Ich bin den zweiten Tag in Quedlinburg und habe mir heute bei bestem Wetter die gesamte Altstadt inklusive Schloss etwas näher angeschaut. Im Gegensatz zu gestern war ich heute zu Fuß unterwegs.

Ich „trauerte“ immer noch dem direkt neben der Altstadt liegenden Wohnmobilstellplatz Marschlinger Hof hinterher, für den ich ja sogar ein auch noch heute gültiges Parkticket besaß (siehe Tagesbericht von gestern). Daher nahm ich nach dem Frühstück einen erneuten Anlauf, um dort einen Platz zu ergattern. Ich fuhr das kurze Stück zum Stellplatz, musste allerdings wieder zur Kenntnis nehmen, dass alle sechs Plätze belegt waren. Heute war ich, anders als gestern, aber zu einem günstigeren Zeitpunkt vor Ort! Ich stellte mich also zunächst ’mal auf die andere Seite, dorthin, wo eigentlich nur Busse stehen durften, und wartete auf dem Fahrersitz, mit den Schlüssel im Lenkradschloss, darauf, dass jemand seine Parzelle räumte. Schon nach kurzer Zeit tat sich dann auch etwas: Jemand rollte sein Stromkabel ein, verstaute zwei Fahrräder und verließ schon kurz danach den Parkplatz! Sofort war ich zur Stelle, wechselte über zur freien Parzelle und schloss auch gleich den Landstrom an. Das hatte schon ’mal prima geklappt, heute ist ja schließlich ein anderer Tag als gestern… 😉

Gegen 10 Uhr ging ich direkt in die Altstadt, nur ein paar Schritte vom Parkplatz entfernt. Als Erstes fiel mir der 42 m hohe Lindenbeinturm ins Auge, auch Hoher Turm oder Sternkiekerturm genannt. Der ehemalige Wehrturm gehört zur denkmalgeschützten Stadtbefestigung von Quedlinburg und ist heute der höchste Aussichtsturm der Stadt.

Von dort bis zum Markplatz waren es nur wenige Schritte, aber die reichten völlig aus, um mich von dem zu überzeugen, das ich vorher schon häufig gelesen hatte: Quedlinburg ist tatsächlich eine der schönsten Städte am Harzrand und steht Goslar und Wernigerode in nichts nach; im Gegenteil!

Auf dem noch etwas im Schatten liegenden Markplatz war noch recht wenig los, aber das würde sich im Lauf des Tages sicher ändern.

Quedlinburg wurde 922 urkundlich zum ersten Mal erwähnt und 994 mit dem Stadtrecht versehen. Die Altstadt gehört, zusammen mit dem Schloss und der Stiftskirche (siehe weiter unten), seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe und macht den Ort zu einem der größten Flächendenkmale Deutschlands.

In der Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Straßen, verwinkelten Gassen und kleinen Plätzen findet man über 2100 Fachwerkhäuser aus mehreren Jahrhunderten.

Das unter Denkmalschutz stehende zweigeschossige gotische Rathaus ist eines der ältesten in Mitteldeutschland und geht bis auf den Anfang des 14. Jahrhunderts zurück. Die erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1310 überliefert. Der Quedlinburger Roland (auf dem Foto unten links) ist eine 2,75 m hohe Rolandstatue aus Buntsandstein. Mit seiner Größe ist er der zweitkleinste und neben den Rolanden von Bremen und Halberstadt eine der ältesten erhaltenen Rolandfiguren.

Nachdem ich mich im Zentrum der Altstadt gründlich umgesehen hatte, wanderte ich weiter in Richtung Schlossberg. Auf dem Weg dorthin ging es teils über größere Plätze, teils aber auch durch enge und verträumte Gässchen langsam, aber stetig bergauf…

Von einer sehr geräumigen, parkähnlichen Fläche auf dem Schlossberg wird man zuerst einmal von der einzigartigen Aussicht auf die Stadt überwältigt! Hier kann man wirklich lange verweilen und vor allem tolle Fotos einheimsen…

Das Gebäude rechts beherbergt den Schlosskrug, den ich eigentlich für mein Mittagessen „auserkoren“ hatte; leider war der gerade geschlossen, und ich musste meinen Magen, der sich inzwischen mehrfach gemeldet hatte, weiterhin ignorieren.

Stattdessen besichtigte ich die Stiftskirche Sankt Servatius, in der sich auch der Quedlinburger Domschatz befindet. In der Kirche durfte man fotografieren, leider war sie aber auch von innen komplett eingerüstet; ein einziges Foto reichte mir dafür! In der Krypta und in den Schatzkammern dagegen herrschte Fotografierverbot, woran ich mich natürlich auch hielt. Besonders spannend fand ich die Ausstellung allerdings sowieso nicht, muss ich gestehen! Vielleicht hatte ich wegen meines Hungergefühls aber auch einfach nicht genug Geduld, mir die erklärenden Texte zu den vielen Exponaten in Ruhe durchzulesen… 😉

Ich verließ den Schlossberg später wieder auf einem etwas anderen Weg und steuerte dann mein nächstes Ziel an…

Diesen Hund könnte man um seinen hervorragenden Aussichtsplatz direkt beneiden; hat sich sogar ein Stuhlkissen unterlegt, der Genießer… 😉

Die Erhebung auf dem nächsten Foto heißt Münzenberg. Auf ihr befinden sich ca. 65 meist zweistöckige Fachwerkhäuser. Über steile Treppen ging es hinauf, und oben wurde ich wieder mit einer tollen Sicht über die Stadt belohnt!

Später ging es wieder „nach unten“ und in Richtung Wohnmobilstellplatz. Das Foto zeigt das Schlosshotel Zum Marktgrafen, eine prächtige Villa im neogotischen Stil, die der Industrielle Georg Lindenbein 1898 auf dem 12.000 qm großen Parkgelände erbauen ließ.

Im Wohnmobil machte ich mich etwas frisch und überlegte, was ich gegen (bzw. für) meinen jetzt doch etwas rebellisch gewordenen Magen tun konnte! Gegen 13 Uhr zog es mich daher wieder auf dem Marktplatz, wo ich mir ein Straßencafé aussuchte. Ich bestellte von der kleinen Speisekarte etwas „nach Jägerschitzel-Art“, was mit einem Schnitzel allerdings nichts zu tun hatte, sondern sich als panierte Scheibe Jagdwurst entpuppte. Dazu gab es ein Spiegelei, Bratkartoffeln und etwas „Grünzeug“. Das schmeckte überraschend gut, war (für mich) reichlich, und zusammen mit einem großen Bier und etwas Trinkgeld zahlte ich genau 14 Euro, ganz ok, fand ich!

Nach dem Essen blieb ich noch eine ganze Weile hier sitzen und schaute dem geschäftigen Treiben auf dem Marktplatz zu. Die meisten Menschen, die hier an mir vorbeiliefen, waren meiner Ansicht nach Besucher. Danach sah ich mir noch den sogenannten Schuhhof an und besuchte ein Souvenirgeschäft, in dem es von Brocken-Hexen aller Art nur so wimmelte! Eigentlich wollte ich so etwas als Souvenir mitbringen, aber keine gefiel mir so richtig, also ließ ich es sein. Später ging es erneut zurück zum Wohnmobil, wo ich eine längere Pause einlegte.

Auch nach der Kaffeepause war das Wetter immer noch perfekt, daher entschloss ich mich gegen 16 Uhr noch zu einer kleinen, ca. 11 km langen Radtour, um die nordwestliche Umgebung der Stadt ein wenig kennenzulernen.

Ich war etwas überrascht, hier in der Gegend sogar Weinberge anzutreffen (wenngleich von „Bergen“ hier eigentlich keine Rede sein kann…).

Schon wieder auf dem Rückweg, sah ich von Quedlinburg als erstes die Stiftskirche mit ihren beiden markanten Türmen. Da hier weit und breit „Natur pur“ angesagt war und jetzt eben nur die Gebäude auf dem Schlossberg zu sehen waren, fühlte ich mich fast ins Mittelalter versetzt: So oder ähnlich muss es wohl vor vielen Jahrhunderten ausgesehen haben, wenn man sich als Reisender aus dieser Richtung der Stadt näherte…

Wieder im Ort angekommen, suchte ich noch schnell einen Supermarkt auf, danach kehrte ich schließlich zum Wohnmobil zurück. Während der üblichen „Büroarbeiten“ musste eine Dose Bier ihr Leben lassen, und später, nach dem Abendessen, sah ich mir dann zwei weitere Folgen der Netflix-Serie The Americans auf meinem Tablet an, bevor ich dann endgültig schlafen ging.

2 Kommentare zu “Wunderschönes Quedlinburg”

  1. Sehr lustig! Das panierte Jagdwurstschnitzel hatte ich dort im selben Lokal im Juli diesen Jahres auch 😃
    Mal was anderes, lecker und ein guter Preis.
    Und auch der Rest von Quedlinburg hat mir genauso gut gefallen wie Dir!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.