich nicht sehr von den, was ich auch von anderen Jahrmärkten kannte, z.B. vom Hamburger Dom oder vom Freimarkt Bremen. Das Besondere daran ist halt, dass der Prater das ganze Jahr über geöffnet hat! Der Eintritt ist frei, die einzelnen Fahrten werden bei den jeweiligen Schaustellern bezahlt.

Eine weitere Besonderheit bildet natürlich das Wahrzeichen Wiens, das Wiener Riesenrad. Es wurde 1897 zur Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs I. errichtet und war damals eines der größten Riesenräder der Welt.

Hier wurden sehr viele „Fahrradspeichen“ verbaut… 😉

Nun ging es einmal quer durch die Stadt bis zum Schloss Schönbrunn. Auf dieser etwa 10 km langen Etappe hab‘ ich nur wenige Fotos gemacht, denn ich musste mich hier voll und ganz auf den starken Verkehr und die etwas ungewöhnliche Routenführung konzentrieren.

Am Schloss angekommen, musste ich zunächst einmal mein Fahrrad am Osteingang abstellen; das Radfahren ist in der weitläufigen Anlage leider verboten. Nach einem kurzen Spaziergang erreichte ich den riesigen Vorplatz, auf dem, wohl wegen der schon vorgerückten Stunde (17:30), nicht mehr so viel Betrieb war, wie wahrscheinlich tagsüber.

Hier sah ich nun auch zum ersten Mal die berühmten Fiacker, die bei den Touristen so beliebten Kutschgespanne samt Kutscher.

Das Schloss in seiner heutigen Form wurde im 18. Jahrhundert für die damalige Kaiserin Maria Theresia errichtet. Der barocke Palast sowie der dazu gehörende, ca. 160 ha große Park gehören seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe; sie zählen zu den touristischen Hauptsehenswürdigkeiten Wiens.

Wie schon gestern in Prag, so gab es auch hier eine große Anzahl von Ständen, die anlässlich des bevorstehenden Osterfests aufgebaut waren. Sie waren noch recht gut besucht; die Menschen genossen die schöne Abendsonne z.B. bei einem Bierchen oder einem Spritz und verkosteten die unzähligen Leckereien, die hier angeboten wurden.

Nun wanderte ich langsam von der Nord- auf die Südseite des Palasts, der hier noch sehr schön von der Sonne beleuchtet wurde.

Im Schlosspark waren nur noch recht wenige Menschen unterwegs. Ich denke allerdings, dass man hier selbst während der größten Betriebsamkeit noch ein wenig entspannen kann; das Areal ist wirklich riesig!

Auf dem Hügel über dem Neptunbrunnen wurde 1775 eine Gloriette (ein zu einer Gartenanlage gehörendes, gegenüber der Umgebung erhöhtes Gebäude) errichtet. Sie soll an die Schlacht von Kolin im Siebenjährigen Krieg erinnern.

Die Aussicht von dort oben sowohl auf das Schloss und den Park als auch auf ganz Wien muss richtig toll sein, aber nach einem Blick auf die Uhr entschied ich mich schweren Herzens doch noch gegen einen Besuch! Ich hatte noch eine ziemliche Strecke zum Campingplatz zurückzufahren, und außerdem wollte ich auch noch irgendwo zu Abend essen. Nach vielen weiteren Fotos machte ich mich dann schließlich auf den Rückweg…

Der Einfachheit halber wählte ich das Restaurant Schönbrunner Stöckl, das gleich an der Ecke zum Osteingang gelegen war, dort, wo ja auch mein Fahrrad stand. Ich setzte mich in den Biergarten und bestellte neben einem Bier ein original Wiener Schnitzel, dazu gab’s einen kleinen Salat.

Fleisch ohne irgendeine Art von Sauce ist eigentlich nicht so mein Fall, aber ich muss gestehen, dass es mir richtig gut geschmeckt hat! Sowohl die Panade als auch das Schnitzel selbst waren tatsächlich saftig genug!

Nun hatte ich endlich mein allererstes Wiener Schnitzel in Wien gegessen; ich war froh, dass ich das nun auch ’mal abhaken konnte… 😉

Nach ca. einer Stunde verließ ich das Lokal wieder und machte mich auf den langen Rückweg. Zwar war der Verkehr jetzt nicht mehr so stark, dafür war es aber bereits dunkel! Ich musste mehrere Male anhalten, um mich zu orientieren und um die oftmals komplizierte Führung der Fahrradwege, falls überhaupt vorhanden, studieren zu können.

Gegen 21:00 Uhr traf ich wieder auf dem Campingplatz ein. Ich machte es mir im Wohnmobil gemütlich (draussen war es mir schon zu kalt!) und notierte mir die wichtigsten Dinge für diesen Bericht. Im Radio lief auf Kronehit eine Sendung mit dem Titel „Welche Charaktere von ‚Games Of Thrones‘ findest du am schärfsten?“, bei der die Zuschauer anrufen und ihre Meinung kundtun konnten. Wider Erwarten irgendwie kurzweilig, fand ich, obwohl ich gar nicht hätte mitreden können! Diese Serie habe ich bis heute leider noch nicht gesehen…

Nach einem „Schlummertrunk“ ging ich schließlich zu Bett. Ich freute mich schon sehr auf den morgigen Tag, an dem ich diese schöne Stadt zu Fuß erkunden werde!

14 Kommentare zu “Endlich Wiener Wiener Schnitzel”

  1. Super Wolle – Wien ist einfach eine tolle Stadt.
    Leider war ich nur zwei mal ohne WoMo da (.was ich natürlich noch nachhole!!) , aber Deine „Wiener Schnitzel“ Erfahrung kann ich nur bestätigen: nicht vorher und nachher habe ich so ein gutes Wiener Schnitzel gegessen wie in Wien!! Allein das ist der Grund, mit WoMo hin zu fahren (..ein kleiner Scherz!!)
    Deine Bilder sind wieder hervorragend und geben einen tollen Eindruck, was diese Stadt alles zu bieten hat.
    …bitte weiter so und schau, dass Du gut nach Griechenland kommst…
    VG Bernd

    1. Inzwischen habe ich auch alle acht Staffeln gesehen, Andrea! Jetzt könnte ich bei der Radiosendung mitmachen, würde aber leider gleich mehrere Favoriten nennen müssen: Daenerys Sturmtochter, die Erste ihres Namens, die Mutter der Drachen, dann natürlich die bezaubernde Khaleesi, die Sturmgeborene, Dany, die Unverbrannte und, nicht zu vergessen, die Sprengerin der Ketten… 😉

      1. Aber nicht die, die dann letztendlich Amok gelaufen ist, oder? 😉 Sie war bis zur 6. Staffel mein weiblicher Lieblingscharakter, dann schlug es um. Hachja, schade, dass es vorbei ist.

  2. Nachdem ich bei unserem ersten Besuch in Wien etwas unpässlich war, weil ich vorher in Prag wohl was „falsches“ gegessen hatte, konnte ich da leider kein Wiener Schnitzel verputzen. Das holten wir aber bei unserem zweiten Wien-Besuch gleich doppelt nach. Den Prater, wir wohnten direkt am Gelände, fanden wir nicht so toll, halt ein normaler, etwas runtergekommener Jahrmarkt. Da ist das Tivoli in Kopenhagen sehenswerter. Wieder ein schöner Bericht Wolle.

    1. Danke, Holger! Ja, der Prater ist natürlich im Prinzip nichts besonderes, ist aber schon irgendwie Kult. Das Tivoli hab‘ ich bisher nur einmal besucht, leider schon über 40 Jahre her! Noch ein Grund, wieder nach Kopenhagen zu fahren, aber wann…? 😉

  3. Hallo Wolfgang,
    gerade dieser Bericht, mit deiner Karte, zeigt mir was man mit dem E-Bike an einem Tag so alles bewältigen kann. Zu Fuß wäre das unmöglich. Ich finde es einfach klasse wie du mit Hannelore und dem Drahtesel Europa erkunden kannst. Der Schlosspark macht in der Tat durch deine tollen Fotos einen weitläufigen Eindruck.
    Viele Grüße, Roland

    1. Stimmt, Roland, die Kombination WoMo/Rad ist (für mich) die mit Abstand schönste Form des Reisens, kann gar nicht genug davon bekommen! Hoffentlich darf ich bald wieder… 😉 Danke für deinen Kommentar und einen schönen Sonntag!

  4. Ja, Wien ist schon eine wunderschöne Stadt! Tolle Fotos bei Traumwetter hast Du da gemacht!
    Ich hatte mein bestes Wiener Schnitzel übrigens ebenfalls in Wien im Traditionslokal Figlmüller und muss sagen, dass DAS Schnitzel nicht auf Dein Foto gepasst hätte, geschweige denn auf den Teller 😉

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