Nach Marsala, das mir ja leider nicht so gut gefallen hatte, habe ich zum Ausgleich heute einen wirklich wunderschönen Ort kennengelernt. Keine lärmende Großstadt, sondern einen eher kleinen Touristenort, mit sehr viel Charme und in einer wahrhaft traumhaft schönen Umgebung gelegen: San Vito lo Capo!

Noch nie gehört? Kein Problem, ich auch nicht! Eigentlich war es mehr oder weniger Zufall, dass ich hier überhaupt gelandet bin. Ich war mir am Morgen noch nicht ganz sicher, ob ich von Marsala aus heute bereits Palermo anfahren oder lieber doch noch einen Zwischenstop in Trapani einlegen sollte. Letztlich habe ich beides nicht gemacht, worüber ich nun ganz froh bin!

Der Ort hat knapp 5.000 Einwohner und liegt auf einer Halbinsel an der westlichen Spitze des Golfs von Castellammare, im Nordwesten Siziliens. Hier lebt man vom Tourismus, vom Fischfang oder der Verarbeitung von Marmor.

Nach der Abfahrt aus Marsala machte ich zunächst ’mal ein paar notwendige Einkäufe in einem Supermarkt (Superstore Déco), danach steuerte ich einen Wohnmobilparkplatz kurz vor San Vito lo Capo an; den hatte ich als „Geheimtipp“ in einem Reisebericht entdeckt, den ich erst vor zwei oder drei Tagen gelesen hatte. Die Fahrt dorthin war wieder ’mal ein absoluter Genuss, die Landschaft wurde immer schöner! Solche Gegenden wie diese hier auf der Halbinsel hatte ich vorher noch gar nicht auf Sizilien gesehen, und wieder wurde ich an die weiten Regionen in den USA erinnert.

Die Zufahrtsstraße zum oben genannten Platz war leider gesperrt; von weitem sah ich auch, dass dort, wo er eigentlich liegen müsste, kein einziges Wohnmobil zu sehen war! Stattdessen gab es aber einen Parkplatz direkt an der Durchgangsstraße, etwas weiter weg von Wasser. Dort standen mindestens 20 Wohnmobile, also gesellte ich mich zunächst ’mal dazu.

Ich ging zu Fuß zum Strandbereich, um mich dort etwas umzusehen. Wie es ausschaute, existierte der gewünschte Stellplatz offenbar überhaupt nicht mehr! Ich hatte die Wahl, entweder auf dem großen Parkplatz zu bleiben oder aber es vielleicht doch im Ort zu versuchen. Dort gab es nämlich zwei Campingplätze, deren Beschreibungen auch ganz einladend klangen.

Vor der Weiterfahrt gab’s aber noch einen Burger „der besonderen Art“! An einem kleinen Kiosk direkt am Strand gab’s allerlei gekühlte Getränke sowie ein paar Süßigkeiten und Snacks. An den Wänden sah ich die Abbildung eines großen Hamburgers, die mich irgendwie ansprach. Hier bediente mich ein etwas aus den Nähten geratener Italiener mit kleinen, listigen Augen und einem überaus freundlichem Blick, der allerdings nicht eine Silbe Englisch verstand (der Italiener selbstverständlich, nicht der Blick). Ich sagte einfach „Hamburger“, woraufhin er mich zunächst völlig ratlos ansah! Ich wiederholte mein Anliegen, was aber leider nichts nützte. Immerhin zuckte er dieses Mal mit den Schultern und brabbelte ’was von Panini; aha, so langsam wird’s ’was… Ich machte ein Zeichen, er solle mir nach draußen folgen, und deutete auf die Abbildung an der Wand. Jetzt hellte sich seine Miene auf, und er begann, etwas zu „basteln“, was ich in meinen wildesten Träumen nicht für einen „ordentlichen“ Burger gehalten hätte! Welchen Namen er für dieses „Ding“ hatte, traute ich mich nicht zu fragen…

Nun wollte er 3,50 EUR von mir. Auf der Karte war das aber der Preis inklusive Pommes Frites, die hatte ich aber nicht bestellt! Irgendwann kapierte er, was ich meinte, murmelte ein scusa und korrigierte dann auf 2,50 EUR! Ich gab ihm einen 5-Euro-Schein und wartete jetzt auf das Wechselgeld. Fehlanzeige! Er legte den Schein in die Kasse, musste dann ganz schnell etwas vom Grill nehmen, kam zurück und schaute mich erwartungsvoll an. Dann tippte er die Zahl „2,5“ in seinen Taschenrechner ein und zeigte mir das Display. Nun war ich an der Reihe, ratlos zu sein! Irgendwie war das offenbar nicht sein Tag, er wollte nun tatsächlich, dass ich ein zweites Mal bezahlte…

Ich benötigte nun eine kleine Ewigkeit, um ihm klarzumachen, dass er bereits 5 Euro von mir bekommen hatte! Er öffnete seine Kasse, nahm den vorhin hineingesteckten Schein ganz langsam heraus, zeigte ihn mir und sah mich fragend an! Holy shit, ja, das war mein Schein!!! Endlich rückte er die 2,50 EUR Wechselgeld heraus; inzwischen war der Burger natürlich kalt… 😉

Nach diesem „hart erarbeiteten“ Snack fuhr ich weiter, bis zum Ort hatte ich nur noch wenige Kilometer. Allerdings nahm ich noch zwei weitere Gelegenheiten wahr, auf etwas höher gelegenen Parkbuchten zu halten und die grandiose Aussicht zu genießen…

Im Ort entschied ich mich schließlich für den Campingplatz La Pineta, der nur 14 Euro pro Nacht kosten sollte. Ich fand einen hübschen, gemütlichen Platz vor, mit freundlichem Personal und mit allem „Drum und dran“. Ich richtete mich ein und machte dann eine ziemlich lange Nachmittagspause, vor allem, um nicht schon wieder während der Siesta unterwegs zu sein. Ich hatte genügend Zeit, das Wetter war prächtig und möglicherweise würde ich gegen Abend in der Stadt ja auch etwas essen wollen…

Meine Radtour, die um 15:30 Uhr begann, führte mich zuerst durch ein paar Straßen des Ortes, die mir schon ’mal sehr gut gefielen! Das lag wohl hauptsächlich daran, dass hier im Vergleich zu den bisher besuchten Orten tatsächlich jede Menge Betrieb war. Hier gab es definitiv viele Touristen, auch ausländische!

Bekannt ist San Vito Lo Capo vor allem durch seinen in einer geschützten Bucht gelegenen, paradiesischen Strand, der sanft ins Meer abfällt und über dem sich der imposante Monte Monaco erhebt. Das türkisfarbene Wasser war schon fast unwirklich und erinnerte an die Karibik! Ein Reiseportal hatte diesen kilometerlangen weißen Sandstrand 2011 sogar ’mal zum „schönsten Strand Italiens“ gekürt!

Danach ging es weiter am Ufer der Bucht entlang, bis zum Hafen der Stadt.

Hier steht das Denkmal von San Vito Martire, dem Schutzheiligen der Fischer.

Später verließ ich den Ort, um den Leuchtturm am Ende der Bucht zu erreichen. Viele Straßen sind durch Palmen und andere exotische Pflanzen gesäumt, was mir einmal mehr vor Augen führte, wie unendlich weit ich vom gewohnten norddeutschen und grauen „Schmuddelwetter“ entfernt war… 😉

Ich passierte einen typisch süditalienischen Friedhof…

…und traf dann am nördlichsten Punkt auf den erwähnten, hübschen Leuchtturm, dessen Umgebung allerdings weniger einladend aussah. Der Faro di Capo San Vito wurde 1859 errichtet und ist heute noch aktiv. Da er auf militärischem Sperrgebiet steht, kann er leider nicht besichtigt werden. Als Fotomotiv macht sich der weiße runde Turm aber recht gut, finde ich.

Nun fuhr ich in großem Bogen zurück in Richtung Stadt. Dabei ging es steil bergauf, so dass wieder ’mal anstrengendes Schieben angesagt war. Dafür wurde ich aber, nachdem ich die Höhe erreicht hatte, mit richtig schönen Ausblicken auf den Ort belohnt!

Kurz vor Ortsbeginn ging’s wieder steil bergab…

…und dann befand ich mich auch schon wieder dort, wo meine Tour vor ein paar Stunden begonnen hatte!

In der Ortsmitte befindet sich das Santuario di San Vito, ein festungsähnlicher Bau mit arabisch-normannischer Architektur aus dem 15. Jahrhundert. Er fungiert heute als Kirche.

Die Straßen waren weiterhin sehr belebt, und die ersten Restaurants, von denen es hier eine große Anzahl gibt, bereiteten sich auf hoffentlich hungrige Gäste vor. Ich stellte mein Rad ab und kaufte in einem der vielen Souvenirläden einen Fotomagneten. Auch ich hatte jetzt Hunger und suchte mir schließlich ein nettes Straßenrestaurant aus.

Bei einem leckeren Campari-Spritz (Kellner: „Der beste im Ort“. Aha!) ließ ich mir genügend Zeit, mir etwas aus der Speisekarte auszuwählen. Einen kleinen Snack gibt’s in Italien ja fast immer gratis dazu…

Meine Wahl fiel auf ein Thunfisch-Steak, das zwar etwas „einsam“ daher kam (nur Brot und ein wenig Salat), aber wirklich hervorragend geschmeckt hat; so lecker hatte ich Thunfisch eigentlich noch nie gegessen! Dazu gönnte ich mir ein Glas kühlen Chardonnay.

„Pappsatt“ und vollends zufrieden mit dem heutigen schönen Tag fuhr ich später zurück zum Campingplatz; inzwischen war es schon dunkel geworden. Kurz darauf gab’s wieder eine Video-Sitzung, dieses Mal mit der ganzen Familie, insgesamt 7 Personen! Um 23:00 Uhr war ich dann absolut „bettreif“…

4 Kommentare zu “Karibik-Feeling in San Vito lo Capo”

  1. Das war ja mal ein traumhafter Tag (von dem Streit mit dem Burger mal abgesehen)! Unfassbar, wie viele Menschen sich jetzt hier tummeln. Man erkennt, dass Du der Hauptstadt näher kommst. Der Strand ist natürlich auch einladend für Touristen (aus aller Welt – aber die durften ja noch nicht einreisen). Schön, dass Du den tag und das Essen so genießen konntest.
    LG Anja

  2. Hallo Wolfgang,
    was für ein Abenteuer mit dem „Hamburger“ 🙂 Die ersten Fotos mit der Küstenlandschaft sind klasse und interessant zugleich. Mit dir „erfährt“ man erfreulicher Weise immer wieder unbekannte Regionen. Die Architektur des Ortes mit all den niedrigen Häusern erinnert mich irgendwie an Mexico. Jedenfalls was ich von Fotos bzw. Filmen von dort schon gesehen hatte. Das Thunfischsteak sieht wirklich lecker aus. Ich persönlich war auch schon begeistert, aber auch schon enttäuscht von solch einem Steak.
    VG Roland

    1. Ja, die Landschaft auf den ersten drei, vier Fotos hatte mich damals auch sehr beeindruckt; mir wurde damals bewusst, wie vielfältig es auf Sizilien aussehen kann! Danke für den Kommentar!

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