Heute ging’s wieder sehr früh „aus den Federn“, das tolle Wetter musste schließlich ausgenutzt werden. Nach dem Frühstück überlegte ich kurz, meine Drohne aufsteigen zu lassen; ein paar Fotos und Videosequenzen hier von schönen Strand wären ja nicht schlecht. Wegen des Sonnenstands würde das aber nur Sinn machen, wenn ich über dem Wasser in Richtung Strand filmen würde. Da es aber wieder etwas zu windig war, schien mir dieses Vorhaben doch ein wenig zu riskant, also ließ ich es sein.

Um diese Uhrzeit war es hier natürlich noch sehr ruhig, genau wie in der Nacht. Nur drei Angler waren bereits anwesend und versuchten mit ihren extrem langen Angelruten ihr Glück.

Ich verließ den Platz und fuhr zunächst zu einem kleinen Einkaufszentrum im Süden von Messina, weil ich nach neuen Shorts suchen wollte. Leider fand ich dort keinen geeigneten Parkplatz, also ging es zunächst noch ein Stück weiter in Richtung Stadtzentrum. Mein nächster Besuch galt einem Lidl-Supermarkt, der in 10 Minuten öffnen sollte. Wegen der frühen Uhrzeit hatte ich hier keine Probleme, einen Doppelparkplatz in Beschlag zu nehmen. Nachdem ich meine Lebenmittelvorräte etwas aufgefrischt hatte, überlegte ich mir, wie es weitergehen sollte…

Zum Strand zurückzukehren und von dort aus mit dem Rad in die Stadt zu fahren, schien mir jetzt irgendwie sinnlos, wo ich ja schon ’mal hier war! Und das Wohnmobil für ein paar Stunden hier auf dem stark frequentierten Parkplatz des Supermarkts stehenzulassen, kam mir auch nicht gerade fair vor. Also suchte ich mit Hilfe der Satellitenansicht der Stadt nach einem größeren Platz, auf dem ich womöglich parken konnte, und wurde sofort fündig: Nur etwa 500 m weiter südlich zweigte von der Haupteinfallstraße der Stadt eine weitere große nach Norden ab; der dreieckige Platz dazwischen schien mir geeignet zu sein. Ich fuhr also hin und traf mit meiner Vermutung genau ins Schwarze! Hier konnte ich mein WoMo problemlos abstellen, holte mein Rad aus der Heckgarage und radelte schließlich gegen 9:30 Uhr in Richtung Stadtzentrum.

Schon jetzt herrschten hier schon wieder fast 30° Hitze; im dicksten Berufsverkehr musste ich mich mangels Radwegen direkt auf der Hauptverkehrsstraße mit den teils recht rücksichtslosen Autofahrern auseinandersetzen! Aber auch das war nach ca. 30 Minuten geschafft; später suchte ich mir ein paar etwas „ruhigere“ Seitenstraßen, um zum Hafen zu gelangen.

Eigentlich wollte ich zuerst zur gestern erwähnten Mole fahren, aber der Zugang zum Hafen war offenbar nicht öffentlich zugänglich, jedenfalls habe ich keine solche Möglichkeit gefunden! Also ging es die gesamte Promenade von Süd nach Nord entlang bis zu einer kleinen, direkt am Wasser liegenden hübschen Parkanlage.

Auch von dieser goldenen Statue hatte ich ja gestern schon berichtet; sie gehört zum Fort San Salvatore und trägt den besonderen Namen Madonna della Lettera, also Madonna des Briefes. Der vollständige lateinische Spruch auf der Mauerwand der alten Festung lautet Vos et ipsam Civitatem benedicimus, also zu deutsch Wir segnen dich und deine Stadt.

Direkt vor der oben erwähnten Parkanlage stieß ich auf das vom Bildhauer Salvatore Buemi geschaffene Denkmal Monumento alla Batterie Masotto. Die Bronzeskulptur stellt drei Soldaten auf einem quadratischen Sockel dar, auf dem sich Tafeln mit den Namen derjenigen Soldaten befinden, die in der Schlacht von Adua im Jahr 1896 gefallen sind.

An diesem Platz bot sich mir ein wunderschöner Blick auf die langgestreckte Uferlinie der Stadt, beste Gelegenheit also für eine kleine Verschnauf- und Fotopause.

Ich beschloss, von hier aus nicht weiter in Richtung Norden zu fahren, sondern mir nun Teile der Altstadt anzuschauen. Dabei passierte ich sowohl die Piazza di Doumo mit dem Dom von Messina aus dem 12. Jahrhundert und dem daneben stehenden 48 m hohen Glockenturm…

…sowie die römisch-katholische Kirche Santuario Madonna del Carmine.

Ich wünschte, ich hätte vielleicht doch etwas mehr Zeit für die Erkundung dieser interessant wirkenden Stadt einplanen sollen, aber da ich ja heute noch eine Strecke mit dem Wohnmobil vor mir und mich um einen Übernachtungsplatz zu kümmern hatte, radelte ich nun langsam wieder in Richtung Süden zum Parkplatz, auf dem „Hannelore“ hoffentlich immer noch geduldig wartete. Eigenartigerweise war die Stadt auch jetzt, gegen 11 Uhr, immer noch (oder schon wieder?) völlig „verstopft“; der stockende Verkehr kam nur im Schneckentempo voran, mit dem Rad war ich wesentlich schneller!

Auf dem Rückweg fand ich noch einen kleinen, urigen Klamottenladen. Draußen hingen auf Ständern jede Menge Hosen, daher dachte ich bei mir, schnell ’mal gucken kostet ja nichts! Ich suchte nach einer Möglichkeit, mein Fahrrad irgendwo abzustellen und mit dem Bügelschloss zu sichern, fand aber keine. Ein älterer Herr, der offenbar zum Familienbetrieb des Ladens gehörte, sah das und bot sich sofort an, auf mein Rad aufzupassen. Er holte sich sogar einen Stuhl aus dem Geschäft, stellte ihn demonstrativ neben mein Rad, setzte sich darauf und bedeutete mir nun ganz energisch, in den Laden zu gehen. Sehr cool, sowas hatte ich auch noch nicht erlebt… 😉 Ich fand dort übrigens ein paar Hosen, die mir gefielen, aber meine Größe war leider nicht dabei; die meisten waren zu klein, andere zu groß! Ich zog also unverrichteter Dinge wieder vondannen.

Am Wohnmobil angekommen, verstaute ich schnell mein Rad, trank etwas und suchte dann nach einem Campingplatz für heute. Mein nächstes Ziel würde Taormina sein, ein ganz besonderer Touristen-Hotspot in Sizilien. Dort sollte es ganz besonders schön sein, wenn ich den vielen Fotos, die ich während meiner Reisevorbereitung schon gesehen hatte, Glauben schenken durfte. Aus diesem Grund wollte ich mir dafür einen ganzen Tag freihalten, also morgen. Für heute ging es daher nur darum, einen Übernachtungsplatz in der Nähe von Taormina zu finden. Das gelang überraschend schnell: Etwas nördlich von Letojanni, einem kleinen Ferienort, fand ich dem Campingplatz Camping Paradise, dessen Beschreibung ganz vielversprechend klang. Ich programmierte mein Navigationsgerät und fuhr kurz darauf los.

Schon ein paar Minuten später befand ich mich bereits auf der Autobahn, der A20 in Richtung Catania, die kurz darauf zur A18 wurde. Die Entfernung bis zur Autobahnabfahrt betrug nur etwa 50 km; bei der Ausfahrt musste ich 2,30 EUR Mautgebühren zahlen, also nicht besonders viel.

Ich hatte nicht angenommen, dass der Campingplatz übermäßig belegt sein würde, das war glücklicherweise auch nicht der Fall. Bei meinem Eintreffen standen höchstens 15 Wohnmobile oder Wohnwagen auf dem Platz, sogar ein deutsches Fahrzeug aus Bayreuth war dabei! Das Einchecken bei der etwas spröde wirkenden Betreiberin ging problemlos über die Bühne; sie sprach ganz gut englisch, nahm meine Daten auf und sagte mir dann, ich könne mir einen beliebigen freien Platz aussuchen!

Gesagt, getan! Ein paar Minuten später stand ich auf einer schönen Parzelle, auf der ich zwei oder vielleicht sogar drei Nächte bleiben wollte, hatte Strom angeschlossen, die Markise ausgefahren und die Campingmöbel aus der Garage geholt. Es folgte ein kurzer Spaziergang über den Platz, alles in Ordnung hier! Duschen und Toiletten waren sehr sauber, es gab kostenlose Strandliegen und sogar ein Pool war vorhanden. Nur die Bar und das Restaurant waren permanent geschlossen, vermutlich wegen Corona und der damit verbundenen viel zu geringen Anzahl potentieller Gäste.

Dieser herrliche Traumstrand gehört zum Campingplatz und ist menschenleer; kaum zu fassen, oder…?

Auch die unzähligen Strandliegen fristen ein einsames Dasein; in „normalen“ Zeiten und in der Hauptsaison sieht das hier ganz sicher völlig anders aus!

Den Rest des Tages verbrachte ich überwiegend im Schatten meiner Markise und ließ es mir gutgehen! Ich freute mich auf morgen und vor allem darauf, dass ich für die Radtour nach und den Besuch in Taormina genügend Zeit zur Verfügung haben würde…

6 Kommentare zu “Von Messina nach Letojanni”

  1. Hallo Wolfgang,
    schön das es anscheinend mittlerweile überall in Europa den LIDL gibt, oder ? Aber Fahrradaufpasser sind wohl eher selten gesät. Der Strand ist ja ein Traum … und sooo leer. So würde es mir wahrscheinlich auch gefallen … das Strandleben. Ist das ein Campari-Orange ?
    LG Roland

    1. Danke für dein Feedback, Roland! Ja, die beiden größten deutschen Discounter findet man eigentlich inzwischen überall in Europa, ’mal vom einen mehr als vom anderen, ’mal umgekehrt. Campari/O-Saft stimmt; ist einer meiner Lieblings-Longdrinks und blitzschnell zubereitet. Allerdings gebe ich mich selten mit mikroskopisch kleinen „Reagenzgläsern“ ab, bei Durst muss ein richtiger „Eimer“ her… ;-))

      1. Campari-Orange gehört auch bei uns zu dem bevorzugten Longdrink im Sommer und stand vor kurzem am Gardasee einmal täglich auf der Liste 🙂 Nur einmal ließ ich mich zu Aperol verführen, dann war es das aber auch.

  2. Schön, über Dich die Stadt Messina kennen gelernt zu haben. Der Baum auf Deinem Bild unter der Soldatenskulptur ist ja gigantisch.
    Besonders beeindruckend ist natürlich, dass es hier an den Touristenhotspots überall noch so leer war. So konnte man doch Einiges besser genießen, vor allem Strand und Meer.

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