Heute stand die Hauptstadt Siziliens auf meinem Besichtigungsprogramm, die 660.000 Einwohner zählende Metropole Palermo im Nordwesten der Insel. Sie ist ca. 100 km von meinem letzten Übernachtungsort, San Vito lo Capo, entfernt. Für die Übernachtung hatte ich mir einen Wohnmobil-Parkplatz mit der schlichten Bezeichnung Green Parking ausgewählt, der in der Nähe der Altstadt liegt und 25 Euro pro Nacht kosten sollte. Ich hatte im Vorfeld schon viel von den Verkehrsprobleme in der Stadt gelesen, aber ich muss sagen, dass mir die Anfahrt dorthin überhaupt keine Probleme bereitete, weder was Staus oder dichten Verkehr noch zu enge Straßen angeht. Der Platz ist umzäunt und bewacht und war daher für meine Anforderungen gerade richtig. Nach dem Einchecken und einer kurzen Mittagspause ging es auch schon los zur Stadterkundung, dieses Mal wieder zu Fuß.

Nach ein paar Minuten befand ich mich schon auf dem Corso Calatafimi, der schnurgerade auf eines der Stadttore zuführte.

Kurz vor Erreichen des Tores passiert man die Piazza della Indipendenza, auf der sich eine hübsche Grünanlage mit einem großen Obelisken befindet.

Die Porta Nuova war für Jahrhunderte das wichtigste Stadttor Palermos. Sie ist an das Nordende des Normannenpalasts angebaut und wurde 1583 durch den Vizekönig Marcantonio Colonna anstelle eines bereits bestehenden Stadttores errichtet, um an den Sieg Karls V. 1535 in Tunesien zu erinnern. Dargestellt wird dieser Sieg durch vier Mauren, die als Pfeiler in die Fassade eingearbeitet sind. Nach einer Schießpulverexplosion 1667 erfolgte ein Neuaufbau, bei dem auch die Loggia und das pyramidenförmige Dach entstanden.

Gleich nach dem Betreten der Altstadt liegt rechter Hand der Palazzo dei Normanni, der bereits erwähnte Normannenpalast. Er wird auch Palazzo Reale (königlicher Palast) genannt und steht an der höchsten Stelle des mittelalterlichen Stadtgebiets. Besonders hübsch ist er nicht gerade, finde ich… 😉

Nun befand ich mich auf der Via Vittorio Emanuele, die in Richtung Nordosten bis zum Hafen der Stadt führt. In der nächsten Grünanlage, der Villa Bonanno, habe ich mich ebenfalls ein wenig umgesehen. Der 1905 angelegt Palmengarten liegt an der Piazza Vittoria.

Direkt nach dem Garten erreichte ich sofort den nächsten großen Platz, auf dem mir als erstes die schneeweiße Fassade des Gymnasiums Liceo Classico Staate Vittorio Emanuele II ins Auge fiel.

Ein ungleich beeindruckenderes Gebäude befindet sich aber gleich links davon: Das wichtigste Kirchengebäude der Stadt ist die Kathedrale Maria Santissima Assunta (Heiligste in den Himmel aufgenommene Maria). Der heutige Bau wurde 1185 errichtet und erfuhr im Lauf der Jahrhunderte mehrere Umbauten. Am Ende des 18. Jahrhunderts erhielt sie eine Barockkuppel und ihr Inneres wurde klassizistisch umgestaltet. Für Deutschland ist sie von besonderer Bedeutung, weil sich in ihr die Gräber der Staufer Heinrich VI. und Friedrich II. sowie seiner Mutter Konstanze von Sizilien befinden.

Nun wurde es trotz der Siesta-Zeit ein wenig lebhafter, und ich bemerkte, dass ich mich in einer wirklich großen Stadt befand. Die Straße wurde nun zu einer Fußgängerzone, in der man links und rechts alle paar Meter kleine Verkaufsstände aufgebaut hatte.

Der zentrale Platz der Altstadt ist Quattro Canti an der Kreuzung der Hauptstraßen Via Vittorio Emanuele und Via Maqueda. Die Barockpaläste an den Vier Ecken haben konkav geschwungene Fassaden annähernd gleichen Aufbaus und sind geschmückt mit Brunnen und Statuen, die die vier Jahreszeiten, die spanischen Könige von Palermo und die Schutzheiligen der alten Stadtviertel darstellen. Ein wirklich imposanter Anblick, den man aber leider nicht besonders gut auf einem Foto festhalten kann.

Die Piazza Pretoria liegt gleich daneben. Eine breite Freitreppe führt zur Via Maqueda hinunter. Der Platz wurde im 16. Jahrhundert angelegt, um dort den Brunnen Fontana Pretoria zu errichten. Im Volksmund erhielt die Piazza Pretoria wegen der nackten Statuen dieses Brunnens damals den Namen Piazza della Vergogna (Platz der Schande).

Die Piazza Bellini hat die Form eines großen „L“. Hier trifft man auf die beiden nebeneinanderliegenden Kirchen La Martorana (nächstes Foto) und San Cataldo (übernächstes Foto).

In Palermo gibt es mehrere Kirchen im arabisch-normannischen Stil. Für Kirchengebäude ungewöhnlich sind deren außen rot gefärbte Kuppeln, die an islamische Kunst erinnern. Die Kirchen San Cataldo (Foto), von 1154 bis 1160 errichtet, und La Magione gehören zu den letzten Kirchen dieser Art auf Sizilien.

Verlässt man die Hauptachse durch die Altstadt, sieht’s gleich etwas anders aus, wie man sich leicht vorstellen kann; anstelle der prächtigen Paläste regiert hier schlichte „Hinterhof-Romantik“…

Nach einer Weile suchte ich mir ein kleines Lokal, um ein wenig Schatten abzubekommen und etwas zu trinken, danach ging es weiter.

Nach einigen Kilometern erreichte ich endlich den Sportboothafen, wo ein ganz leichter Wind wehte; das war eine echte Wohltat nach der langen Straße, die zwar viel Schatten bot, aber wo es dennoch extrem heiß war! Von hier aus wandte ich mich nun nach Norden, später wieder nach Westen und damit zurück in die Altstadt.

Palermo war von Kriegsende bis zum Ende des 20. Jahrhunderts fest in der Hand der Cosa Nostra. Sie war Zentrum zweier großer Mafiakriege und zählte zu den gewalttätigsten Städten Europas. In den 1980er Jahren kämpften vor allem die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino dagegen an, 1992 wurden beide umgebracht. Erst unter dem „Antimafia“-Bürgermeister Leoluca Orlando blühte das öffentliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt wieder auf, die Kriminalität sank; heute gilt Palermo als sicherste Stadt Italiens. Auf meinen weiteren Spaziergang durch die Stadt traf ich auf dieses Denkmal, das den im Kampf gegen die Mafia getöteten Menschen gewidmet ist, das Monumento Ai Caduti Nella Lotta Contro La Mafia.

Palermos Opernhaus, das Teatro Massimo, wurde auf der Piazza Verdi am ehemaligen Westtor der Altstadt erbaut. Architekt war Giovanni Battista Filippo Basile, der 1875 mit den Bauarbeiten begann. Das Theater war Schauplatz der Schlussszenen von Francis Ford Coppolas Film Der Pate III.

Eigenartig! War ich wirklich noch in Italien…?

Klein, aber oho: Der 1897 von Ernesto Basile erbaute Vicari-Kiosk ist einer der beiden schmiedeeisernen Kioske auf dem Openvorplatz und eine Hommage an islamische und maurische Kunst. Er hat einen kreuzförmigen Grundriss, der auf einem Marmorsockel ruht, seine Oberfläche besteht aus aufwendigen Holzeinlagen im Wechsel mit schmiedeeisernen Elementen.

Jetzt, am späten Nachmittag, wurde es immer voller in der Altstadt. Ich ließ mich nun etwas treiben, schaute mich in den endlos lang erscheinenden Fußgängerzonen um, gönnte mir nebenbei ein leckeres Eis…

…und verließ schließlich die Altstadt. Gegen 17:30 Uhr war ich wieder zurück auf dem Parkplatz. Wie erwartet, war es im Wohnmobil fast unerträglich heiß, aber später, nach dem Öffnen aller Fenster und Dachluken sowie immer mehr Schatten auf dem Platz, wurde es glücklicherweise langsam etwas erträglicher.

Mein „Sizilien-Programm“ war damit nun eigentlich beendet; morgen geht es nur noch nach Messina, meinem Ausgangspunkt, und übermorgen würde ich, wenn alles klappt, wieder mit der Fähre auf das italienische Festland zurückkehren…

6 Kommentare zu “Palermo – die sicherste Stadt Italiens”

  1. Hallo Wolfgang,
    dein reich bebilderter Rundgang stünde jedem Reiseführer bestens zu Gesicht. Wenn nicht schon geschehen, will bzw. muß ich dich endlich auch einmal für deine Recherche zu deinen Fotos und den Begebenheiten loben. Du machst wirklich einen tollen Job mit deinem Blog. „Die Pate-Triologie“ gehört für mich zu allerbesten was die Filmbranche herausbrachte. Ein Meisterwerk ! Ja und das Palermo die sicherste Stadt Italiens ist überrascht mich doch sehr.
    VG Roland

    1. Herzlichen Dan k für den Kommentar und vor allem für dein nettes Lob, Roland! Tatsächlich nimmt die Recherche zu den einzelnen Fotos meistens sehr viel Zeit in Anspruch; vielleicht auch ein Grund dafür, warum ich oftmals so lange brauche, um eine Reise hier auf dem Blog endlich abzuschließen! Allerdings ist mir das sehr wichtig! Ich hasse es, wenn ich woanders im Internet auf so genannte „Reiseberichte“ stoße, die eigentlich gar keine sind, sondern die, von zwei oder drei Einleitungssätzen ’mal abgesehen, nur unzählige Fotos aneinanderreihen, bei denen der Betrachter völlig ratlos zurückbleibt… 😉 Dir und deiner Familie wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr und vor allem Gesundheit!

      1. Hallo Wolfgang,
        vielen Dank für deine Wünsche, welche ich sehr gerne erwiedere 🙂 Hannelore ist ja in ihrem Winterschlaf, aber so schnell wie die Zeit vergeht als Rentner bist du bald wieder auf Tour. Wir beide liebäugeln mit E-Bikes um bei schönem Wetter einfach auch mal umfangreichere Touren machen zu können. Auch mal in eine andere Richtung, in den nahegelegenen, hügeligen, schönen Kraichgau. Für zwei Bikes muß man aber auch die Kasse ganz schön plündern. Mal sehen …
        VG Roland

        1. Ich hoffe, dass ich euch für die eBikes entscheidet, auch wenn man dafür immer noch ganz schön tief in die Tasche greifen muss! Sie eröffnen wirklich ganz neue Möglichkeiten, seine Umgebung kennenzulernen, und on top macht es sogar auch noch riesigen Spaß! Auch an dieser Stelle noch ’mal: Ein schönes neues Jahr für dich und deine Familie, Roland!

  2. Palermo fand ich überraschend schön. Im Vorfeld hatte jemand behauptet, es sei die hässlichste Inselhauptstadt. Etwas Ähnliches hatte auch Claudia, unsere damalige deutsche Stadtführerin gehört, die nach Palermo geheiratet hat und dort lebt. Sie hat uns wunderschöne Ecken gezeigt mit vielen interessanten „Geheimtipps“, ganz andere Dinge, als wir einige Jahre vorher auf eigene Faust besichtigt hatten. Die Stadt hat viel zu bieten, auch wenn sicher Einiges restaurierungsbedürftig ist.
    LG Anja

    1. Sehe ich auch so, Anja, ich habe beste Erinnerungen an Palermo! Und wenn man eine Insidern oder einen Insider vor Ort hat, ist’s natürlich noch schöner! Danke für deine Zeilen…

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