Heute bin ich in Thale, demjenigen Ort, den ich ja schon vor einigen Tagen besuchen wollte, aber wegen einer Unstimmigkeit mit dem Campingplatz wieder abgereist bin. Dieses Mal habe ich mir als Übernachtungsplatz den großen und kostenfreien Wohnmobilstellplatz an der Seilbahn ausgewählt, denn im Gegensatz zum ersten Anlauf war nun ja keine Ent- oder Versorgung mehr fällig! Tatsächlich bin ich sogar schon gestern Morgen hier eingetroffen; darüber gibt es allerdings nichts zu berichten, denn der Tag war von früh bis spät nur verregnet, und ich hielt mich fast die ganze Zeit im Wohnmobil auf.

Heute dagegen war das Wetter wieder traumhaft schön, und ich freute mich auf einen wundervollen Tag! Am Morgen war es zwar noch etwas frisch, aber immerhin haben wir ja auch schon den 1. Oktober!

Mein Besuch in der ca. 17.000 Einwohner zählenden Kleinstadt begann mit einem Spaziergang durch den Friedenspark und an der erst 1906 fertiggestellten neoromanischen Sankt-Petri-Kirche vorbei.

Von einem echten Ortskern kann man in Thale eigentlich nicht sprechen, eine Altstadt in der Art der bisher besuchten Städte ist schlicht und ergreifend nicht vorhanden! Aus diesem Grund habe ich dort nur sehr wenig fotografiert; das unter Denkmalschutz stehende Alte Postamt mag hier als „Platzhalter“ stehen. In der Touristeninformation im Bahnhof habe ich immerhin auch meinen obligatorischen Fotomagneten gefunden.

Die eigentlichen Attraktionen (und somit natürlich auch der Grund, warum ich überhaupt hier bin) liegen eher außerhalb und vor allem auch oberhalb des Orts: Von Thale aus hat man Zugang zum wunderschönen Bodetal. Es wird überragt vom Hexentanzplatz, einem mit einer Seilbahn erreichbaren Plateau, und dem Naturdenkmal Rosstrappe, zu dem ein Sessellift führt. Beides wollte ich mir heute anschauen…

Ich entschied mich, zunächst mit dem Sessellift zur Rosstrappe hinaufzufahren; normalerweise hätte ich dafür 4,50 EUR zahlen müssen, aber auch dieser „Spaß“ war in meiner ja schon oft erwähnten HarzCard bereits enthalten. Ich weiß nicht, ob ich es vorher schon ’mal erwähnt hatte, aber meine HarzCard gilt nur an insgesamt vier Tagen, die allerdings nicht unbedingt aufeinander folgen müssen. Mit dem Sessellift hatte ich daher nun meinen vierten und letzten Tag angebrochen.

Wie man sich vorstellen kann, eröffneten sich während der Fahrt herrliche Blicke auf den Ort, vor allem bei dem schönen Wetter.

Allerdings war nach ein paar Minuten schon wieder alles vorbei, und ich machte mich nach dem Aussteigen auf die kleine Wanderung zur Rosstrappe.

Die Rosstrappe ist eigentlich ein 403 m hoher Granitfels oberhalb des linken Bodeufers. Auf dem Felsen befindet sich eine Vertiefung, die einem riesigen Hufabdruck ähnelt. Eine der bekanntesten Sagen erzählt von dessen Entstehung, die dem Felsen seinen Namen gab. Danach verfolgte einst der Ritter Bodo von Böhmen die schöne Königstochter Brunhilde, die er gegen ihren Willen heiraten wollte. Sie floh auf einem weißen Ross, jedoch tat sich plötzlich vor ihr ein tiefer Abgrund auf. Sie setzte mit einem kühnen Sprung zum jenseitigen Felsen über, wobei sie ihre goldene Krone verlor, die im reißenden Fluss versank. Ihr Verfolger stürzte jedoch in die Tiefe und wurde in einen schwarzen Hund verwandelt, der seitdem im Bodekessel die Krone bewachen muss. Der Ritter Bodo gab dem Flüsschen den Namen Bode.

Dummerweise habe ich es aus irgendeinem Grund versäumt, ein Foto von genau diesem „Hufabdruck“ zu machen; es ist allerdings nichts anderes als eine entsprechend geformte Vertiefung im Fels. In der Mitte des nächsten Fotos, dort, wo die beiden Personen stehen, sieht man die Umzäunung, die den Abdruck umgibt.

Deutlich spektakulärer als das „Loch“ sind aber die Ausblicke, die man von dort oben ins Bodetal hat. Der kleine Wanderweg verläuft mehr oder weniger auf dem Kamm des Felsens und ist daher häufig durch Geländer abgesichert…

Auf dem gleichen Weg ging es schließlich zurück zur Bergstation des Sessellifts, und kurze Zeit später befand ich mich auch schon wieder auf der Talfahrt.

Sehr praktisch: Von hier aus konnte ich gleich ’mal kontrollieren, ob meine „Hannelore“ noch da stand, wo ich sie abgestellt hatte. Es ist das 8. Fahrzeug; von links oder von rechts, das könnt ihr euch aussuchen… 😉

Nur ein paar Schritte vom Sessellift entfernt befindet sich auch die Talstation der Seilbahn; nun wollte ich den Hexentanzplatz erkunden, das 454 m über dem Bodetal gelegene Plateau. Die Kosten für die Fahrt sind nicht in meiner HarzCard enthalten; hierfür wurden daher 7,- EUR fällig.

Beim Blick durch den Glasboden in den Kabinen in das tief darunter liegende Tal könnte so manchem Menschen vielleicht etwas mulmig werden, mir macht das erfreulicherweise gar nichts aus.

Oben angekommen, gab es so einiges zu erkunden. Allem voran waren es aber auch hier wieder die Ein- und Ausblicke auf das Bodetal und den Ort, für die sich der Besuch schon allein lohnte…

Dieses Felsendenkmal erinnert an Ernst Wachler, der 1903 das Bergtheater Thale unter dem Namen Grüne Bühne gründete, eines der ältesten Naturtheater Deutschlands. In seiner Zeitschrift Deutsche Volksbühne stellte er zuvor seinen Plan eines Theaters der Zukunft vor.

In dieser Kulisse eine spannende Aufführung mitzuerleben, kann ich mir sehr interessant vorstellen!

Die Walpurgishalle ist ein kleiner Museumsbau im altgermanischen Stil, der 1901 nach den Plänen des Berliner Architekten Bernhard Sehring errichtet wurde. Das Gebäude befindet sich am nördlichen Ende des Hexentanzplatzes, in der Nähe des Bergtheaters. Den Giebel krönt das Haupt des einäugigen Göttervaters Wotan, flankiert von den Raben Hugin und Munin und den Wölfen Geri und Frecki. Um allwissend zu werden, trank Wotan aus dem Brunnen der Weisheit. Für den Trank aus dieser Quelle, die vom Riesen Yimir bewacht wurde, musste Wotan ein Auge opfern. Was für Geschichten… 😉

Auch recht sehenswert: das auf dem Kopf bzw. auf dem Dach stehenden Hexenhaus

Natürlich gibt es hier auch reichlich Gastronomie und sonstige Läden und Büdchen. Ich nahm die Gelegenheit wahr und verdrückte eine Currywurst mit Fritten.

Ich hielt mich insgesamt etwa zwei Stunden dort auf, bevor es schließlich wieder nach unten und zurück zum Wohnmobil ging. Am Spätnachmittag machte ich mich dann erneut auf, um eine weitere Besonderheit hier in Thale zu besuchen: das DDR-Museum, ebenfalls durch meine HarzCard abgedeckt! Inzwischen gibt’s im Osten ja so einige DDR-Museen in verschiedenen Orten, unter anderem auch in Berlin, aber ich hatte so eine Einrichtung noch nie besucht; ich war sehr gespannt.

Etwas ungewöhnlich für ein Museum ist übrigens auch die Tatsache, dass es sich im 6. Stock eines Möbelhauses befindet. Man betritt also zunächst das Geschäft, verneint die Frage des herbei eilenden Verkäufers, ob man denn eine Beratung wünschen würde, und erkundigt sich nach dem Fahrstuhl. Oben angekommen, geht es in das privat geführte Museum, das sich als ein sehr langer Gang mit links und rechts davon befindlichen kleinen und großen Räumen entpuppt.

Ok, zugegeben, es ist wirklich nur ein recht kleines Museum, aber ich hab‘ wirklich meine Freude daran gehabt. Über einige Dinge konnte ich einfach nur staunen, aber sehr vieles kam mir auch eigenartig vertraut vor, obwohl ich mit der DDR nun wirklich nichts „am Hut“ hatte! Das lag hauptsächlich daran, dass mich etliche der Räume, wie zum Beispiel verschiedene Wohn- und Schlafzimmer, Küchen und ähnliches, sofort an meine eigene Kindheit erinnerten, vornehmlich in den 60er und 70er Jahren!

Hier eine „repräsentative“ Auswahl von Fotos, die ich dort gemacht habe…

Nach dem Besuch des Museums fuhr ich wieder zurück zum Wohnmobil und bereitete mir ein kleines Abendessen. Danach machte ich mir ein paar Notizen zum heuten Tag und studierte die Wetteraussichten für die nächsten Tage, die leider nichts Gutes verhießen! Ich beschloss daher spontan, meine Reise, die ja nun schon drei Wochen andauerte, hier und heute abzuschließen und morgen den Rückweg anzutreten! Gleichzeitig nahm ich mir aber auch fest vor, schon bald eine zweite Harzreise zu unternehmen, die sich dann eher mit dem Süden und dem Westen befassen sollte. Es gibt ja noch so viele bekannte Orte, die ich ebenfalls sehr gern kennenlernen möchte, wie zum Beispiel Harzgerode, Osterode, Braunlage, Sankt Andreasberg, Clausthal-Zellerfeld oder Altenau

2 Kommentare zu “Rosstrappe, Hexentanzplatz und ein Hauch von DDR”

  1. Ich könnte Dir ein Foto von der Rosstrappe „leihen“, aber man kann hier ja keine Fitos hochladen 😉. Und Du hast recht: alles andere drumherum ist weitaus spektakulärer, was Deine Bilder ja auch super demonstrieren!

    1. Danke, Frauke! Wie gesagt, der „Hufabdruck“ ist ja gar nicht so spektakulär, aber ich hoffe, du hast auf deiner Bodetalwanderung wenigstens nach Brunhildes goldener Krone Ausschau gehalten… 😉 Danke für deinen Kommentar!

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