Da ich erst morgen Abend wieder zuhause sein wollte, standen mir nun fast zwei volle Tage für meine Rückreise zur Verfügung. Zeit genug also, mir am Vormittag noch schnell die Hafenstadt Vlissingen anzuschauen, die nur 8 km von Middelburg entfernt ist. Meine Radtour stand allerdings gleich von Beginn an unter einem schlechten Vorzeichen: Es war ziemlich kalt, windig und bedeckt, und man konnte fast darauf wetten, dass es demnächst wohl Regen geben würde…

Auf dem Hinweg fuhr ich auf einem sehr gut ausgebauten Radweg an einem auf diesem Abschnitt schnurgeraden Kanal entlang. Der 13 km lange Wasserweg durchquert die gesamte Halbinsel Walcheren und heißt daher auch (die Holländer sind ja pragmatisch!) Kanaal door Walcheren, also Kanal durch Walcheren! Er mündet im Süden in Vlissingen in die Westerschelde und im Norden bei Veere, das ich ja gestern besucht hatte, in das Veerse Meer.

Zu Beginn blieb es noch trocken, kurz vor Vlissingen fing es dann aber auch schon an zu regnen, teils sehr heftig sogar. Von da an musste ich immer wieder halten und schnell einen Unterschlupf suchen, um nicht vollends durchnässt zu werden. Aus diesen Grund hielt ich mich auch nicht so lange in der Stadt auf, wie ich eigentlich vorgehabt hatte. Entsprechend „finster“ sehen natürlich auch die nachfolgenden Fotos aus; den Regen sieht man ihnen zwar nicht unbedingt immer an, aber „schön“ ist doch ’was anderes!

Keine Ahnung, ob ich diese Einkaufspassage überhaupt mit dem Fahrrad durchqueren durfte (schiebend, natürlich), aber ich hab’s trotzdem getan; hier war es nämlich trocken… 😉

Die Grote of Sint Jacobskerk (deutsch Große oder Sankt-Jakobs-Kirche) ist die evangelische Hauptpfarrkirche zu Vlissingen.

Die attraktivsten Plätze der Stadt sind bei einem derartigen „Sauwetter“ natürlich wie leergefegt…

Sicher wird man bei der Beurteilung einer Stadt immer etwas durch das Wetter beeinflusst, aber eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass mir diese Stadt auch bei bestem Sonnenschein nicht so gut gefallen hätte, wie die meisten anderen, die ich auf dieser Reise bereits besucht hatte. Lediglich den Stadtstrand sowie die lange Seepromenade fand ich einigermaßen sehenswert.

Nachdem ich mich etwa eine Stunde in der Stadt aufgehalten hatte, entschied ich, den Rückweg anzutreten. Eine Besserung des Wetters war nicht zu erwarten, und ich mein Regencape, vor allem die übergroße Kapuze, ging mir so langsam auf die Nerven; sie störte beim Fahren und nahm mir die Sicht zu den Seiten! Also ging es zurück zum Wohnmobil; schon kurz nach einem schnellen Mittagessen war ich dann auch schon abfahrbereit.

Wie ja schon angedeutet, hatte ich noch eine letzte Übernachtung vor mir. Ich entschied mich aus verschiedenen Gründen für die Hansestadt Zwolle!

Zum einen passte es mit den Entfernungen ganz gut: Von Middelburg aus hatte ich nur etwa 250 km zu fahren, die restliche Strecke von knapp 400 km nach Pinneberg war morgen ohne Probleme zu bewältigen. Zum anderen bin ich inzwischen schon sehr häufig an entsprechenden Hinweisschildern auf der Autobahn A28, die direkt durch die Stadt führt, vorbeigefahren und neugierig auf diesen Ort geworden! Außerdem reimt sich der Name der Stadt doch super auf meinen Spitznamen, wie der Titel des heutigen Beitrags zweifelsfrei beweist… 😉

Laut Stellplatz-App sollte es direkt am Rand des Stadtzentrum einen kostengünstigen Parkplatz geben; den fand ich auch sehr schnell und zahlte die Tagesgebühr von 6 Euro an einem Automaten. Außer meinem war lediglich ein weiteres Wohnmobil vor Ort. Ich hatte nun noch jede Menge Zeit, mir die Stadt in Ruhe anzuschauen! Dieses Mal war ich zu Fuß unterwegs, und ich freute mich über das hier um Klassen bessere Wetter als in Vlissingen!

Zwolle ist eine sehr moderne Stadt, besitzt aber dennoch ein kompaktes, mittelalterliches Zentrum, das von einer sternförmigen Gracht umgeben ist.

Das Diezerpoort war ein ehemaliges, zur Stadtmauer gehörendes Stadttor, das 1829 abgerissen wurde. Wo es einst stand, am Ende der heutigen Diezerstraat, sind heute nur noch Konturen im Straßenbelag zu sehen.

Zwolle besitzt eine interessante Altstadt; durch die vielen verwinkelten Straßen und Gassen, in denen jetzt zum Feierabend hin sehr reger Betrieb herrschte, kam sie mir irgendwie größer vor, als sie eigentlich ist.

In den Einkaufsstraßen findet man jede Menge Geschäfte für Geschenke, Einrichtungsgegenstände, Kleidung, Süßigkeiten und Spezialitäten aus Zwolle. Eine Besonderheit ist der Buchladen Waanders in de Broeren, der sich in einer ehemaligen Kirche eingenistet hat.

Der Grote Markt ist der zentrale Platz in der Altstadt, er liegt direkt neben der Sint-Michaëlskerk, auch Grote Kerk genannt, einer protestantischen Kirche.

Dieser imposante Turm, ein Wahrzeichen der Stadt, gehört zur Liebfrauenbasilika (holländisch Basiliek van Onze-Lieve-Vrouw-ten-Hemelopneming), die im 14. bzw. 15. Jahrhundert erbaut wurde. Er ist 75 m hoch; wegen seiner eigenwilligen Spitze nennt man ihn hier Peperbus, also Pfefferstreuer.

Nach einem etwa 3 km langen Rundgang in der schönen Altstadt machte ich mich auf den Rückweg zum Parkplatz und zum Wohnmobil, wo ich am Abend noch so einige Dinge zu erledigen hatte. Später, am letzten „Kinoabend“ dieser Reise, sah ich mir A Million Ways to Die in the West an, eine unterhaltsame und stellenweise sehr lustige Filmkomödie mit Charlize Theron, Amanda Seyfried, Seth MacFarlane, Jamie Foxx und Liam Neeson in den Hauptrollen.

Morgen geht es leider endgültig wieder zurück in die Heimat! Erstaunlich, wie schnell knapp zwei Wochen vorbeiziehen können, erst recht, wenn es Tag für Tag neue und spannende Dinge zu entdecken gibt… 😉

2 thoughts on “Wolle in Zwolle”

  1. Hallo Wolfgang,
    deinen regnerischen Besuch in Vlissingen konntest du aber doch mit interessanten Fotos aus dem Ort veredeln. Die Bilder suggerieren jedenfalls einen Ort der gar nicht mal so unansehnlich sein kann. Vielleicht war es doch das schlechte Wetter das deinen Eindruck trübte ? Zwolle macht dann aber, auch wenn man das schönere Wetter nicht zur Bewertung heranzieht, einen besseren Eindruck.
    VG Roland

    1. Sehe ich ganz genauso, Roland! Zwolle liegt zwar nicht am Meer, ist aber dennoch die deutlich interessantere Stadt von beiden und mit etwa 130.000 Einwohnern auch viermal so groß wie Vlissingen! Danke für deinen Beitrag!

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