Heute hatte ich den ganzen Tag Zeit, Wien zu erkunden! Schon um kurz vor 8:00 Uhr ging es zunächst zu Fuß zur nächsten U-Bahn-Station, die lag nur ein paar Minuten vom Campingplatz entfernt. Ich besorgte mir gleich eine Tageskarte für 8 EUR und fuhr mit der U2 als erstes zum Karlsplatz.

Von dort ging es dann zu Fuß in Richtung Südwesten an der Wien entlang (habt ihr etwa gewusst, dass durch Wien ein kleines Flüsschen namens Wien fließt…?) bis zum berühmten Naschmarkt, dem größten innerstädtischen Markt der Stadt und einer ihrer Sehenswürdigkeiten.

Dort werden vorwiegend Obst, Gemüse, Backwaren, Fisch und Fleisch gehandelt. Bekannt ist der Markt aber auch für das Angebot an Waren aus Ländern des früheren Jugoslawiens, Griechenland, der Türkei und zunehmend auch Ostasien, speziell Japan und China. Der Name Naschmarkt ist insofern etwas irreführend, dennoch gibt es dort natürlich auch unzählige „süße Versuchungen“, die man allesamt nur allzu gern probieren möchte!

Leider war ich, wie so oft, deutlich zu früh dort; es waren erst wenige Menschen unterwegs und einige Geschäfte hatten noch gar nicht geöffnet. Trotzdem war es sehr interessant, durch die verschiedenen Gänge zu schlendern und mit Staunen zur Kenntnis zu nehmen, dass mir der überwiegende Teil der hier angebotenen Waren absolut unbekannt war!

Eigentlich war mein Frühstück ja noch gar nicht solange her, aber als ich an einem Baklava-Stand vorbeikam, konnte ich einfach nicht widerstehen! Baklava ein in Honig- oder Zuckersirup eingelegtes Gebäck aus Blätterteig, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien. Nachdem ich das „Monsterstück“ auf dem Foto verzehrt hatte, war ich „pappsatt“, und mit einer Unterzuckerung war in den nächsten vierzehn Wochen wohl kaum zu rechnen! Ein leckeres Mittagessen in der Innenstadt war ebenfalls erst ’mal in weite Ferne gerückt!

Nun wanderte ich zurück bis zum Museumsquartier, machte dort einige Fotos und erreichte dann das imposante Wiener Rathaus, das wegen Bauarbeiten leider teilweise eingerüstet war.

Weil ich noch so viel vor hatte, habe ich auf einen Besuch im Inneren des Gebäudes verzichtet; jetzt im Nachhinein bereue ich es doch ein wenig.

Sehr gut gefallen hat mir der Volksgarten, eine öffentlich Parkanlage gleich nebenan. Das wunderschöne Wetter hat natürlich auch dazu beigetragen!

Der im Park befindliche schneeweiße Theseustempel bildet einen ungewöhnlichen Anblick. Er wurde von 1819 bis 1823 von Peter von Nobile erbaut. Die verkleinerte Nachbildung des Athener Theseions diente der Aufbewahrung der von Antonio Canova geschaffenen Theseusskulptur.

Von hier aus hat man auch einen, wenn auch etwas eingeschränkten Blick auf das österreichische Parlamentsgebäude. Offensichtlich fand hier zufällig gerade die Jahreshauptversammlung der europäischen Baukräne statt… 😉

Und weiter ging es zur Hofburg, wo ich mich etwas umsah und natürlich wieder jede Menge Fotos machte. Die Hofburg war früher ’mal Residenz der Habsburger, seit 1946 ist sie Sitz des österreichischen Bundespräsidenten. Das Areal umfasst eine Fläche von ca. 24 ha und ist damit Europas größter für nicht-religiöse Zwecke erbaute Gebäudekomplex.

Eigentlich wollte ich mir das Training der Lipizzaner-Hengste in der Spanischen Hofreitschule ansehen, leider war es dafür jetzt aber schon zu spät! Das Training, für das man immerhin 16 EUR zahlen muss, läuft von 10 bis 12 Uhr; jetzt war es schon 11:30 Uhr, und am Ticketschalter stand immer noch eine ziemlich lange Touristen-Schlange. Ich musste mich also mit ein paar wenigen Schnappschüssen begnügen…

Das traditionsreiche Café Demel habe aufgesucht, weil ich während der Reisevorbereitung einen Beitrag dazu in der WDR-Reihe Städtetrip mit Tamina Kallert gesehen hatte.

Objekt meiner Begierde war die sogenannte Annatorte, einer Schokoladentorte, die nach Anna Demel, der Schwägerin von Carl Demel und langjährigen Leiterin des Cafés, benannt wurde und bis heute dort hergestellt wird. Zwar war es noch viel zu früh für Kaffee und Kuchen, aber ich hatte gehofft, hier etwas zum Mitnehmen für die Familie zuhause zu finden. Das war leider nicht der Fall, denn wegen des Sahneanteils war die Torte leider nur maximal drei Tage haltbar, und meine fünfwöchige Reise hatte ja gerade erst begonnen…

Nun war es Zeit, die eigentliche Innenstadt Wiens etwas zu näher zu erkunden, also die Fußgängerzonen und Einkaufspassagen…

… und natürlich auch das Wahrzeichen Wiens, den Stephansdom (eigentlich Dom- und Metropolitankirche zu St. Stephan und allen Heiligen) auf dem gleichnamigen Stephansplatz. Die Wiener sind da noch pragmatischer und nennen ihre Domkirche ganz einfach Steffl! Seine bunten Dachziegel aus glasierter Keramik bilden die bekannten Muster wie das Wappen Österreichs und der Stadt Wien.

Das imposante Innere des vor 800 Jahren erstmals erwähnten Doms habe ich mir natürlich auch in aller Ruhe angesehen!

Inzwischen war es nachmittags, und nun meldete sich auch mein Magen wieder, nachdem er nach dem extrem süßen Baklava von heute morgen lange Zeit „ruhig gestellt“ war! Ich suchte mir ein kleines Restaurant und aß ein Cheeseburger-gereicht, dazu gab’s ein kleines Bier.

Nach einer ausgiebigen Pause wanderte ich wieder zurück zum Karlsplatz, meinem Ausgangspunkt, und weiter Karlskirche und ließ das bunte Treiben dort auf mich wirken. Die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaute, etwas ungewöhnlich ausschauende Barockkirche steht heute unter Denkmalschutz.

Ich muss gestehen, dass ich zu dieser Zeit keine große Lust mehr verspürte, mir die Kirche von innen anzuschauen! Auch das war vermutlich ein großer Fehler, aber ich hatte nun schon mehr als 10 Kilometer Fußmarsch hinter mir und wollte jetzt doch möglichst schnell zurück zum Wohnmobil!

Dort kam ich gegen 16:30 Uhr wieder an und gönnte mir draußen bei herrlichem Sonnenschein eine ausgedehnte Pause mit Kaffee und leckerem Kuchen, den ich an der Rezeption erstanden hatte.

Es war klar, dass auch dieser Hauptstadtbesuch heute und gestern nachmittag nur eine kleine „Stippvisite“ gewesen sein konnte, aber das war ja auch genauso geplant! Morgen ist wieder ein Fahrtag, und dafür wollte ich entsprechend ausgeruht sein und natürlich auch wieder früh aufstehen…

9 Kommentare zu “Vom Naschmarkt zur Karlskirche”

  1. Respekt – über 10 km Fußmarsch und dann so tolle Fotos!!
    Nur ein Foto vermisse ich: die Kutsche von Sissi – die musste ich damals unbedingt fotografieren – für meine Mädels natürlich!!
    Bitte weiter so!!
    Beste Grüße Bernd

    1. Danke, Bernd! Ich hab‘ zumindest etliche Fotos von Fiaker-Gespannen gemacht, aber irgendwas bleibt ja leider bei der Auswahl aus unzähligen Fotos immer auf der Strecke… 😉

  2. Hallo Wolfgang,
    Naschmarkt, was für ein Name 🙂 Das wäre ganz bestimmt auch ein Anlaufpunkt wenn ich einmal in Wien wäre. Die Sachertorte kommt mir da immer in den Sinn wenn ich an Wien denke oder etwas im TV sehe. Die würde ich wirklich gerne einmal probieren. Deine Fotos sind einmal mehr perfekte Begleiter zu deinen Texten. Ich habe bemerkt das du die Menschen unkenntlich machst. Ich denke bei solch groß angelegten Streets ist das nicht nötig vom Gesetz her. Das würde mich wundern.
    Herzliche Grüße, Roland

    1. Danke für den Kommentar, Roland! Ja, das mit den Gesichtern stimmt! Ich habe das vorsichtshalber eine Weile lang gemacht, inzwischen aber wieder aufgegeben, mit Ausnahme von ganz wenigen Fotos. Es macht einfach zu viel Arbeit und ist wahrscheinlich, wie du ja schon sagtest, wohl auch nicht notwendig…

  3. Ja in Wien, kann man sich wirklich die Füße platt laufen. Wir waren, wie du ja weißt, drei Tage dort und hinter immer froh sie im Hotel hochlegen zu können.

    Wien ist schon beeindruckend. besonders die Größe und Weiter fiel sehr auf. Leider ist Wien auch sehr touristisch, natürlich besonders dort, wo es typisch wienerisch wird. In den Kafeehäusern zum Beispiel. Mit touristisch meine ich in diesem Fall „voll von Touristen“. Ich erinnere mich gut an eine Szene im Café Central, ähnlich bekannt wie das Dremel. Wir mussten etwas warten bis wir einen Platz bekamen aber es war erträglich.

    Unerträglich dagegen die beiden asiatischen Damen die am Nachbartisch platziert wurden. Sie bestellten sich österreichische Spezialitäten, aber nicht aus der Karte, sondern über Fotos aus Instagram. Bis die Bestellung eintraf posierten sie für eigene Instagram Fotos. Als die Speisen dann ankamen wurden Sie verglichen mit den Fotos. Bei einer Abweichung wurde der Kellner gefragt ob das wirklich das war, was auf dem Fotos zu sehen ist. Ich vermute es zumindest, den die Damen Sprachen kaum ein Wort englisch.
    Dann bestellten sie wieder eine Speise nach der anderen, fotografierten alles akribisch und probierten sogar ein Stück und bestellten dann das Nächste bis der Tisch irgendwann voll war. Zwischen durch musste der Kellner immer wieder Unklarheiten anhand der Internetfotos aufklären.

    Die Damen bedienten wirklich dutzende Klischees und der Kellner tat uns ziemlich leid, er hat hoffentlich von den Beiden ein ordentliches Trinkgeld bekommen.

    Als wir das Café verließen war die Schlange noch viel länger geworden. Ich frage mich wie es die Wiener machen, wenn die mal spontan auf einen Kuchen ins Dremel, Central oder einem anderen der bekannten Kaffeehäuser gehen wollen.

    1. Danke für deinen Beitrag, Holger! Ich hab‘ auf meinen Reise auch schon häufig festgestellt, dass sich gerade asiatische Touristen oftmals sehr „daneben“ benehmen, zumindest in unseren Augen! Und häufig auch sind sie auch ziemlich rücksichtslos, was Anstellen in Warteschlangen, beste Positionen für ein Foto usw. angeht! Und sie sind laut!!! Ich versuche in solchen Momenten immer, so tolerant wie möglich zu sein, denn man muss sich meiner Ansicht nach immer wieder klar machen, dass sie aus einem völlig anderen Kulturkreis stammen! Auch wir tun sicher für uns völlig normale Dinge, bei denen andere Menschen die Nase rümpfen würde. Ich glaube, die echten Wiener gehen wahrscheinlich überhaupt nicht mehr in solche Lokale; bestimmt haben sie da so ihre Geheimadressen… 😉

      1. Wir sind bei solchen Begegnungen natürlich auch sehr tolerant, denn wir selbst sind ja auch Touristen und machen, wie du schon sagst, auch unsere Fehler in anderen Kulturkreisen. Aber die von dir beschriebene Rücksichtslosigkeit, ist uns auch immer wieder aufgefallen. Es mag daran liegen das Asiaten meistens nur sehr wenig Zeit an einem Ort haben und natürliche in der zeit möglichst viele Eindrücke (und Fotos) mitnehmen wollen.

        1. So sehe ich das auch, es kommt aber meiner Ansicht noch ein weiterer Aspekt dazu: Die Bevölkerungsdichte in den asiatischen Ländern ist höher als bei uns, jedenfalls in den großen Städten, aus denen wahrscheinlich auch die meisten Touristen kommen. Sie lernen von klein auf, sich durchzusetzen, zur Not auch mit den Ellenbogen! Also auch laut zu sein, sich nach vorn zu drängen, usw., denn Zurückhaltung bringt ihnen einfach nichts ein…

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