Mein Hauptziel für den heutigen Tag war das auf der Halbinsel Walcheren gelegene Middelburg, die Hauptstadt der holländischen Provinz Zeeland. Da ich heute ’mal wieder einen Campingplatz anfahren wollte, habe ich während des Frühstücks eine Online-Reservierung für eine Nacht durchgeführt (38,50 EUR, alter Schwede…). Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, dass der Platz komplett ausgebucht sein würde, aber wie sagt man doch so schön? Sicher ist sicher! Mit fast 50.000 Einwohnern ist Middelburg schon eine recht große Stadt und nach dem, was ich vorher gelesen und recherchiert hatte, wegen der vielen Sehenswürdigkeiten auch ein bei Touristen ziemlich beliebtes Besuchsziel!

Leider durfte man nicht vor 12 Uhr einchecken, daher musste ich mir noch schnell ein „Vormittagsprogramm“ zusammenstellen. Ich fuhr also von Zierikzee, meinem gestrigen Übernachtungsort, zunächst zum Brouwersdam, dessen Besuch ebenfalls schon recht lange auf meinem „Zettel“ stand.

Der Damm, der die beiden Inseln Goeree-Overflakkee und Schouwen-Duiveland verbindet, ist Teil der sogenannten Deltawerke, einem Schutzsystem gegen Hochwasser und Sturmfluten in Holland. Er bietet auf der Seeseite über die gesamte Länge von etwa 6,5 km einen ungehinderten Zugang zum Meer, zum großen Teil sogar mit einem feinem Sandstrand. Für Touristen ist er daher eines der beliebtesten Ausflugsziele Zeelands. Es gibt hier unendlich viel Platz für Wohnmobile, allerdings ist die Übernachtung verboten! Wäre dies nicht so, hätte ich hier sicher auch eine Nacht eingeplant.

Für eine mehrstündige Radtour war allerdings keine Zeit, deshalb fuhr ich noch ein weiteres Ziel an, den kleinen Ort Veere, von dem ich in den letzten Tagen gelesen hatte. Die kleine Hafenstadt sollte angeblich auch recht sehenswert sein, und eine kurze Tour dort war auf jeden Fall noch drin…

Am Stadtrand befand sich ein großer und kostenloser Parkplatz, der auch einige Stellflächen für Wohnmobile bereit hielt. Der war schnell erreicht, und kurze Zeit später saß ich auch schon wieder auf dem Fahrrad, um mir den Ort und den dazu gehörenden Hafen anzuschauen.

Zunächst fuhr ich am Ortsrand an einem Kanal entlang bis zum Veerse Meer, einem großen Binnengewässer, das hier die Halbinsel Walcheren von der Halbinsel Noord-Beveland trennt. Zu meiner Linken befand sich die Stadt sowie der kleine Hafen. Dann kehrte ich um (von hier aus gab es leider nur Fußwege in das Zentrum) und näherte mich dem Ort später wieder von Südosten.

Ich passierte die spätgotische, aus dem 14. Jahrhundert stammende Onze-Lieve-Vrouwekerk (deutsch Liebfrauenkirche) , bei der mir, wie schon gestern in Zierikzee, der ungewöhnlich „dicke“ Turm auffiel. Die Kirche wird heute als Kulturzentrum genutzt.

Das Zentrum der gut besuchten Hafenstadt (ca. 22.000 Einwohner) gefiel mir eigentlich sehr gut, allerdings merkte man an der Art und der Anzahl der Geschäfte, Restaurants und Café zu jedem Zeitpunkt, dass hier so ziemlich alles auf Touristen ausgerichtet zu sein schien.

Trotzdem, die hübschen Giebelhäuser und die kleinen, gut gepflegten Grünanlagen am Marktplatz inmitten der Stadt machten einen sehr netten Eindruck; alles schien hier recht gemächlich über die Bühne zu gehen.

Das zwischen 1474 und 1517 erbaute historische Rathaus ist kaum zu übersehen. Und aus dieser Position auch kaum zu fotografieren, wie man unschwer erkennen kann…;-)

Am Hafen herrschte trotz des nicht so „berauschenden“ Wetters sehr viel Betrieb.

Ich verließ den Ort in Richtung Westen und fuhr dann zum Parkplatz zurück; nun war es an der Zeit, zum Campingplatz in Middelburg zu fahren; das dauerte nur wenige Minuten.

Das Einchecken war ebenfalls schnell erledigt, und ich bezog eine Parzelle, die ich mir selbst aussuchen durfte. Meine Reservierung war, wie ich jetzt bestätigt bekam, tatsächlich völlig überflüssig: Von den mehr als 60 Stellplätzen, über die der Stadscamping Zeeland verfügt, waren höchstens 7 oder 8 belegt! Nach einer kurzen Mittagspause startete ich meine zweite Radtour für heute, jetzt aber bei deutlich besserem Wetter als am Vormittag!

Die älteste der vier noch erhaltenen Mühlen der Stadt ist die 1728 erbaute Seismolen. Sie steht auf dem sogenannten Seisbolwerk und ist nach der Restaurierung im Jahr 2000 wieder voll funktionsfähig; sie steht zwischen Bäumen auf der Umwallung. Die umlaufende Galerie ist in etwa 9 m Höhe angebracht.

Hier geht’s hinein ins „Getümmel“…

Das Kloveniersdoelen (deutsch Haus der Schützengilde) aus dem Jahr 1611 wurde bis 1795 von der Oostindische Compagnie genutzt, nach der Besetzung durch französische Truppen dann als Militärhospital. Heute hat es den Status eines Rijksmonuments und beherbergt unter anderem ein großes Café sowie ein Kino.

Auf dem großen Marktplatz herrschte sehr viel Betrieb, wie man auf dem folgenden Foto sehen kann.

Das Rathaus wurde 2007 von Lesern einer überregionalen niederländischen Tageszeitung zum zweitschönsten Gebäude Hollands gewählt. Die Grundsteinlegung erfolgte 1452. Im Zweiten Weltkrieg wurde es durch einen Brand im Hochzeitssaal beschädigt, in den Nachkriegsjahren aber wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Die Fassade von 1513 zieren Fabeltiere und die Figuren von 25 Gräfinnen und Grafen von Zeeland und Holland.

Die der Jungfrau Maria geweihte Abtei Middelburg mit dem dazu gehörenden, 91 m hohen und achteckigen Turm, der Lange Jan.

Die Oostkerk (deutsch Ostkirche) ist eine achteckige Kuppelkirche aus den Jahren 1664 – 1667. Sie wurde als erste größere Kirche der Stadt nach der Reformation speziell für den reformierten Gottesdienst gebaut und ist damit ein wichtiges Beispiel des frühen protestantischen Kirchenbaus im Land.

Später wandte ich mich wieder in Richtung Campingplatz und verbrachte den Rest des Tages dort. Morgen neigt sich meine kleine Hollandreise leider schon wieder dem Ende zu, und ich werde mich so langsam auf den (jetzt etwas längeren) Rückweg machen müssen…

Und das Fazit meiner Nachmittags-Tour? Middelburg ist eine sehr hübsche und vor allem lebendige Stadt mit vielen verwinkelten Gassen, schönen Grachten und einem absolut sehenswerten Rathaus! Mit mehr als 1.200 denkmalgeschützten und vorbildlich restaurierten Gebäuden ist sie auf jeden Fall einen Besuch wert.

2 thoughts on “Middelburg, Hauptstadt von Zeeland”

  1. Hallo Wolfgang,
    einen ereignisreichen Tag hattest du an diesem Tag anscheinend erlebt. Es gab viel zu erkunden und zu bestaunen. Sehr alte Architektur und mit dem Rathaus von Middelburg ein wahrlich ausgesprochen sehr schönes Gebäude. Große und kleine Plätze, Wasserwege und Straßen zum bummeln sehe ich als attraktiv an. Ehrlich gesagt habe ich noch nie etwas von Middelburg gehört, warum auch immer !?
    VG Roland

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