Rotterdam – auf diese Stadt war ich ganz besonders gespannt, auch schon vor Beginn meiner kleinen Reise durch den Westen Hollands! Der oft anzutreffende Beiname, Manhattan an der Maas, mag vielleicht ein wenig übertrieben sein, aber eine derartige Anhäufung von Hochhäusern gibt es in Europa eigentlich nur noch in London, Paris, Warschau oder Frankfurt. Europas größte Hafenstadt punktet heute vor allem als charmante Weltstadt mit innovativer Architektur, spannender Kunst und einem bunten Nachtleben.

Die Entfernung zwischen Den Haag, meinem gestrigen Ziel, und Rotterdam beträgt gerade ’mal 25 km; eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es sich hier um die nach Amsterdam größten Städte Hollands handelt!

Ich hatte mir bereits gestern Abend einen kleinen Stellplatz in Schiedam, einem unmittelbar westlich an Rotterdam angrenzenden Ort, herausgesucht, der direkt an einer Gracht liegt und lediglich sechs Stellflächen haben sollte. Natürlich hoffte ich, dort noch einen freien Platz zu finden, aber da ich wieder sehr früh unterwegs war, dürfte dies eigentlich kein Problem sein.

So war es dann auch erfreulicherweise; bei meiner Ankunft waren nur drei Plätze belegt! Die Länge der Parzellen, die rechtwinklig zur Straße angeordnet waren, war glücklicherweise auch kein Problem; meine 7,43 m lange „Hannelore“ passte gerade noch drauf, ohne dass das Heck über das Wasser hinausragte. Das wäre zwar ebenfalls möglich gewesen, dann wäre ich allerdings nicht mehr ohne umständliches Vor und Zurück an mein in der „Tiefgarage“ geparktes Fahrrad herangekommen… 😉

Die Parkgebühr beträgt hier tagsüber 7 Euro, ab 20:00 Uhr steht man dann bis 09:00 Uhr morgens kostenfrei. Insgesamt ein sehr freundlicher Platz, in einer ruhigen Straße gelegen, direkt am Wasser und in unmittelbarer Nachbarschaft zweier attraktiver Windmühlen; ein entsprechendes Foto zeige ich am Ende dieses Beitrags.

Gleich zu Beginn meiner Radtour stieß ich auf dieses interessante Gebäude, das meine obigen Ausführungen zu den vielen Hochhäusern der Stadt perfekt zu belegen schien: Das Depot Boijmans Van Beuningen ist eine Art Lager des Museum Boijmans Van Beuningen. Das erste öffentlich zugängliche Kunstdepot der Welt befindet sich derzeit noch im Bau und soll Ende 2021 eröffnet werden. In seiner Spiegelfassade kann man die gesamten Stadt auf einen Blick erfassen. Die Holländer sind erfinderisch: Man füge in das Wort Depot einfach eine Leerstelle ein, und schon hat man die perfekte Bezeichnung des Gebäudes für den Volksmund, nämlich De Pot (deutsch Das Gefäß).

Die gleich in der Nähe befindliche Arminiuskirche ist heute ein Veranstaltungsort. Das Nationaldenkmal wurde zwischen 1895 und 1897 nach einem Entwurf von Henri Evers und Jacobus Pieter Stok errichtet. Bei der Gestaltung ließ sich Evers von frühchristlichen Kirchen inspirieren; die dekorativen Elemente haben einen ausgeprägten Jugendstil-Charakter.

Die imposante Erasmusbrücke (holländisch Erasmusbrug), die mir während meiner Tour durch die Stadt gleich von verschiedenen Seiten „vor die Linse“ kam, ist eine Schrägseilbrücke über die Nieuwe Maas, einem Hauptstrom im Rhein-Maas-Delta. Die nach dem niederländischen Philosophen Erasmus von Rotterdam benannte Straßenbrücke verbindet das Zentrum der Stadt mit dem Kop van Zuid, einem städtebaulichen Entwicklungsgebiet, das mich sehr an die Hamburger Hafencity oder an Aarhus‚ Stadtteil Ø erinnerte.

Der 186 m hohe Euromast wurde 1960 mit einer Höhe von 101 m errichtet und 1970 aufgestockt; er gehört ebenso zu den bekannten Sehenswürdigkeiten von Rotterdam.

Das Hotel New York wirkt heute eher winzig im Vergleich den vielen umliegenden Hochhäusern. Das direkt an der Neuen Maas gelegene Hotel befindet sich im ehemaligen Hauptgebäude der Holland America Lijn und ist ein Prestigeobjekt im oben erwähnten Stadterneuerungsprogramm. Es steht als Rijksmonument unter Denkmalschutz. Die Holland Amerika Lijn war für den Schiffsverkehr zwischen Holland und Amerika zuständig, viele Auswanderer verließen mit den Schiffen das Land und warteten genau hier auf ihre Abreise!

Das Hochhaus dahinter ist das World Port Center, ein vom Stararchitekten Norman Foster konzipiertes Gebäude aus den Jahren 1998 bis 2000. Mit 133 m (samt Antenne) ist es derzeit das neunthöchste Gebäude Hollands.

Die Floating Pavillons, drei Glaskuppeln, die auf dem Wasser schwimmen, sollen den Besuchern als Erlebniszentrum die Verbindung zwischen Klima, Wasser und nachhaltiger Architektur näher bringen. Doch das ist noch nicht alles: Es gibt in Rotterdam sogar eine Floating Farm, auf der rund 40 Kühe, umgeben von nichts als Wasser, Milch produzieren! Die spinnen, die Holländer… 😉

Das Montevideo (links auf dem Foto) hat eine Höhe von 140 m und ist damit das dritthöchste Wohnhaus des Landes.

Von Weitem wirkt das De Rotterdam wie ein Stapel hochkant aufgestellter Bauklötze. Es besteht aus sechs Gebäudeteilen, die in zwei Dreiergruppen aufeinander stehen, wobei die Einzelbauten leicht gegeneinander versetzt sind. Der landesweit höchste Wohnturm besitzt 44 Etagen und stammt von Rem Koolhaas.

Ein Blick auf die gegenüber liegende Seite…

…und noch einmal die 802 m lange Erasmusbrücke, dieses Mal aus einer anderen Richtung fotografiert. Der weiße, 139 m hohe angewinkelte Pylon brachte der Brücke übrigens den, wie ich finde, perfekt passenden Spitznamen De Zwaan (deutsch Der Schwan) ein. 

Natürlich gibt es auch weitere sehenswerte Brücken in der Stadt, zum Beispiel die denkmalgeschützte Koningshavenbrug, eine als Hubbrücke konzipierte ehemalige Eisenbahnbrücke…

…sowie die Willemsbrücke (holländisch Willemsbrug), über die ich den Stadtteil Kop van Zuid verließ. Die auf zwei großen Pylonen stehende, 356 m lange Schrägseilbrücke ist eine der drei großen Brücken Rotterdams; sie verbindet das Zentrum der Stadt mit der Insel Noordereiland, während auf der anderen Seite die kleine Koninginnebrug zu den südlichen Stadtteilen führt. Lange galt sie als Golden Gate Bridge von Rotterdam, was sowohl an ihrer roten Farbe lag als auch an der Tatsache, dass sie bis zum Bau der Erasmusbrücke die letzte Brücke vor der Mündung war. Die Eleganz der weltberühmten Brücke in San Francisco erreicht sie allerdings nicht ’mal ansatzweise, finde ich…

Auch im Zentrum Rotterdams stehen die Hochhäuser dicht an dicht. Man erkennt sofort, dass sich hier unzählige Architekten „ausgetobt“ haben, kein Gebäude gleicht dem anderen! Die vielen Baukräne sprechen eine deutliche Sprache: Diese Stadt pulsiert und boomt regelrecht…

Nach Überquerung der Brücke erreichte ich schließlich das Zentrum von Rotterdam, wo es mit der spannenden Architektur weiterging! In diesem Bereich war für heute das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes auch außerhalb von Gebäuden vorgeschrieben; eine entsprechende Karte hatte ich gestern bereits im Internet gefunden. Allerdings befanden sich auch überall in den Randbereichen entsprechende Hinweisschilder, sodass man diese Anweisung kaum übersehen konnte. Die niederländische Bezeichnung für den Mundschutz finde ich übrigens viel schöner als die deutsche, der heißt hier nämlich Mondkapje! Also nicht Rotkäppchen, sondern Mundkäppchen… 😉

Das Weiße Haus (holländisch Witte Huis) von 1898 war bei seiner Fertigstellung mit 43 m das höchste Bürogebäude Europas, man glaubt es kaum! Das im Jugendstil errichtete zehnstöckige Gebäude wurde vom Architekten Molenbroek entworfen und galt damals als erster Wolkenkratzer in Holland und sogar in Europa. Erfreulicherweise „überlebte“ es alle Bombenangriffe auf die Stadt während des Zweiten Weltkriegs.

Direkt daneben liegt der Oude Haven. Er wurde 1325 erbaut und entführt seine Besucher dank der dort ankernden Schiffe des Historischen Museums Rotterdam in längst vergangene Zeiten. 

Die sogenannten Kubushäuser findet man im Stadtteil Blaak; der äußerst eigenwillige Gebäudekomplex besteht aus gelben, würfelförmigen Einzelhäusern, die auf jeweils einer Spitze stehen. Die 1984 von Piet Blom errichteten Einheiten werden von den Einwohnern der Stadt als Sechskanthäuser bezeichnet.

Vom selben Architekten stammt auch der gleich daneben stehende Blaakturm, wegen seiner markanten Spitze auch Bleistift genannt.

Die Laurenskerk entstand zwischen 1449 und 1525. 1621 erhielt der Turm einen hölzernen Helm, der aber wegen schlechter Qualität des Materials schon 1645 wieder abgebrochen werden musste. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche während des Bombardements der deutschen Luftwaffe 1940 schwer beschädigt; der Wiederaufbau erfolgte 1952 bis 1968.

Das 93 m hohe World Trade Center ist ein wichtiges Geschäftszentrum der Stadt und beherbergt etwa 200 Büros.

Ein Muss für jeden Besucher ist die 2014 fertiggestellte Markthalle, 120 m lang, 70 m breit und sage und schreibe 11 Stockwerke hoch! Ihre hufeisenförmige Kontur erinnerte mich ein wenig an einen gigantischen Flugzeughangar!

Doch nicht nur wegen der beeindruckenden Dimensionen staunt man beim Gang durch den eigenwilligen Gourmet-Tempel: Wände und Decke ziert ein hypermodernes Video-Gemälde von Arno Coenen. Mit 11.000 qm (etwa zwei Fußballfelder) ist es das „größte Kunstwerk der Niederlande“, so wird gesagt.

Auch ich ließ mich sehr gerne dazu verleiten, hier ein paar Dinge einzukaufen; mein Fahrrad mit den beiden geräumigen Packtaschen stand ja schließlich direkt vor dem Eingang… 😉 Ich erstand ein paar „essbare Souvenirs“ (u.a. verschiedene Lakritz-Sorten) und besorgte mir, weil sich inzwischen der „kleine Hunger“ meldete, ein paar Hähnchenteile, die ich später draußen genüsslich verzehrte!

Egal, wo ich mich in dieser faszinierenden Stadt aufhielt, immer wieder traf ich auf überraschende, weil absolut außergewöhnliche Gebäude oder Installationen! Würde es nicht drinstehen, hätte ich’s nicht geglaubt: Dies ist eine Kirche!

Auch der Hauptbahnhof wartet mit einem eher ungewöhnlichen Eingangsbereich auf. Er wurde 2014 erbaut, überhaupt scheint dieses Jahr eine ganz besondere Rolle in der Stadtentwicklung gespielt zu haben!

Das Hochhaus Delftse Poort (auch Gebouw Delftse Poort) befindet sich gleich neben dem Bahnhof. Das vom niederländischen Architekten Abe Bonnema konzipierte Gebäude wurde in den Jahren 1988 bis 1991 errichtet, die Eröffnung fand im Mai 1992 statt. Bis 2009 war es mit 151 m das höchste Gebäude von Rotterdam und gleichzeitig das höchste Hollands. Hauptmieter ist die niederländische Versicherung Nationale-Nederlanden. Der Komplex besteht aus zwei Teilen, Delftse Poort 1 (links) und das etwas kleinere Delftse Poort 2 (rechts).

Langsam wurde es Zeit, wieder an meine Rückfahrt zu denken. Zunächst fuhr ich auf einer etwas anderen Route wieder in Richtung Westen, traf dann aber auf die schon während der Anfahrt benutzten Strecke. Auch unterwegs ergaben sich selbstverständlich viele weitere schöne Fotomotive. Überhaupt kam meine Kamera heute kaum zum Stillstand: Insgesamt hatte ich fast 200 Fotos gemacht und damit, wie so oft, wieder die „Qual der Wahl“, als es um eine einigermaßen überschaubare Auswahl für diesen Tagesbericht ging… 😉

Gegen 16:00 Uhr traf ich wieder in Schiedam ein. Obwohl es tagsüber einige manchmal recht „bedrohliche“ Wolkenformationen gab und sogar ein paar Regentropfen fielen, hatte ich mit dem Wetter wieder einmal sehr viel Glück gehabt. Es war insgesamt schön warm und kaum windig; die Wettervorhersage hatte da erneut deutlich schlechter gelegen!

Hier noch schnell das versprochene Foto von meinem kleinen Stellplatz, auf dem ich mich sehr wohl und vor allem sicher fühlte! Gegen Abend gesellten sich zwei weitere Wohnmobile dazu, insgesamt standen also wieder drei auf dem Platz, genau wie am Morgen, als ich hier eintraf… 😉

Nach dem Abendessen war für mich wieder „Kinozeit“! Heute schaute ich mir den Netflix-Film Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga an, mit Rachel McAdams, Will Ferrell und Pierce Brosnan in den Hauptrollen. Ich hab‘ mich förmlich kaputtgelacht, was für eine überraschend andere und witzige Komödie…

2 thoughts on “Rotterdam – Manhattan an der Maas”

  1. Hallo Wolfgang,
    Rotterdam mit seiner interessanten und vielfältigen Architektur scheint ja sehr reizvoll zu sein. Dein Bericht fängt daher mit De Pot bestens an. Mit der Erasmusbrücke, den Floating Pavillons, das De Rotterdam, die Kubushäuser oder die Markthalle, geht es sehenswert weiter. Tja, und wer würde nicht gerne einmal in einem Bootshaus wohnen ?
    VG Roland

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