Gestern bin ich von Valencia bis zur etwa 170 km entfernten Hafenstadt Alicante gefahren, genauer gesagt, bis zu einen ihrer Vororte, Urbanova, etwa 4 km südlich der Stadt und am Meer gelegen.

Dort gibt es einen kostenlosen Stellplatz, oder besser gesagt, einen Parkplatz, der direkt am Wasser liegt und Platz für jede Menge Wohnmobile bietet. Man steht dort tatsächlich sehr schön, hat den tollen Sandstrand direkt vor sich und geniesst ungehinderte Ausblicke auf das Meer, nach rechts auf die Hotelanlagen von Urbanova und nach links auf Alicante.

Die schon mehrfach erwähnte dünne Wolkendecke war auch während der Fahrt ständig präsent; sie schien sich überhaupt nicht zu bewegen und überspannte, so schien es mir nach einem Blick auf ein Satellitenfoto, das gesamte östliche Spanien zu bedecken. Nur im Süden der Iberischen Halbinsel war der Himmel offenbar wolkenfrei, glücklicherweise war das ja auch meine Fahrtrichtung… 😉

Als ich in Urbanova eintraf, standen lediglich zwei Wohnmobile am Strand, ich hatte also „freie Auswahl“. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt etwas besser, aber leider hielt das nicht sehr lange vor! Nach dem Mittagessen wurde es immer diesiger, teilweise sogar neblig, dann fing es an zu regnen. Es mäßig, später aber richtig heftig!

An eine Radtour nach Alicante war nicht mehr zu denken, und bei so einem miesen Wetter war mir offen gestanden dazu auch die Lust vergangen! Eigentlich lasse ich mich von solchen Bedingungen nicht so leicht „aus der Bahn werfen“, aber nachdem ich nun schon einige Tage vergeblich auf mehr Sonnenschein gehofft hatte, drückte das jetzt doch ein wenig auf’s Gemüt!

Ok, sagte ich mir, bleibst du halt den Rest des Tages hier am oder im Wohnmobil. Zerstreuung gibt’s genug, ich habe Internet-Verbindung, könnte den Fernseher einschalten, „Büro machen“ und diverse Dinge mehr.

Bei einem kleinen Spaziergang machte ich ein paar Fotos und stellte plötzlich einigermaßen entsetzt fest, dass der Untergrund nicht nur sandig, sondern auch sehr lehmig war! Durch den Regen sahen meine Schuhe nach kurzer Zeit aus, als hätten sie jahrelang im Schlamm gelegen; die Sohlen waren jetzt etwa drei Zentimeter dicker als vorher! Ich flüchtete regelrecht zurück ins WoMo, musste dabei allerdings höllisch aufpassen, dass ich mir nicht den gesamten Eingangsbereich „einsaute“.

Eine weitere Erkenntnis ließ nicht lange auf sich warten: Was passiert, wenn mein Wohnmobil hier „versacken“ würde? Zu meinem großen Schrecken sah ich ein anderes Wohnmobil, das kurz vorher eingetroffen war, mit genau diesen Tücken zu kämpfen! Der Fahrer hatte enorme Schwierigkeiten, sich nicht festzufahren; es dauerte fast 10 Minuten, bevor er wieder einigermaßen festen Boden unter die Füße… ähm… unter die Räder bekam!

Ich entschied mich aber dann doch, dieses Problem auf morgen zu vertagen, denn erstens hatte ich ja sowieso vorgehabt, hier zu übernachten, und zweitens war morgen früh vielleicht wieder alles trocken. Ich hatte vorhin bei der Ankunft auch wie immer darauf geachtet, auf einem Bereich zu parken, der über einen festen Untergrund verfügte und der auch mit etwas Gras bewachsen war. So schlimm konnte es also nicht werden…

Als es später dunkel wurde, kam mir dieser Platz doch ein wenig „gruselig“ vor! Ausser mir stand nämlich nur noch ein einziges Wohnmobil, etwa 200 m von mir entfernt, auf dem Platz, sowie ein uralter Wohnwagen (ohne PKW!), in dem aber Licht brannte! Ich hatte irgendwie das Gefühl, ich müsste ständig vorsichtig durch einen Spalt im Vorhang nach draussen schauen, um irgendwelche „Gefahren“ frühzeitig erkennen zu können! Was natürlich Quatsch war! Ein paar Gläser Rotwein lösten das Problem schließlich, und ich ging müde zu Bett… 😉


Man glaubt es kaum, aber ich habe die Nacht unbeschadet überstanden! Der Himmel war immer noch sehr grau, aber wenigstens regnete es nicht mehr. Weil die Wetteraussichten für den Nachmittag gar nicht schlecht aussahen, entschloss ich mich, doch noch einen Tag länger zu bleiben. Eigentlich wollte ich heute ja schon weiter in Richtung Süden fahren, aber so gar nichts von Alicante gesehen zu haben…, das passte mir dann auch wieder nicht!

Allerdings wollte ich hier nicht länger stehen bleiben, um nicht Gefahr zu laufen, dann doch noch stecken zu bleiben! Ich suchte mir daher den erst vor kurzem eröffneten Stellplatz Playa de San Juan etwas nördlich der Stadt aus. Dazu musste ich allerdings einmal komplett durch Alicante fahren, was aufgrund des Berufsverkehrs ein wenig dauerte!

Eine Übernachtung sollte 8,80 EUR kosten, zu bezahlen an einem ziemlich kompliziert aussehenden Automaten! Es stellte sich heraus, dass er nicht nur kompliziert, sondern auch noch defekt war! Der Platzwart, der gerade seinen Dienst antrat und heute seinen allerersten Tag hatte, war ebenfalls ratlos und musste erst ‘mal telefonieren, um sich von einem Techniker erklären zu lassen, wie man den Automaten neu startete! Danach klappte es endlich, und ich suchte mir einen schönen Platz im hinteren Bereich aus.

Ich unternahm zunächst ‘mal einen kleinen Spaziergang am Strand entlang, der nur ein paar Schritte entfernt lag. Ein schöner Ort, jedenfalls bei gutem Wetter… 😉 

Dieses Foto sagt auch einiges über das Wetter aus: Es gibt mehr Abfallbehälter als Besucher… 😉

Nach einem kurzen Einkauf in einem Supermarkt und nach meiner Mittagspause machte ich nun endlich den zweiten Anlauf für meine Radtour nach Alicante! Die Fahrt entlang der Küstenstraße war sehr interessant und machte mir sehr viel Spaß. Wie schon gesagt, es war eigentlich immer recht warm, nur die Sonne ließ sich kaum blicken!

In der Nähe der Stadt konnte ich auf dieser schöne Promenade fahren; Fußgänger, denen ich hätte ausweichen müssen, gab es kaum. Das Muster der Kacheln ist in einem geschickt gewählten 3D-Look gehalten.

Bei näherem Hinsehen kann einen das ganz nett verwirren…

…erst recht, wenn darauf jemand läuft!

Inzwischen kam ich zum Schluss, dass Alicante mir, zumindest von der „Wasserseite“ aus, nicht so gut gefiel wie Valencia oder gar Barcelona, und das lag nun eindeutig nicht nur am Wetter! Ich denke, das hängt wohl mit den (in meinen Augen) wenig attraktiven, blassgelben und sehr kargen Hügeln und Bergen, an denen die Stadt liegt, zusammen.

Hoch über der Stadt thront die Burg Santa Bárbara auf dem Berg Benacantil. Von dort aus soll man einen fantastischen Rundumblick über Alicante, das Meer und den langen Strand haben. Aber auch heute verspürte ich keine richtige Lust, dort hinaufzuklettern; ich „pflegte“ immer noch meinen Frust über das Wetter und verspürte nun zusätzlich fast so etwas wie eine Abneigung gegenüber dieser Stadt!

Mir ist natürlich völlig klar, dass das wirklich sehr, sehr subjektive Gefühle sind! Ich bin ganz sicher, dass ich dieser Stadt unrecht tue, und dass ich hier Einiges verpassen werde, schließlich kann man ja überall nachlesen, was sie zu bieten hat! Ich hatte hier aber ursprünglich ja sowieso nur einen kurzen Besuch eingeplant, und die häufigen Stadterkundungen der letzten Tage zeigten jetzt wohl auch ihre Wirkung! Dazu kam dann halt noch das miese Wetter. Sollte ich jemals eine ähnliche Tour machen, werde ich dieser Stadt definitiv mehr Zeit widmen! Versprochen, Alicante… 😉 

Die Atmosphäre im Yachthafen versöhnte mich schon wieder ein bisschen, und die Häuserfassaden am Rand der Altstadt sahen eigentlich auch recht attraktiv aus!

Von der Promenade aus fuhr ich nun noch ein Stückchen durch die direkt anschließende Altstadt, machte ein paar wenige Fotos und entschied dann aber, wieder zurück zu fahren! Für heute war mir meine Unternehmungslust irgendwie komplett verloren gegangen, so etwas kenne ich eigentlich gar nicht von mir!

Am Wohnmobil angekommen, schien plötzlich die Sonne in einer Art und Weise, als hätte sie nie etwas anderes getan! Meine Laune besserte sich ruckartig, und ich freute mich auf mein wohlverdientes Feierabendbierchen! Und auch auf den morgigen Tag…

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