Trotz des “Horror-Tags” gestern (siehe Geldwäsche auf Elafonisos) hab’ ich eigentlich ganz gut geschlafen und bin heute auch pünktlich aufgestanden. Kurz nach dem Frühstück ging ich auch schon zur Rezeption, um auszuchecken.

Dort bekam ich dann meinen Personalausweis zurück, für den ich mich offenbar etwas zu überschwänglich bedankte! Als die junge Frau mich fragend anschaute, erzählte ich ihr kurz meine Geschichte von gestern, woraufhin sie selbst etwas schockiert wirkte! Sie freute sich aber sehr für mich, dass alle wichtigen Sachen aus dem Wasser gefischt werden konnten und wünschte mir eine schöne Reise ohne weitere Vorkommnisse dieser Art! Danke, das kann ich bestimmt gut gebrauchen… 😉

Nun bereitete ich alles für die Abfahrt vor. Beim Verstauen meiner Sachen vermisste ich plötzlich den Fotomagneten, den ich gestern Abend nach meiner Radtour im Ort gekauft hatte. Ich suchte überall, fand ihn aber nirgends! Plötzlich fiel es mir siedend heiß ein: DAS war das “quadratisch Bunte”, was der junge Mann gestern im Wasser gesehen hatte, und was ich in meine völligen Verwirrung eine Weile lang für meinen Personalausweis gehalten hatte! Der Magnet war also auch noch “über Bord” gegangen! So langsam, aber sicher, klärte sich jetzt alles auf… 😉

Ich fuhr nun die paar Kilometer wieder zurück nach Elafonisos. Eine der beiden Fähren lag zwar schon im Hafen, aber bis zur ersten Überfahrt des Tages hatte ich noch etwa 35 Minuten Zeit.

Ich ging also zunächst wieder zum Souvenirladen, um mir noch ein Exemplar des Fotomagneten zu kaufen; die 2 Euro waren mir das wert! Die Verkäuferin erkannte mich sofort und erinnerte sich offensichtlich auch an meinen gestrigen Kauf. Was sie sich wohl dachte? Dass mir der Magnet so gut gefallen hätte, dass ich mir heute Morgen gleich noch einen zweiten dazu kaufen wollte…? 😉

Danach ging ich in das Café Portioli, wo die philippinische Mama gerade damit beschäftigt war, Stühle und Tische abzuwischen; auch sie erkannte mich natürlich sofort. Ich bedankte mich noch einmal ganz herzlich bei ihr für die tolle Hilfe gestern! Ihr Sohn war leider nicht anwesend, sie erzählte mir aber, dass er sehr, sehr stolz darauf war, meine Sachen tatsächlich auf dem Meeresgrund gefunden zu haben. Drei Kopfsprünge, drei Tauchgänge á 7 Meter und dreimal ein 3-Meter-Seil hochzuklettern, das musste ihm erst ’mal jemand nachmachen! Weiter berichtete sie, er hätte sich über das Geld sehr gefreut; für ihn war das offensichtlich eine ziemlich große Summe, und er wollte sich endlich die neuen Sportschuhe kaufen, die er schon länger “im Auge” hatte!

Nun war ich ganz gerührt, und das schon am frühen Morgen! Die Gastfreundschaft der Griechen ist sowieso schon sprichwörtlich, aber wenn einem so viel selbstlose Hilfe, dazu noch mit dieser Selbstverständlichkeit, zuteil wird, dann… ja, dann fehlen einem wirklich die Worte! Ich war sehr stolz, diese tolle Familie kennengelernt zu haben!

Schließlich ging das Boarding los; Hannelore musste dieses Mal rückwärts auf das Schiff, um später vorwärts herunterfahren zu können. Auch jetzt funktionierte das problemlos. Ich musste 22,50 EUR zahlen, etwas weniger als gestern! Der Kassierer hatte offenbar mit 6,50 Meter Länge gerechnet, obwohl ich 7,50 Meter angegeben hatte! Mit einem verstohlenen Blick schaute ich schnell auf Hannelores Hintern, ob vielleicht ein Meter des “Prachtstücks” verloren gegangen war oder so… 😉

Obwohl die Fahrt wirklich nur sehr kurz war, stieg ich aus, um vom Schiff aus noch ein paar Fotos vom Ort und von der Insel zu machen!

Mit einer grossen Brennweite holte ich mir zur Erinnerung noch ’mal schnell das vorhin besuchte Café Portioli heran…

Ein Blick in Fahrtrichtung der Fähre, und man sah auch schon bald den Fähranleger auf dem Festland; ein paar Minuten später legten wir an, und ich fuhr meinem nächsten Tagesziel entgegen.

Ich wollte ja im Großen und Ganzen die gesamte Küstenlinie des Peloponnes erkunden, daher war nach dessen “Zeigefinger” gestern jetzt der “Mittelfinger” dran; diese Region nennt man auch die (wilde) Mani. An der Spitze befindet sich das Kap Tenaro, das war mir für heute allerdings noch zu weit! Als Zwischenziel habe ich mir deshalb die Hafenstadt Gythio ausgewählt; in der Nähe liegt ein schöner Strand, wo man mit dem Wohnmobil übernachten kann. Dort befindet sich auch das Wrack eines dort gestrandeten Frachters.

Die Fahrt dorthin verlief dieses Mal sehr entspannt, denn es herrschte kaum Verkehr und die Straßen waren allesamt gut ausgebaut und vor allem sehr breit! Gegen Mittag traf ich am Valtaki Beach ein.

Ich suchte mir einen schönen Platz auf dem geschützten, sandigen Bereich hinter dem Strand und ging als erstes zum Wrack, um es mir etwas genauer anzusehen.

Die Dimitrios war ein 67 m langer Frachter mit 965 to Frachtkapazität; er wurde 1950 gebaut und ist am 23. Dezember 1981 hier gestrandet. Der krasse Zerfall nach fast 40 Jahren ist dem Wrack deutlich anzusehen. Es ist sicherlich lebensgefährlich, es zu betreten; ein schönes Fotomotiv ist es aber allemal, finde ich…

Danach machte ich wieder meine übliche kleine Mittagspause und bereitete mich dann auf meine Radtour in die Stadt vor. Gleich zu Beginn hatte ich mit einer wirklich “leckeren” Steigung zu tun, aber der Lohn der Mühe blieb dann natürlich später auch nicht aus: Von hier oben hatte ich einen wunderbaren Blick auf die Bucht mit dem Schiffswrack und auf “meinen” Strand!

Abgesehen von ein paar Abstechern über Feldwege und kleinere Pfade verlief meine Route fast ausschließlich auf der Straße, bergauf und bergab; erst kurz vor Erreichen der Stadt wurde es relativ eben und ich konnte schon aus der Ferne ein paar Fotos von Gythio machen.

Ich traf auf eine hübsche, kleine Stadt, die über einen recht groß ausgebauten Hafen verfügt; von hier aus geht sogar eine Fähre nach Kissamos auf Kreta!

Wozu eigentlich Speisekarten? Man kann sein Angebot doch einfach auch draußen auf der Leine vorzeigen… 😉 Die zum Trocknen aufgehängten Tintenfische gehören hier bei den Tavernen am Hafen tatsächlich zum ganz normalen Straßenbild von Gythio..

In der Nähe des Hafens liegt die kleine Insel Marathonisi mit einem Pinienwäldchen, einem Leuchtturm und einer hübschen kleinen Kirche (Foto); sie ist mit Gythio durch einen Damm verbunden. Paris und Helena sollen hier auf der Flucht von Sparta nach Troja ihre erste Liebesnacht verbracht haben…

Die Insel liegt etwas südlich der Stadt. Nachdem ich bis dorthin gefahren war und einige Fotos gemacht hatte, kehrte ich wieder in das kleine Zentrum zurück und suchte mir nun dort in Ruhe ein “schnuckeliges” Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen; großen Hunger hatte ich nämlich nicht.

Dieses Mal fiel meine Wahl auf verschiedene Sorten von Souvlaki, Tsaziki, potato chips und einen geräumigen “Eimer” Bier; der geht immer! 😉

Wie immer, war alles sehr schmackhaft; ich zahlte (mit Trinkgeld 18 Euro) und machte mich dann, dieses Mal ohne Abstecher, wieder auf den Rückweg zu meinem Wohnmobil.

Heute hatte ich einen zwar nicht besonders spektakulären, aber dennoch schönen Tag hinter mir, vor allem aber einen ohne “Pleiten, Pech und Pannen”… 😉

9 Kommentare zu “Vom “rostigen Dimitrios” nach Gythio”

  1. Uns hat es in Gythio auch sehr gut gefallen. Wir sind nicht am SP vor dem Schiffswrack geblieben, sondern sind auf den CP Meltemi, ein paar Kilometer weiter gefahren, weil wir mal wieder aufladen mussten.
    Bin schon gespannt auf Deine weiteren Mani Berichte.
    VG

  2. Hallo Wolfgang,
    einen “spektakulären” Tag braucht man wirklich nicht immer und dieser eher unaufgeregte Blog von diesem Tag war mit vielen tollen Fotos gespickt die Griechenland sehr typisch wiedergeben. Ach ja, toller Campingplatz, wie ich finde !
    Liebe Grüße, Roland

  3. Zum Glück ein geruhsamerer Tag – einfach mit tollen Eindrücken und leckerem Essen. So soll Urlaub sein. Die Bilder wecken die Sehnsucht – gerade jetzt in der kalten und grauen (Corona-)Zeit.
    LG Anja

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