Nach drei Tagen in der Stadt wurde es heute nun höchste Zeit, ’mal wieder ein wenig Natur zu genießen! Während Goslar ja eigentlich nicht direkt im Harz liegt, sondern an dessen nordöstlichem Rand, befand sich meine heutiges Ziel „mittendrin“: Schulenberg ist ca. 15 km von meinem letzten Übernachtungsplatz entfernt, und befindet sich direkt am Okerstausee und in der Nähe der bekannten Okertalsperre. Die Talsperre kenne ich schon von einem früheren Tagesausflug, aber das ist schon so viele Jahre her, dass ich daran kaum noch Erinnerungen habe.

Für heute hatte ich mir eine komplette Umrundung des Stausees mit dem Fahrrad vorgenommen. Bei meiner Reiseplanung vor einigen Wochen war ich mehr oder weniger zufällig über einen Stellplatz in Schulenburg „gestolpert“, der angeblich hoch über dem See liegen und eine wunderschöne Aussicht bieten sollte, und das für nur ein paar Euro!

Das war glücklicherweise auch der Fall! Ich verließ den Parkplatz in Goslar gegen 8:00 Uhr, und nach der kurzen Anfahrt durch ein wegen der frühen Uhrzeit noch im Schatten liegendes Tal traf ich etwa 30 Minuten später dort ein. Es standen insgesamt 10 Plätze zur Verfügung, von denen die meisten (noch) belegt waren. Ich fand aber schnell einen Platz, der im Gegensatz zu einigen anderen einen ungehinderten Panoramablick über den See und auf die Oberharzer Berge bot. Die fällige Gebühr sollte irgendwann im Lauf des Tages von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin abkassiert werden.

Bei einem so schönen Ausblick könnte man fast auf die dumme Idee kommen, auf die mehrstündige Radtour zu verzichten, oder…? 😉

Nein, hab‘ ich natürlich nicht gemacht! Nach einer kleinen Vorbereitungszeit ging es auch schon los, zunächst recht zügig bergab bis fast auf Höhe des Sees. Ich „freute“ mich schon wahnsinnig auf den später zwangsläufig fällig werdenden Aufstieg zum Stellplatz, aber das lag ja noch weit vor mir…

Der Okerstausee wird, wie der Name ja schon verrät, von der 128 km langen Oker, einem Nebenfluss der Aller, durchflossen. Die Okertalsperre befindet sich im Norden; das Wasser wird vom Wasserkraftwerk Romkerhalle zur Stromerzeugung verwendet und teilweise der Trinkwassergewinnung zugeführt. Die beiden Hauptarme des Stausees, der Altenauer Arm (südlich) und Schulenberger Arm (südwestlich), sind durch den langgestreckten Höhenzug des Dietrichsbergs voneinander getrennt. Es kam mir vor, als würde der See zurzeit einen sehr niedrigen Wasserstand aufweisen, was die folgenden drei Fotos auch zeigen…

Ich hatte vor der Tour mit Hilfe meiner KOMOOT-App ein Strecke geplant, die rund um den gesamten See führen sollte. Dabei war mir klar, dass diese teilweise über nicht befestigte Waldwege führte, was mich aber nicht abschreckte.

Hätte es aber vielleicht tun sollen! Ich fuhr zunächst in Richtung Süden am westlichen Ufer des Schulenberger Arms entlang, umrundete ihn an seinem Ende und wandte mich dann nach Norden. Dabei ging es leicht bergauf, zunächst auf sehr breiten Forstwegen, später dann aber auf immer enger werdenden Pfaden. Schließlich wurde die Beschaffenheit des Wegs so schlimm, dass ich zunächst mein Fahrrad stehen ließ und etwa 100 m zu Fuß weiter ging, um zu erkunden, wie es dort aussah. Es wurde plötzlich sehr steil; der Weg „mutierte“ regelrecht zu einem Klettersteig und führte bergauf und bergab über unebene Felsen, riesige Baumwurzeln oder tiefen Sand. Völlig undenkbar, dort mit dem schweren Fahrrad weiterzukommen!

Ich musste, ob es mir nun gefiel oder nicht, fast die gesamte Strecke, die ich bisher gefahren war, wieder zurück, an Schulenberg vorbei und später über die Weißwasserbrücke (Fotos) zum anderen Hauptarm radeln.

Im Nachhinein betrachtet war das natürlich nicht besonders schlimm! Ich hatte jede Menge Zeit, und das Wetter spielte auch mit. Es war heute wieder sonnig, teilweise ein wenig diesig, aber bis zu 30 Grad warm!

Bei der Überquerung der Brücke konnte ich schon ’mal einen Blick auf die etwa 1.250 m entfernte Staumauer werfen.

Und bei einem Blick zurück in südwestliche Richtung konnte ich in der Entfernung sogar den Wohnmobilstellplatz sehen! Wie man erkennen kann, steht meine „Hannelore“ völlig tiefenentspannt immer noch dort, wo ich sie verlassen hatte. Ob im Inneren die Mäuse auf dem Tisch tanzten, konnte ich von hier aus natürlich nicht erkennen… 😉

Gleich hinter der Brücke befindet sich ein Anlegestelle der MS Aquamarin, dem einzigen Fahrgastschiff auf dem See. Eine Rundfahrt dauert ca. 1,5 Stunden.

Wieder einige Minuten später passierte ich das bekannte Ausflugslokal Der Windbeutel-König. Ich freute mich auf eine megagroße Portion einer der vielen Windbeutel-Kreationen und einen Kaffee, aber daraus wurde leider nichts: Hier wurde aktuell leider nur von donnerstags bis sonntags geöffnet. Und heute ist Mittwoch… 🙁

Am Südende des Altenauer Arms angekommen, verließ ich für kurze Zeit den Okerstausee und fuhr in Richtung Süden bis nach Altenau, um mich dort ein wenig umzuschauen. Den Ort selbst fand ich allerdings nicht besonders interessant, und so kehrte ich schon kurze Zeit später wieder zurück zum See, um dessen Ostseite bis hinauf zur Talsperre zu erkunden.

Die Staumauer selbst ist 260 m lang und bis zu 75 m hoch. Dort hielt ich mich allerdings auch nicht besonders lange auf; es herrschte dort ein ziemlich lebhaftes Treiben, das mir viel zu viel Hektik verbreitete. Das Lokal war sowieso voll besetzt, so dass ich mich schließlich entschied, die wenigen restlichen Kilometer zurück zum Wohnmobil in Angriff zu nehmen und am Nachmittag einfach ’mal nur zu chillen… 😉

Dort angekommen, genoss ich einmal mehr die wunderschöne Aussicht von meinem Stellplatz aus und verbrachte den restlichen Nachmittag und den Abend meist vor dem Wohnmobil. Die herrliche Ruhe hier „oben“ war wirklich bemerkenswert; mir wurde plötzlich irgendwann bewusst, dass man solche perfekten Bedingungen nur sehr selten vorfindet…

Später kam noch die bereits angekündigte Mitarbeiterin, eine sehr nette, junge Frau, und kassierte bei einem kleinen „Schwätzchen“ die fällige Stellplatzgebühr von 8,14 EUR. Den Grund für den „krummen“ Betrag hatte sie mir zwar genannt, ich hab’ ihn inzwischen aber leider wieder vergessen… 😉

4 thoughts on “Radtour rund um den Okerstausee”

  1. Tolles Plätzchen mal wieder!
    Und im Hintergrund sieht man ein Café,- vielleicht hätte es da „Ersatzwindbeutel“ gegeben? 😉

  2. Hallo Wolfgang,
    einfach nur WOW … dein Stellplatz mit dem Blick auf den Stausee war supergut ! Der Wasserstand war wirklich sehr niedrig und ist bestimmt zur Zeit sogar noch niedriger. Ja, auf Komoot kann man sich, zwecks Fahrradwegen, nicht 100% verlassen. Das habe ich auch schon er-fahren müssen. Schade das der Windbeutel König zu hatte. Ich hätte doch zu gerne einen wenigstens gesehen 😉
    VG Roland

    1. Ja, mein Fahrrad ist auch schon unzählige Male zum Mountainbike mutiert! Bis jetzt musste ich allerdings sehr selten tatsächlich auch umkehren… 😉 Danke für den Kommentar!

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