Ich weiß gar nicht, ob der Wecker heute Morgen überhaupt geklingelt hat! Ich bin erst um kurz vor 8 Uhr wach geworden, das war wohl dem langen und anstrengenden Tag gestern geschuldet! So richtig gut hören konnte ich immer noch nicht, aber es wurde langsam wieder besser… 😉

Eigentlich wäre ich gern noch einen Tag länger in Leonidi geblieben, denn hier hat’s mir wirklich sehr gut gefallen; mein „ambitionierter“ Zeitplan lässt das aber nicht zu, und außerdem bin ich natürlich auch jeden Tag auf’s Neue gespannt, was mich woanders erwartet!

Nach dem Auschecken (27 EUR für 2 Nächte) war ich dann auch schon auf dem Weg zu meinem nächsten Etappenziel. Ich wollte die alte Felsenstadt Monemvasia besuchen.

Für die etwa 80 km lange Strecke habe ich sage und schreibe 2 Stunden und 45 Minuten gebraucht, und wahrscheinlich war dies eine der schönsten Strecken, die ich jemals mit einem Wohnmobil gefahren bin! Aber leider wohl auch eine der anstrengendsten, denn erneut ging es über superenge Straßen durch die extrem bergige Küstenregion, meist sehr hoch über dem Meer, und daher mit traumhaft schönen Ausblicken!

Fotos gibt es leider wieder nicht, denn zum einen konnte man eigentlich nirgendwo halten, zum anderen war ja auch hier wieder höchste Konzentration gefordert. Es gab fünf oder sechs Ortsdurchfahrten, die es wirklich in sich hatten! Die winzigen Bergdörfchen „klebten“ allesamt an irgendeinem Berghang, und die Häuser standen oftmals jeweils links und rechts der Straße so dicht beieinander, dass hier echte Millimeterarbeit angesagt war. Nicht nur einmal musste ich zurücksetzen, um eine Kurve zu bekommen, und dabei waren wegen der andernfalls nicht ausreichenden Straßenbreite natürlich auch beide Spiegel eingeklappt, sodass ich beim Rückwärtsfahren noch ’mal einen extra Adrenalinkick hatte! Meine Güte, habe ich geschwitzt… 😉

Das letzte Stück der Route schließlich führte wieder unten direkt der Küste entlang. Schon von weitem konnte man also das sehen, was den Reiz meines heutigen Tagesziels ausmachte, nämlich den gewaltigen, der Küste vorgelagerten Felsmonolithen, auf dem Monemvasia liegt.

Gegen Mittag hatte ich mein Ziel erreicht. Der Ort am Ufer, der dem Felsen direkt gegenüberliegt, heisst Gefyra („Brücke“). Er besitzt einen kleinen Hafen und mehrere Restaurants; etwas südlich davon sollte sich laut meiner Stellplatz-App eine große Betonfläche befinden, auf der man mit dem Wohnmobil sowohl problem- als auch kostenlos über Nacht stehen durfte! Dabei handelte es sich um einen nicht mehr in Gebrauch befindlichen Fähranleger.

Ich durchquerte also das Dorf und fand den Platz auf Anhieb! Es standen dort bereits zwei, drei weitere Wohnmobile, aber es war so viel Platz vorhanden, dass ich wieder einmal die Qual der Wahl hatte! Ich hielt zunächst einfach an einer der beiden Seiten (später parkte ich noch um, direkt ans Wasser), stieg aus und schaute mich erst ’mal etwas um!

Wow, was für ein wundervoller Platz! Ok, eine Betonfläche verströmt im allgemeinen recht wenig Charme, aber die Aussicht von hier war wieder ’mal unbezahlbar! Es herrschte bestes „Kaiserwetter“, es war superwarm und so gut wie windstill! Man sah von hier aus auf die gesamte Küstenlinie, auf das türkisfarbene Wasser des Meeres, den kleinen Ort, seinen Hafen und natürlich direkt auf den imposanten Felsen! Besser konnte ich es gar nicht treffen…

Das auf dem Felsen liegende Monemvasia konnte man von hier aus nicht sehen, es liegt auf dessen Seeseite. Ich freute mich, dass es noch so früh war und ich den gesamtem Nachmittag und den Abend hatte, mir sowohl die alte Festungsstadt als auch Gefyra anschauen zu können.

Aber erst ’mal ’was essen! Eiskalter Milchreis mit Blaubeeren kam bei dieser Hitze gerade recht. Danach noch ein kurzer „Matrazencheck“ und schon war ich wieder zu 100% aufgeladen und ready für die nächste Herausforderung!

Zunächst schaute ich mir den kleinen Hafen und die Hafenpromenade an; nichts Besonderes, aber typisch griechisch. Um diese Uhrzeit war draussen kaum ein Mensch zu entdecken (Siesta! Zu heiß!). Die Restaurants sah ich mir schon ’mal etwas genauer an und studierte auch die eine oder andere Speisekarte, sofern denn draußen eine angebracht war.

Dann erreichte ich den Damm, der zur Felseninsel führt, fuhr aber danach noch ein kleines Stückchen in Richtung Norden weiter. So konnte ich zwei weitere Fotos von diesem beeindruckendem „Klotz“ machen, eines mehr von rechts, das andere mehr von links…

Dann ging’s schließlich auf den Damm, bis fast zum Felsen! Von hier aus boten sich, wenn man auf das Dorf zurückschaute oder auf’s Meer und die hübsche Küstenlandschaft, wieder etliche schöne Fotomotive an, die ich natürlich nicht auslassen durfte.

Nun erreichte ich das Eingangstor zur restaurierten Unterstadt, dort musste ich mein Fahrrad stehen lassen. Ihren Namen verdankt die Stadt übrigens ihrer besonderen Lage, er bedeutet nämlich „einziger Zugang“. 

Im Mittelalter und während der byzantinischen Herrschaft gehörte Monemvasia zu den bedeutendsten Städten des Peloponnes. Heute wird sie vom Tourismus geprägt, was man an den Geschäften, gastronomischen Einrichtungen und den Hotels und Pensionen deutlich erkennen kann.

Hier herrschte jetzt wesentlich mehr Betrieb als vorhin im kleinen Küstenort, aber das war nicht weiter störend! Ich kann mir allerdings ganz gut vorstellen, was hier in der Hochsaison los sein könnte oder wenn ’mal eben ein Kreuzfahrtschiff mit 5.000 Passagieren „vorbeischaut“; die superengen Gassen müssen dann wohl „die Hölle“ sein… 😉

Auf dem hübschen Platz vor der kleinen Kirche konnte man lange verweilen, aber natürlich habe ich mich auch drinnen umgeschaut.

Hier gefiel es mir sehr gut; es gab immer wieder atemberaubende Ausblicke auf Teile der Stadt und das herrlich blaue Meer…

Zeit für eine schöne Kaffeepause, hier war die beste Gelegenheit dazu! Die vielen Cafés und Restaurants waren jetzt sehr gut besucht, ich musste eine Weile nach einem passenden Platz für mich Ausschau halten. Endlich fand ich ein kleines, freies Tischchen auf einer Terrasse, ebenfalls mit Traumaussicht auf das Meer!

Ich ließ mich von der Kellnerin bei der Wahl einer typisch griechischen Leckerei gern beraten; sie brachte mir, neben dem üblichen Cappuccino, kurz darauf ein wirklich raffiniertes Stückchen „Hüftgold“, nämlich einen Ekmek Kataifi! Griechischer Engelshaarkuchen mit Sirup! Schaut euch das an… 😉

Irgendwann gegen 17:00 fuhr ich zurück zum Wohnmobil, setzte mich später nach draußen und fing schon ’mal an, mir ein paar Notizen zu machen! Jetzt, wo ich diesen Bericht fertigschreibe, lese ich da:

  1. Ich bin heute an einem der schönsten Übernachtungsplätze ever!
  2. Ich sitze direkt am Meer, knapp einen Meter vom Wasser entfernt
  3. Kleine Wellen „klatschen“ gegen den Beton und machen angenehme Plätschergeräusche
  4. Es ist kuschelig warm und windstill
  5. Ich habe hier den besten Logenplatz mit „VIP-Sicht“ auf den Felsen, der jetzt vom warmen Abendlicht beleuchtet wird
  6. Ich bin bereits bei meinem zweiten Cocktail: Gin (nicht zu knapp!) mit Tonic Water, Geschmacksrichtung Russian Wild Berry (der klare Gewinner meines gin tastings vor ein paar Tagen… 😉
  7. Überlegen, ob Punkt 1. bis 5. nicht doch durch Punkt 6. nachhaltig beeinflusst waren…

Um 18:30 Uhr verschwand die Sonne hinter den Bergen; ich räumte alles ein und machte mich dann fertig zum Abendessen. Inzwischen hatte ich mich nämlich entschieden, eines der Restaurants am Hafen zu besuchen, dieses Mal natürlich zu Fuß.

Um 19:15 hatte ich einen schönen Platz gefunden, wieder mit tollem Blick auf den Felsen! Eine Kellnerin begrüßte mich sehr freundlich und brachte mir eine Karte.

Ich entschied mich heute für einen Auberginen-Salat (ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas überhaupt mag!), Sardinen vom Grill, Weißwein und einen Tsipouro, alles sehr, sehr lecker!

Ich hatte es hier gar nicht eilig mit dem Essen und genoss die schöne Atmosphäre im Lokal. Inzwischen war es schon dunkel geworden. Irgendwann bat ich die Kellnerin dann schließlich doch um meine Rechnung, woraufhin sie mich nur anlächelte…

…sie schob einfach meinen Teller zur Seite und kritzelte eine „16“ auf den Tisch! Ich liebe die Griechen… 😉

Zurück am Wohnmobil traf ich auf ein paar junge Männer, die mit Angeln ihr Glück am Pier versuchten. Nach einem kurzen talk mit einem von ihnen (er erzählte, man würde hier kleine Barrakudas fangen können…) verschwand ich im Wohnmobil, ergänzte schnell noch meine Notizen und ging dann, absolut zufrieden mit diesem Tag, schlafen…

8 Kommentare zu “Logenplatz in Monemvasia”

  1. Hach, wie schön. Ich habe ja schon gefühlt 100 Jahre nicht mehr im Süden Urlaub gemacht, aber bei deinen Fotos fühle ich regelrecht die Sonne auf meiner Haut, rieche das Salzwasser und kann richtig die Atmosphäre spüren….
    Und dann sitzt man hier im Corona-Alltag und weg ist das komplette Feeling…soifz!

    1. Geht mir auch so, Andrea! Einerseits habe ich natürlich durch Corona jetzt die Gelegenheit, mich endlich um diesen Reisebericht zu kümmern! Andererseits wird die Sehnsucht, endlich wieder reisen zu dürfen, aber durch die vielen jetzt bearbeiteten Fotos und die damals dazu gemachten Notizen immer größer… 😉 Danke für deinen Kommentar!

  2. Für mich einer der schönsten und nachhaltigsten Plätze, die ich auf meinen Griechenland Reisen besucht habe.
    Ich habe mir natürlich gerade die Fotos von der Wanderung durch Monemvasia von 1989 angeschaut: na ja, die Stadt ist älter geworden…..??!!..
    Und dann habe ich mich an die tolle Taverne am Hafen erinnert – ich hatte zwar nicht wie Du einen Melitzanosalata – aber dafür soviel Abschieds-Ouzo, dass ich die Heimfahrt nicht mehr in Erinnerung habe…
    Toller Bericht Wolle!!

    1. Monemvasia werde ich mit Sicherheit auch immer in schöner Erinnerung behalten! Bin gespannt, ob ich irgendwann dort mal wieder auftauchen werde… 😉 Danke für deinen Kommentar!

  3. Hallo Wolfgang,
    beim ersten schnellen durchscrollen (mache ich immer so bei dir wegen den Fotos) dieses Blogs ist sofort Fernweh in mir hochgekommen. Deine Bilder machen enorm viel Lust diese Örtlichkeit einmal zu besuchen. Und wieder ein Wunsch-Ziel dazu gekommen. Wie soll ich/wir das nur bewältigen. Die Auswahl ist schon mega lang…puh ! Deine Beschreibung deiner Durchfahrten erinnerte mich an einige Stecken in Cornwall. Besonders eine Fahrt wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Kilometer um Kilometer ging es im „Dartmoor NP“ zwischen Mauern und Hecken einmal entlang und uns wurde sehr mulmig. Bei unserem „kleinen“ Audi A3 waren wirklich nur einige Zentimeter auf beiden Seiten Platz und wäre mir jemand entgegengekommen ich wäre gestorben. Meine Frau war schon ganz blas. So nun weiter zu dir: WOW, der Felsen ist ja ein prächtiges Motiv und ein paar Schäfchenwölkchen hätten dieses Motiv gekrönt ! Monemvasia, was für ein schöner Ort, welchen man wirklich auch durch deine Fotos wahrnehmen kann.
    Herzliche Grüße, Roland

    1. Vor den engen und mit Hecken begrenzten Sträßchen in Cornwall habe ich schon jetzt Respekt, trotzdem wird’s langsam höchste Zeit, dass ich dort auch ’mal „aufschlage“… 😉 Herzlichen Dank für deinen Beitrag, Roland.

  4. Ein toller Ort, vor allem mit den engen Gässchen. Ja, mit einem riesigen Kreuzfahrtschiff will man hier lieber nicht sein. Aber ich glaube auch nicht, dass hier ein so großes Schiff anlegen könnte. Das sollte sich dieser Ort verwehren um seine Ursprünglichkeit zu bewahren.
    LG Anja

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