Heute habe ich einen ziemlich großen „Sprung“ gemacht! Ich hatte Sizilien am Vormittag mit der Fähre verlassen und bin dann einige Stunden auf der Autobahn nach Norden gefahren. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, befinde ich mich auf dem netten, kleinen Campingplatz Camping Sant’Antonio in der Küstenstadt Vico Equense, bereits ganz in der Nähe von Neapel gelegen. Ich habe mir vorgenommen, einige Tage zu bleiben und von hier aus, meinem „Basislager“ sozusagen, verschiedene Unternehmungen zu starten.

Mein Wecker klingelte heute bereits um 7:00 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück fuhr ich zuerst zum Tanken, wo ich mich auch gleich nach der richtigen Zufahrt zum Fähranleger der Blue Ferries erkundigte; der Hafen von Tremestieri, einem Stadtteil von Messina, verbindet die Insel mit Villa San Giovanni auf dem italienischen Festland in Kalabrien.

Dann ging es noch kurz zu einem Supermarkt. Dort hatte ich ein paar fehlende Lebensmittel ergänzt, aber auch wieder ein paar „Mitbringsel“, wie zum Beispiel Olivenöl und Pesto aus der Region, erstanden. Rechtzeitig stand ich mit meinem Wohnmobil schließlich als Erster in der Schlange und wartete auf die Ankunft der nächsten Fähre. Dabei machte mich ein freundlicher Mitarbeiter des „Bodenpersonals“ darauf aufmerksam, dass mein linkes Scheinwerferlicht wohl kaputt sei. Tatsächlich, schon wieder ’mal! Gut, dass ich immer ausreichend Ersatz-Leuchtmittel dabei habe…

Nach dem Boarden ging es auch schon sehr schnell los. Die Überfahrt, während der ich genau so schönes Wetter hatte, wie auf der Hinfahrt, dauerte etwa eine Stunde.

Noch ein paar letzte, etwas wehmütige Blicke auf die wunderschöne Insel, auf der ich mich etwa zwei Wochen aufgehalten und viele wirklich wunderschöne Orte kennengelernt hatte!

Das Entladen nach der Ankunft ging auch recht flott, und so war ich bereits kurze Zeit später auf der Autobahn A2, die ich erst in Salerno wieder verließ. Nun führte meine Route nach Westen auf die Halbinsel von Sorrent, am Golf von Neapel gelegen. Noch ein kurzes Stück auf der mautpflichtigen (2,20 EUR) A3 Richtung Neapel, dann folgte auch schon das letzte Teilstück für heute auf einer etwas engen und sehr stark befahrenen Landstraße nach Vico Equense.

Die Abfahrt von dieser Landstraße hinunter zum kleinen Hafen, etwa 1.000 Meter, war wieder einmal mehr als abenteuerlich! Eine so enge Straße, die extrem steil und kurvig nach unten führt und meist zu beiden Seiten von hohen Mauern gesäumt wurde, war schon eine Herausforderung für sich! Noch schlimmer waren aber die ab und zu urplötzlich auftauchenden PKW, die mit „affenartiger“ Geschwindigkeit um die Kurve kamen und sich plötzlich vor dem Kühler eines großen Wohnmobils wiederfanden! Jedesmal kam es mir so vor, dass ob die Fahrer sich dabei tatsächlich selbst erschrocken hatten; ich fürchte allerdings, das war wohl eher Einbildung. Manchmal konnte man sich sehr vorsichtig aneinander „vorbeischummeln“, ab und zu setzte der PKW aber auch ein Stück zurück bis zu einer etwas breiteren Nische, um mich vorbeizulassen. Wie gesagt, es war nur ein kurzes Stück, aber mit Sicherheit sind meine Haare wieder ’mal eine Nuance grauer geworden. Falls das überhaupt geht… 😉

Ein weiteres, mögliches Problem erwies sich zum Ausgleich für die gerade geschilderte „Fahrt auf der Geisterbahn“ als recht harmlos! Ich hatte damals von Berichten gelesen, dass das Zufahrtstor zum Campingplatz und die anschließende steile Auffahrt für große Wohnmobile etwas problematisch sein könnte, das war aber kein wirkliches Problem für mich. Höhe und Breite waren sowieso ok (wie sollte das auch anders sein, wenn es zum Campingplatz führt?), und die Straße war breit genug, hier ohne Schrammen um die Kurve zu kommen.

Den Campingplatz hatte ich schon lange vor meiner Reise ins Visier genommen! Da ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch keineswegs wissen konnte, wann ich hier ankommen würde, war eine Buchung im Voraus selbstverständlich nicht möglich. Daher hoffte ich nun, dass ich jetzt nicht unverrichteter Dinge wieder abziehen musste; dies war erfreulicherweise auch nicht der Fall. Der Platz war zwar recht gut belegt, und ich kam ja auch erst am Nachmittag hier an, aber trotzdem standen noch einige wenige Plätze zur Verfügung, von denen mir einer zugewiesen wurde. Eine Übernachtung sollte hier 24,00 EUR kosten.

Giovanni, ein etwas älterer und superfreundlicher Herr, scheint der Besitzer des Platzes zu sein, aber die Hauptarbeit leisten wohl seine Tochter und andere Familienangehörige. Er spricht sehr gutes Deutsch und behauptet, es in all den Jahren nur auf seinem Platz und von seinen Gästen gelernt zu haben; 80 Prozent der Camper sind hier Deutsche, sagt er. Er hieß mich herzlich willkommen, und ich nutzte die Gelegenheit, ihn gleich ’mal nach einigen Dingen zu fragen, die in den nächsten Tage für mich wichtig werden würden. Ich bekam tatsächlich auf alles eine fundierte Antwort! Und er hatte noch viele weitere wertvolle Tipps „auf Lager“, die ich mir allesamt sehr gut merkte.

Nachdem ich geduscht hatte, ging ich hinunter in den kleinen Hafenbereich, um mich dort umzuschauen. Hier war es wirklich wunderschön, erst recht während der romantischen Abendsonne! Allerdings gibt’s hier nur ein paar kleine Straßen, also hat man relativ schnell so gut wie alles gesehen. Gegenüber, auf der anderen Seite der Bucht, sah ich nun zum allerersten Mal und in aller Ruhe den mächtigen 1.281 m hohen Vesuv. Leider gibt’s kein brauchbares Foto davon, aber ich bin sicher, ich werde in den nächsten Tagen davon genügend „nachreichen“…

Es gab hier neben ein paar wenigen Kiosks und unzähligen kleinen und großen Booten nur einige Restaurants, darunter eines, das mir Giovanni empfohlen hatte; im I Baretti Seiano sollte es für Campinggäste sogar einen Rabatt von 10% geben. Da ich jetzt großen Hunger hatte, betrat ich den Außenbereich direkt am Wasser und bat um einen Platz. Wie fast immer in Italien, war ich auch dieses Mal natürlich viel zu früh hier, aber solange die Lokale tatsächlich schon geöffnet sind, macht mir das überhaupt nichts aus.

Nun folgte eine „Merkwürdigkeit“, die ich im Süden jetzt schon häufiger erlebt habe, in Norditalien aber noch nie: Man wird gefragt, ob man in der Bar oder im Restaurant essen möchte! Ok, das klingt noch nicht sehr merkwürdig, aber das ändert sich schnell, wenn man weiß, dass man am selben Tisch sitzen bleibt, egal, wofür man sich entscheidet! Bei „Restaurant“ wird prompt eine Tischdecke gebracht (wenn nicht schon eine da ist), und man erhält eine deutlich umfangreichere Speisekarte. Bei „Bar“ werden nur wenige Speisen angeboten, auf die Tischdecke muss dann verzichtet werden. Einige Speisen oder Snacks sind in beiden Menükarten enthalten, haben aber doch unterschiedliche Preise! Verrückt, diese „Römer“… 😉

Ich bekam eine Bruschetta als Appetizer, dann einen Insalata Caprese, Linguini in einer Art Thunfisch-Paste und einen Nachtisch, alles superlecker! Dazu gab’s eine Flasche Weißwein.

Nach dem Essen machte ich noch einen ausgedehnten Spaziergang und ein paar Fotos. Die jetzt zwar noch warme, aber belebende Abendluft tat mir richtig gut nach der langen Fahrerei heute.

Im Wohnmobil gab’s noch einen kleinen, aber wirkungsvollen „Absacker“, dann ging ich auch schon schlafen. Ich freute mich nun wahnsinnig auf die kommenden Tage, die mit einigen touristischen Highlights aufwarten können. Seid also gespannt… 😉

4 Kommentare zu “Willkommen bei Giovanni”

  1. Hallo Wolfgang,
    da hast du wirklich eine ordentliche Strecke zurückgelegt bis Vico Equense, wo wir ganz bestimmt von Neapel kommend auch durchgefahren sind Richtung Positano. Ich hatte damals wirklich die Befürchtung, spätestens nach dem dem 2.Tag, das ich den Opel Meriva nicht heil zum Flughafen zurückbringen werde. Tatsächlich hatten wir während unseres Urlaubs in dieser wunderschönen Gegend 2x höllisches Glück einem Unfall entkommen zu sein. Einmal wäre es, als ein Auto überholte, auf meine Seite entgegenkam und ich eine Vollbremsung hinlegte, echt schlimm geworden. Dass ich noch nicht einmal Kratzer abbekam bei meinen täglichen Touren grenzt an ein Wunder. Ich glaube mich zu erinnern, das wir nie ein Auto gesehen hatten ohne Beschädigung. Ich bin schon gespannt wie es weitergeht.
    LG Roland

    1. Ja, beim Fahren in einigen Regionen Italiens ist manchmal „Russisch Roulette“ angesagt, insbesondere dann, wenn man mit der „dicken“ Hannelore unterwegs ist! Um so schöner, dass mir in alle den Jahren noch nicht wirklich Schlimmes passiert ist… Danke für deinen Kommentar, Roland!

  2. Ich ahne, welch schöne Küstenabschnitte Du in den nächsten Tagen bereist hast. Ich bewundere Deine Nerven, bei den engen Straßen mit der „kräftigen“ Hannelore. Die Unterscheidung zwischen Restaurant und Bar kannte ich in diesem Sinner auch noch nicht. Hattest Du Dich für das Restaurant entschieden? Den Bildern und den Gerichten zufolge sieht es jedenfalls so aus. Schon witzig, was man da so alles erlebt und berichten kann.
    LG Anja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.