Wie ja schon gestern angesprochen, habe ich heute das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Besucherbergwerk Rammelsberg sowie die Kaiserpfalz von Goslar besucht; am Nachmittag unternahm ich einen weiteren kleinen Spaziergang durch die Stadt.

Obwohl es direkt nach dem Aufstehen noch ziemlich kühl war, wurde es auch heute wieder sehr schön warm und sonnig! Nach dem Frühstück fuhr ich zuerst zum Besucherbergwerk. Wie fast immer, war ich natürlich viel zu früh vor Ort, alles war noch verriegelt und (Achtung, Wortspiel) verrammelt! Genug Zeit also, mich draußen etwas umzusehen und zu fotografieren. Ich war jetzt doch etwas überrascht von der Größe und der Ausdehnung der gesamten Anlage.

Geöffnet wurde pünktlich um 09:00 Uhr. Kurz vorher erledigte ich bereits das Einchecken über einen draußen angebrachten QR-Code mit Hilfe meines Smartphones; das war deutlich bequemer und schneller als das Ausfüllen entsprechender Zettel, die für Besucher ohne Handy (gibt’s die eigentlich noch?) natürlich ebenfalls auslagen. An der Rezeption wurde lediglich meine HarzCard eingescannt, die ich ja gestern schon gekauft hatte. Darin enthalten ist der Eintritt vieler Attraktionen im gesamten Harzgebiet, unter anderem eben auch für dieses Bergwerk. Sogar eine der verschiedenen angebotenen Führungen gehört dazu.

Ich hatte mich für die etwa 75 Minuten dauernde Führung Feuer und Wasser: Der Roeder-Stollen entschieden, die um 10:00 Uhr beginnen sollte. Es blieb mir also eine Stunde, um mich gründlich in den verschiedenen Hallen (Magazin, Erzaufbereitung, Generatorenhalle usw.) umzuschauen, beginnend mit der im Hauptgebäude befindlichen sogenannten Mannschaftskaue. Sie enthält unter anderem Umkleide- und Waschräume für die Bergarbeiter.

Die Kleidung wurde, wie in dem meisten Bergwerk üblich, an Haken aufgehängt und mit Hilfe von Ketten zur Decke hochgezogen, diese werden dann an einem Ständer verschließbar angebracht. Aufgrund der höheren Temperaturen im Deckenbereich konnte die Kleidung schnell getrocknet und gelüftet werden. Durch diese Anordnung lässt sich die Kaue viel besser reinigen und die Kleidung ist weitgehend vor Staub und Diebstahl geschützt.

Hinter dem Hauptgebäude liegen verschiedene Hallen, von denen einige für den Besucher frei zugänglich sind.

Die 1906 errichtete Generatorenhalle ist das älteste Gebäude der Übertageanlagen des Rammelsbergs.

Das Besucherbergwerk ist gleichzeitig auch ein Museum, daher findet man hier viele Ausstellungsräume, in denen man sich umfangreich über alle Aspekte des Bergbaus informieren kann. Sie befinden sich allesamt auf drei Etagen verteilt im ehemaligen Magazingebäude.

Dieses einfache Drahtmodell der Gruben und Stollen des Bergwerks im Rammelsberg hat mich ganz besonders beeindruckt! Es verdeutlicht sehr anschaulich die Dimensionen der Anlage unter Tage…

Kurz vor 10:00 Uhr befand ich mich wieder in der oben beschriebenen Kaue, vor der aus auch alle Führungen starteten. Insgesamt warteten jetzt sieben Personen auf den Guide, maximal zwölf wären corona-bedingt erlaubt gewesen. Pünktlich um 10:00 Uhr erschien ein älterer Herr, etwa in meinem Alter, der sich zunächst vorstellte und uns zeigte, wie man die vorgeschriebenen Helme zunächst desinfizierte und dann aufsetzte. Die Führung begann mit einer ausführlichen Erklärung am Drahtmodell, das ich weiter oben bereits gezeigt hatte. Danach ging es auch schon los, nach draußen. Nach einem kleinen Fußmarsch erreichten zunächst den gestern schon erwähnten Stausee, wo wieder einige Erklärungen erfolgten, und ein paar Minuten später standen wir schließlich vor dem Eingang zum Stollen.

Der Roeder-Stollen, benannt nach seinem Schöpfer Oberbergmeister Johann Christoph Roeder, ist eine mehr als 200 Jahre alte Anlage von Energieleitungen und Maschinen, welche über etwa 100 Jahre den Bergbau hier am Rammelsberg ermöglichte. Man folgt dabei dem unterirdischen Weg des Wassers, welches als Energieträger diente, hin zu gewaltigen Wasserrädern, mit deren Hilfe die Grube entwässert und das Erz schließlich gefördert wurde.

Ich freute mich, nachdem wir nach etwas mehr als einer Stunde wieder das Tageslicht erblickten, gerade diese Führung ausgewählt zu haben! Es war insgesamt zwar recht dunkel und feucht, man stieß (gefühlte) 1.000-mal mit dem Helm an die Decke und musste etliche Leitern und Wendeltreppen erklimmen bzw. hinabsteigen, aber das Ganze war tatsächlich super interessant, informativ und wirklich jedem zu empfehlen!

Unser Guide kam mir zunächst wie ein recht eigenartiger, irgendwie kauziger Typ vor; ich hätte schwören können, dass er in seinem ganzen Leben noch niemals ein Lächeln zustande gebracht hatte, geschweige denn ein herzliches Lachen! Im Gegenteil, er wirkte zu Beginn sehr streng, vor allem, wenn seine Anweisungen von einigen Teilnehmern nicht peinlichst genau beachtet wurden! Glücklicherweise hatte ich mich aber doch getäuscht; im Lauf der Führung wurde er deutlich lockerer und machte sogar den einen oder anderen kleinen Scherz!

Ich verließ das Gelände des Besucherbergwerks, ging zu meinem Fahrrad und fuhr dann das kurze Stückchen zu meinem nächsten „Programmpunkt“, der Kaiserpfalz in Goslar. Erbaut zwischen 1040 und 1050 unter Kaiser Heinrich III., war sie im Hochmittelalter die am häufigsten aufgesuchte Regierungsstätte der Könige und Kaiser im Norden des Alten Reiches. Es handelt sich dabei um ein am Fuß des Rammelsbergs gelegenes Areal von ca. 340 x 180 m, auf dem sich im Wesentlichen das Kaiserhaus (Foto), die Pfalzkapelle St. Ulrich und die Liebfrauenkirche befinden bzw. befanden.

Durch die beiden Reiterstandbilder werden die beiden Kaiser Wilhelm I. (rechts) sowie Friedrich Barbarossa (links) geehrt.

Als ich dort eintraf, hatte sich eine recht lange Menschenschlange gebildet, die sich allerdings relativ schnell auflöste. Auch hier hatte ich wegen meiner HarzCard freien Eintritt; das wegen Corona erforderliche Einchecken erfolgte wieder durch Scannen eines QR-Codes. Für die Besichtigung des Kaiserhauses nahm ich mir etwa einer Stunde Zeit.

Ende des 13. Jahrhunderts wurde der sogenannte Wintersaal im Untergeschoss in sieben gemauerte Gewölbe aufgeteilt. Anlass dafür war ein Brand im Jahr 1289. In diesen Räumen ist jetzt die Ausstellung untergebracht, die den Besucher ins tiefe Mittelalter „entführt“. Die Thronlehnen des Goslarer Kaiserstuhls (1065 bis 1080) bilden die Hauptattraktion dieser Ausstellung.

Der aus dem 13. Jahrhundert stammende Greif (ein Geschöpf aus der Mythologie) ist die älteste erhaltene Giebelbekrönung Deutschlands. Dem Vogel wurde eine Schutzfunktion für die Stadt und den Rammelsberg nachgesagt. Im Schnabel hält er ein Stückchen Erz, eine ziemlich passende Symbolik für diesen Standort.

Der Kaisersaal im Obergeschoss beeindruckt schon allein durch seine ungeheure Größe von 47 x 16 m und seiner Höhe von 7 m. Noch imposanter sind die Gemälde, die lückenlos alle Wände zieren und die von der Geschichte der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis hin zum letzten Stauferkönig Konradin berichten.

Später fuhr ich direkt in die Altstadt, um dort noch zwei oder sogar drei Museen zu besuchen; leider sie waren alle geschlossen: Montags Ruhetag! Ich ärgerte mich ziemlich über mich selbst, denn selbstverständlich wusste ich das schon seit meiner Reisevorbereitungen! Dumm nur, dass ich aus unerfindlichen Gründen den ganzen Tag lang dachte, heute sei Dienstag… 😉

Ich fuhr also wieder zum hübschen Markplatz, auf dem jede Menge los war. Ich überlegte, dort wieder etwas zu Mittag zu essen, aber die Restaurants waren um diese Zeit allesamt „rappelvoll“, so dass ich entschied, zum Campingplatz zurückzufahren, um dort eine Pause einzulegen; waren ja nur drei Kilometer…

Zu Mittag gab’s leckeren Matjes mit Kartoffelsalat (von zuhause mitgebracht); meine Mittagspause dehnte sich dann etwas aus und ging übergangslos in eine Kaffeepause über! Danach aber fuhr ich wieder in die Stadt, um noch einige auf meinem „Zettel“ unerledigte Punkte abzuhaken.

Die Neuwerkkirche, eine ehemalige Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert, war leider für Besucher schon geschlossen, aber den angrenzenden kleinen Klostergarten konnte ich mir anschauen. War recht hübsch anzusehen, aber nichts Herausragendes.

Nach einem kleinen Spaziergang durch die Rosentorstraße und ein paar Fotos von einigen interessanten Gebäuden…

…setzte ich mich zum Abschluss des Tages in ein kleines Straßencafé und genehmigte mir einen Amarena-Eisbecher. Danach ging es endgültig zurück zum Campingplatz, wo ich mir einen gemütlichen Abend machte.

Der zweite Tag in Goslar war nicht weniger abwechslungsreich als der erste; auch heute hat es mir hier wieder sehr gut gefallen, und das Besucherbergwerk Rammelsberg fand ich ganz besonders spannend! Ich freute mich nun auf morgen und meinen dritten Tag in der Stadt; so „intensiv“ hatte ich einen Ort schon lange nicht mehr erkundet… 😉

6 thoughts on “Im Besucherbergwerk Rammelsberg”

  1. Wolle, wieder sehr gut geschrieben mit vielen sehr schönen Fotos.
    Mich begeistert es immer wieder, mit wieviel Energie und Kraft die Menschen vor so vielen Jahren in den Bergwerken geschuftet haben.
    Ich war ja vor kurzem auch in Essen und habe dort das Steinkohlemuseum besichtigt – einfach nur faszinierend!!
    Danke für Deinen weiteren tollen Bericht!!
    VG T&B

    1. Danke für den Beitrag, Bernd! Ja, auch mir wurde bei diesem Besuch deutlich vor Augen geführt, was für eine schwere Arbeit das früher gewesen sein muss. Und ja zum Teil auch heute noch ist!

  2. Hallo Wolfgang,
    das einzige Bergwerk welches ich besucht habe in meinem Leben war in Neubulach 1991. Einer Heil- oder Klimahöhle, welche bereits seit 1972 in einem Bereich des stillgelegten, mittelalterlichen Bergwerks angeboten wird. Ich glaube es war ein Silberbergwerk. 1990 trat ganz schlimmes Asthma bei mir auf und nach einer Kur-Odyssee an der Nordsee (St. Peter-Ording) und im Schwarzwald (St.Blasien) erfuhr ich dort eine Heilung (Spray brauche ich noch) , welche mir ein fast normales Leben bis jetzt ermöglichte. Bei deinem Bericht von dem Bergwerk Rammelsberg in Begleitung mit deinen Fotos kann ich mir solch eine Führung interessant vorstellen. Die Kaiserpfalz wäre auf jedenfall mein Ding. Ich fahre geradezu ab auf Burgen und Schlösser wenn ich die Möglichkeit habe. Ja, und seit ich Rentner bin kann es durchaus schon mal vorkommen das ich kurz überlegen muß welcher Tag heute ist.
    LG Roland

    1. Ja, von deinen Problemen mit den Atemwegen hattest du früher schon ’mal erzählt! Schön, dass es dieses Asthma-Spray gibt! Zum Thema „Burgen und Schlösser“ wärst du im Harz ganz sicher gut aufgehoben, und alles liegt so schön nah beieinander… Danke für den Beitrag!

  3. Wieder ein toller Tagesbericht. Hier bei uns in der Nähe gibt es auch noch ein altes Bergwerk, das man hin und wieder besichtigen kann. Die ehemaligen Arbeiter präsentieren es noch mit sehr viel Stolz. Ich glaube, für sie war es mehr als nur der Arbeisplatz, es war vor allem ein besonderes Gemeinschaftsgefühl.

    1. Das sehe ich auch so! Erst gestern auf dem Markplatz, als zum Figurenspiel das Lied „Glückauf, der Steiger kommt“ gespielt wurde, habe ich so manchen (meist älteren) Besucher beobachtet, der sich ein paar Tränen verdrücken musste! Ich glaube, als Außenstehender kann man kaum beurteilen, was das den ehemaligen „Kumpels“ bedeutet haben muss!

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