Auf meiner Rundreise um die Insel Fünen durfte ein Besuch der „Hauptstadt“ natürlich nicht fehlen! Ich muss gestehen, dass mich Odense, mit etwa 180.000 Einwohnern immerhin die drittgrößte Stadt Dänemarks, während der Vorbereitungen zu dieser Tour eigentlich nicht so besonders interessiert hatte. Für mich gab es keine besonderen Highlights, auf die ich mich hätte freuen können, zudem liegt diese Großstadt, übrigens Geburtsort von Hans Christian Andersen, auch nicht am Meer. Aber es musste ja auch kein längerer Aufenthalt werden! Also beschloss ich, meinen gestrigen Übernachtungsplatz in Nyborg zu verlassen, in Odense einen kurzen Spaziergang durch die Innenstadt zu machen und dann zurück ans Wasser zu fahren. Genauso hab‘ ich’s dann auch gemacht!

Ein Parkplatz mitten in der Stadt war dank einer Park-App auf meinem Smartphone recht schnell gefunden; es gab dort reichlich Platz für mein Wohnmobil, und die Parkgebühren waren recht moderat. Mein ca. 5 km langer Walk durch die City nahm dann allerdings doch etwas mehr Zeit in Anspruch als gedacht; entgegen meiner etwas negativ geprägten Erwartungshaltung empfand ich Odenses Zentrum als durchaus attraktiv und sehr abwechslungsreich. Weil es noch relativ früh war und zudem sowieso so gut wie alle Geschäfte geschlossen hatten (heute ist Sonntag), begegnete ich nur wenigen Menschen. Während der Geschäftszeiten und vor allem bei einladenderem Wetter (ok, ok, ich hab‘ mich schon wieder über das Wetter beschwert… ;-)) dürfte hier richtig ’was los sein! Meine Eindrücke auf dieser Wanderung zeigen die folgenden Fotos.

Vom Parkplatz aus lief ich zunächst zum nördlichen Beginn der Kongensgade, einer Fußgängerzone mit vielen Geschäften, Restaurants und Cafés. Sie endet im Süden in der zweiten längeren Fußgängerzone der Stadt, der Vestergade.

Dieses eigentlich eher unspektakuläre Sushi-Restraurant hat sich ja einen recht interessanten Blickfang installiert! Was allerdings ein Hubschrauber mit Sushi zu tun hat, erschließt sich mir leider nicht so ganz! Und erst recht nicht der lateinische Spruch Ad Libitum (zu deutsch in etwa Nach Belieben). Kann mich ’mal jemand aufklären…? 😉

Der Sankt-Knuds-Dom ist die Bischofskirche des Bistums Fünen. Mit 62 mal 22 m Grundfläche gehört sie zu den großen Kirchen Dänemarks.

Im Lauf der 1880er Jahre wurde das italienisch-gotisch inspirierte Rathaus nach Entwürfen und Plänen der Architekten Herholdt und Lendorf errichtet.

Vor dem Rathaus liegt der historische Marktplatz Flakhaven (deutsch Flaches Feld), der seit den 1200er Jahren als Marktplatz dient; eine Zeit lang war er sogar der größte des Landes.

Dort trifft man auch auf dieses recht „gewöhnungsbedürftige“ Kunstwerk: Die Bronzeskulptur stellt die Meeresgöttin Oceania her, ein Geschenk der Kunststiftung Odense und Asea Brown Boveri A/S und wahrscheinlich eines der umstrittensten Werke in der Stadt! Kinder finden sie als Rutsche herrlich, die Touristen möchten wissen, ob es ein Mann oder eine Frau ist, und die Einwohner finden Oceania entweder schön oder häßlich. Beurteile selbst… 😉

In der Altstadt findet man unzählige hübsche Häuser, auch viel Fachwerk…

Im Zentrum der Fußgängerzone sah es wirklich sehr einladend und interessant aus; schade nur, dass ich ausgerechnet einen Sonntagmorgen für diesen Besuch „erwischt“ hatte…

Tja, wer nicht lesen kann, kann natürlich auch nichts über Öffnungszeiten wissen! Pech gehabt… 😉

Warum eigentlich immer Blumentöpfe? Bunte Blumenstiefel sind doch viel hübscher… 😉

Das Odense Teater wurde 1796 gegründet und ist damit Dänemarks zweitältestes Theater. Neben dem Aarhus Teater und dem Aalborg Teater wird es zu den Landsdelsscener gezählt, den drei wichtigsten dänischen Theatern außerhalb von Kopenhagen. Seit 1941 ist eine Schauspielschule angeschlossen.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz warf ich noch einen kurzen Blick in den Bahnhof der Stadt. Beim Anblick dieses Munds der Wahrheit (italienisch Bocca della Verità) musste ich unwillkürlich schmunzeln: Mit dem Original in der Kirche Santa Maria in Cosmedin in Rom, die ich ja vor einem Jahr während meiner Sizilienreise auch besucht hatte, hat dieser Automat natürlich rein gar nichts zu tun: Du wirfst fünf Kronen ein, steckst deine Hand in den „Mund“ und schon werden deine Handlinien nach allen Regeln der Wahrsagekunst analysiert! Kurz darauf spuckt der Kasten einen kleinen Zettel aus, der über dich genau so viel aussagt, wie der Inhalt eines Glückskekses… 😉

Wie bereits oben erwähnt, wollte ich ja in Odense nicht übernachten, sondern noch ein Stückchen in Richtung Nordwesten fahren, zurück an’s Meer. Mein Ziel war die Bogense, eine kleine Hafenstadt mit nur etwa 4.000 Einwohnern, aber mit der größten Marina auf der Insel Fünen! Bis dorthin waren es nur etwa 30 km, allerdings machte ich einen 10 km langen Umweg über die Autobahn; auf diesem Teilstück befand sich nämlich eine Entsorgungsstation für Wohnmobile, die ich unbedingt nutzen wollte.

Gegen 14:30 Uhr traf ich in Bogense ein. Es gibt dort gleich drei verschiedene Wohnmobilstellplätze, zwei öffentliche und einen privaten. Der erste öffentliche war bereits komplett belegt, beim zweiten hatte ich aber Glück, denn es war gerade eine Parzelle freigeworden, sogar mit super Blick auf den Hafen!

Die Art der Bezahlung war recht ungewöhnlich, jedenfalls für Dänemark: Man entnahm einer Box einen Umschlag, notierte darauf Name und Kennzeichen, steckte den Betrag hinein und warf ihn in einen Briefkasten! Super, sehr unkompliziert und schnell, nur was ist, wenn man kein Bargeld hat…? So wie ich… 😉 Also musste ich zunächst ’mal mein Fahrrad „satteln“, schnell in den Ort fahren und einen Geldautomaten suchen. Das war aber auch recht schnell erledigt; schon kurze Zeit später, nachdem ich auch Strom angeschlossen hatte, legte ich eine kleine Kaffeepause ein, danach stand die heutige Radtour an, jetzt wieder bei bestem Wetter!

Mein Stellplatz lag am Ende des Südwestufer des Alten Hafens, daher umrundete ich diesen zunächst einmal, um mir alles anzuschauen.

Der Hafen wurde 1828 erbaut und 1874 sowie 1894 erweitert. Heute ist er ein gemütlicher und entspannter Ort mit vielen Bänken, Restaurants und Geschäften, großen Yachten, alten Fischerhäusern und natürlich mit einer schönen Aussicht.

Die Skulptur Der Taucher, eine Arbeit des Künstlers Frank Fenriz Jensen, steht an der Nordwestspitze, direkt am Meer; sie wurde hier im August 2016 aufgestellt.

Die Sankt-Nikolaus-Kirche wurde im 12. Jahrhundert als kleine Dorfkirche erbaut, dann aber mehrmals umgebaut und erweitert; im 15. Jahrhundert gab es sogar zwei Stockwerke. Der zweite Stock wurde möglicherweise als Getreidespeicher oder als Lagerhaus für die Bürger der Stadt genutzt. 2009 wurde die Kirche gründlich renoviert. Sie ist dem Heiligen Nikolaus geweiht, dem Schutzpatron der Seeleute.

Der Stadtplatz ist von Häusern aus dem 18. Jahrhundert sowie von uralten Linden umgeben. Seit dem Mittelalter ist er Marktplatz, auch heute noch findet jeden Donnerstag ein Markt statt. Er war sehr wichtig für Bogense und trug dazu bei, den Ort zu einer Marktstadt zu machen.

Danach fuhr ich aus dem Ort hinaus in Richtung Osten, immer am Meer entlang, bis zu einer kleinen Halbinsel. Später ging es auf etwas anderer Strecke wieder zurück zum Stellplatz…

Die hübsche Stegø Mühle, die sich zuvor auf einer Insel befand, hat dazu beigetragen, die umliegenden Wiesenflächen zu entwässern. Sie gilt als Wahrzeichen der Gegend, befindet sich allerdings in Privatbesitz und kann daher leider nicht besichtigt werden.

Nun fuhr ich zurück zum Wohnmobil. Nach einer Dose Bier und dem späteren Abendessen waren noch einige Reisenotizen nachzuschreiben, dann schaute ich mir die ersten beiden Folgen der fünften Staffel der Netflix-Serie Outlander an. Dies ist der letzte Abend hier auf Fünen, morgen geht’s wieder in Richtung Deutschland, allerdings mit noch einem letzten Übernachtungsstopp auf dem dänischen Festland…

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