Ich hatte einen Traum! Einen megaspannenden Action-Kracher, dessen Schluss ich auf keinen Fall verpassen wollte! Ein langsam lauter werdendes Geräusch baute ich blitzschnell in die Handlung ein, aber dann dachte ich… oder besser, träumte ich… dass dieses inzwischen nervtötende „Gepiepse“ doch sehr verdächtig nach meinem Wecker klang! Kaum kam mir diese Erkenntnis, war ich auch schon wach, und mein Abenteuer zerplatzte wie eine zu große Seifenblase! So ein Mist! Ich hoffe sehr, morgen früh gibt’s die nächste Folge, aber unbedingt mit einem „Was bisher geschah“-Vorspann… 😉

Ich habe trotz der „Affenhitze“ und der hier auf dem Campingplatz noch hörbaren Autobahn- und Zuggeräusche sehr gut geschlafen und ging, nachdem mein „Abenteuertraum“ so gnadenlos abgebrochen wurde, zuerst ’mal zum Duschen. In dem großen Gebäude war ich völlig allein, kein Mensch weit und breit zu sehen. Ich hätte sämtliche 10, 12 Duschen anstellen und johlend von Wasserstrahl zu Wasserstrahl hüpfen könnten, wenn ich gewollte hätte! Oh Mann, ich träumte anscheinend immer noch…

Nach dem Frühstück freute ich mich auf meine Radtour nach Taormina, einem der wohl schönsten und beliebtesten Orte auf Sizilien. Dafür stand mir heute der gesamte Tag zur Verfügung, deshalb ließ ich mir jede Menge Zeit für die Hinfahrt. Mein Campingplatz Camping Paradise liegt etwas nördlich des kleinen Ortes Letojanni, während Taormina weiter in Richtung Süden gelegen ist. Zunächst ging es auf der Zufahrt zum Campingplatz etwas bergauf bis zur SS114; dort oben angekommen, erwarteten mich bereits die ersten schönen Aussichten!

Im Hintergrund des folgenden Fotos sieht man bereits mein Tagesziel; der Ort liegt zum Teil fast auf Meereshöhe, größtenteils aber hoch oben in den Hügeln und Bergausläufern. Im Vordergrund ist Letojanni zu sehen; um dort hindurchfahren zu können, musste ich ein paar Minuten später gleich wieder einen kleinen Abstecher von der gerade erst „erklommenen“ Landstraße machen.

Am Abzweig hat man freundlicherweise ’ne Menge „Lesestoff“ für Radfahrer oder Fußgänger zur Verfügung gestellt; als Autofahrer wird man allerdings wohl ziemliche Mühe haben, die vier oder fünf echten Verkehrszeichen auf die Schnelle in diesem Schilderwald zu entdecken…

Nach der Durchfahrt durch Letojanni, einem offenbar ebenfalls recht hübschen Ferienort, benötigte ich nur etwa weitere 20 Minuten, um die Ausläufer von Taormina zu erreichen. Das erste Highlight dieses Ortes hatte es mir sofort angetan, die äußerst hübsche „Baby-Insel“ Isola Bella und deren Traumlage unmittelbar vor der Küste. Ich versichere euch, diesen Namen trägt sie zu Recht!

Ich habe auf meinen Reisen schon so einige besonders attraktive „Inselchen“ kennenlernen dürfen, so zum Beispiel Spirit Island im Lake Maligne in Kanada oder auch die wunderschöne Koralleninsel Heart Reef im Great Barrier Reef vor Australien. Die Schöne Insel, die ich allerdings nur von schräg oben gesehen habe, hat mich heute mindestens ebenso beeindruckt! Sie ist nur durch eine kleine Sandbank mit dem Strand von Mazzarò verbunden und hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Der Name der Insel geht auf Wilhelm von Gloeden zurück, der Taormina Ende des 19. Jahrhunderts besuchte und den Ort durch seine Fotografien weltweit bekannt machte.

Nun ging es immer stetig bergauf, der Hauptort selbst liegt etwa 200 m über dem Meeresspiegel. Ich glaube, ich bin jeweils kaum mehr als eine Minute am Stück gefahren, denn ich musste(!) immer wieder anhalten, um die Aussicht zu bestaunen und Fotos zu machen!

Ein Blick nach Norden, also nach dort, von wo ich hergekommen war, offenbart die traumhaft schöne Küste sowie Letojanni mit seinem breiten Strand. Hoch über dem Ort verläuft die von Messina kommende und nach Catania führende Autobahn A18.

Nun hatte ich endlich den Ortskern erreicht, oder besser, erklettert! Ein Blick zurück zeigt die Straße, auf der ich gerade angekommen war.

Ich suchte nun nach einer Gelegenheit, mein Fahrrad abzustellen und fand schon kurze Zeit später einen geeigneten Platz in einer kleinen Grünanlage. Danach betrat ich die Altstadt über das nördliche der beiden erhaltenen Stadttore, die Porta Messina, und spazierte dann in aller Ruhe auf dem Corso Umberto. Die etwa einen Kilometer lange Fußgängerzone, die mit der Porta Catania im Süden endet, wird während der Sommermonate vorwiegend von Touristen bevölkert, da sich hier neben diversen Souvenirläden, Restaurants und Cafés auch viele der historischen Kirchen und Paläste befinden.

Gleich zu Beginn meines Spaziergangs fand ich einen kleinen Laden für Sommerbekleidung und nahm sofort die Gelegenheit wahr, dort nach kurzen Shorts zu schauen. Seit meine „Lieblingshose“ mich vor zwei Tagen ja leider verlassen hatte, trug ja notgedrungen eine normale lange Jeanshose, die natürlich viel zu warm für die hier herrschenden Temperaturen war. Dieses Mal fand ich, im Gegensatz zum ersten Versuch in Messina, sofort etwas Passendes für wenig Geld. Weil ich mich noch in der Nähe meines Fahrrads befand, lief ich schnell noch ’mal zurück, um die neue Hose in einer der beiden Packtaschen zu verstauen; so musste ich sie nicht während des gesamten Aufenthalts in der Altstadt mit mir herumtragen.

Etwa in der Mitte des Fußgängerzone liegt die Piazza IX. Aprile, ein großer, zum Meer hin offener Platz, der mir außerordentlich gut gefiel! Die Aussicht von dort aus war einfach überwältigend! Und zum allerersten Mal in meinem Leben sah ich nun endlich auch den Ätna, den höchsten aktiven Vulkan Europas!

Hier steht außer der Kirche San Agostino (Bildmitte) ein weiteres Wahrzeichen Taorminas, der Torre dell’Orologio (links). Der Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert und diente als Durchgangstor in die Vorstadt. Bei einer Restaurierung im 17. Jahrhundert wurde eine große Uhr angebracht, die dem Turm seinen Namen gab.

Die älteste Bar in Taormina, 1870 als Gasthaus gegründet, ist das Caffé Wunderbar, heute eine beliebte Bar.

Nach einiger Zeit und nach unendlich vielen weiteren Fotos erreichte ich schließlich das andere der beiden bereits erwähnten Stadttore, die Porta Catania di Taormina.

Direkt dahinter befand sich ein kleines Straßencafé, das ich sehr einladend fand; ich beschloss, hier eine kleine Mittagspause einzulegen. Ich hatte zwar keinen großen Hunger, aber ein kleiner Snack geht ja immer! Ich bestellte einen Insalata Caprese, dazu ein großes Bier.

Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt wollte ich mir natürlich auch noch anschauen, das antike Theater mit freiem Blick auf den Ätna und den Golf von Giardini-Naxos. Dazu musste ich zunächst wieder ein ganzes Stück zurück laufen, danach ging es nach rechts auf die Via del Teatro Greco, wo sich gefühlt noch viel mehr Souvenirläden „tummelten“ als auf der zentralen Fußgängerstraße. 

In diesem Schaufenster sah ich jetzt auch zum ersten Mal eine Leckerei, von der ich im Vorfeld bereits häufiger gelesen hatte; die sollte man unbedingt probieren, wenn man schon ’mal auf Sizilien ist: Cannoli di Sicilia. Das Gebäck besteht aus einer frittierten Teigrolle mit einer süßen, cremigen Füllung, die Ricotta, Vanille, Kakao, Schokoladenstückchen oder kandierte Früchte enthalten kann. Das italienische Wort cannolo heißt wörtlich übersetzt kleines Rohr und bezieht sich aber nicht auf die Teigstücke, sondern auf das Rohr, um das sie zum Frittieren gewickelt werden.

Für den Moment hatte ich darauf allerdings keinen Appetit, aber diese Gelegenheit wird sich in den nächsten Tagen mit Sicherheit noch häufiger bieten.

Schon nach ein paar Minuten verlässt man den Ortskern, und es geht stetig bergauf. Jetzt konnte ich endlich einen völlig ungehinderten Blick auf den Ätna genießen, der gerade fleißig mit der Produktion von Schönwetterwolken beschäftigt war.

Das Antike Theater von Taormina ist nach dem von Syrakus das zweitgrößte auf Sizilien! Auch wenn es oft als Teatro Greco bezeichnet wird, ist es doch ein römischer Bau, der im 2. Jahrhundert v. Chr. über einem kleineren, von den Griechen im 3. Jahrhundert v. Chr. erbauten Theater errichtet wurde. Während es ursprünglich zur Aufführung von Schauspielen diente, fanden nach einem Umbau dort nur noch Gladiatoren- und Tierkämpfe statt.

Nach dem Besuch des Theaters wurde es langsam Zeit, an den Rückweg zu denken. Ich lief also zunächst wieder hinunter in die Stadt, gönnte mir unterwegs noch ein leckeres Eis, kaufte mir ein neues Baseball Cap und ging danach zum Fahrrad, das erfreulicherweise immer noch dort stand, wo ich es abgestellt hatte! Auch die neue Hose war in der Zwischenzeit nicht geklaut worden, sehr freundlich… 😉

Der Rückweg hinunter zur Uferstraße gestaltete sich nun leider nicht ganz so, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte! Für den Hinweg nach Taormina hatte es zwei Möglichkeiten für mich gegeben, ein kürzerer, aber extrem steiler Aufstieg sowie eine etwas gemäßigtere Strecke mit weniger anstrengenden Steigungen, dafür aber ein paar Kilometer länger. Für den Hinweg hatte ich mich natürlich für die zweite Variante entschieden. Die erste wollte ich auf dem Rückweg nehmen, denn bergab sollte dies ja wohl keine Probleme bereiten, vorausgesetzt, man kann sich wirklich auf die Bremsen verlassen!

Das klappte auch soweit ganz gut. Als ich schon fast wieder auf Meereshöhe war, erwartete mich aber eine böse Überraschung: Ich stand ganz plötzlich vor einem massiven Eisengitter, dort ging es auf keinen Fall weiter! Rechts führten zwar Treppen bis nach ganz unten, die waren aber extrem baufällig und steil; keine Chance, dort mit dem 30 kg schweren Fahrrad unter dem Arm lebend hinunterzukommen! In meiner Komoot-App war von einem Tor nichts zu sehen, allerdings kann ich natürlich auch nicht erwarten, dass das Kartenmaterial, das solchen Programmen zugrunde liegt, zu jedem beliebigen Zeltpunkt aktuell sein muss! UPDATE: Inzwischen wurden die Karten offenbar aktualisiert, denn jetzt ist das Tor tatsächlich zu sehen, und ich hätte diese Abfahrt mit Sicherheit nicht so geplant!

Ich brauchte eine ganze Weile, bevor mir die ganze Tragweite dieses Malheurs bewusst wurde: Ich musste nicht nur einen riesigen Umweg fahren und die weitere Strecke nehmen, die ich auch schon auf dem Hinweg genutzt hatte, sondern nun war natürlich auch die extrem steile Auffahrt zu bewältigen, die ich ja eigentlich vermeiden wollte! Leider gab es keine für mich in Frage kommende Abkürzung, ich musste notgedrungen wieder ganz zurück und hinauf in die Stadt. Das war extrem anstrengend, denn ich musste mein Rad fast immer schieben (bzw. ziehen), und das auf einer schattenlosen Straße und bei 34 Grad Celsius!!!

Schließlich war aber auch irgendwann das geschafft, und ich freute mich nun auf eine viel entspanntere Abfahrt, auf der ich natürlich wieder so einige Gelegenheiten wahrnahm, um zu fotografieren.

Die oben bereits beschriebene Isola Bella musste ich natürlich auch noch ’mal ablichten, nun allerdings in einem ganz anderen Licht.

In Letojanni nahm ich dieses Mal die direkt am Strand entlang führende Straße; hier bestätigte sich, was ich am Morgen schon vermutet hatte: Dieser Ort ist ebenfalls sehr hübsch und lädt zu einem Besuch seines attraktiven, breiten Strands ein.

Am Wohnmobil angekommen, gab’s zunächst ’mal eine leicht verspätete Kaffeepause, danach verbrachte ich den Rest des Tages unter der Markise. Jetzt, um 21 Uhr, trinke ich mein zweites Glas Wein und schreibe ich an meinem üblichen Notizen. Es ist bereits dunkel, und ich musste notgedrungen mein „Mückenparfum“ aufgelegen!

Und ab morgen darf ich endlich wieder eine kurze Hose tragen! Die alte wegzuwerfen, fiel mir irgendwie schwer; ich glaube sogar, die hatte ich schon während meiner Westaustralienreise 2008 dabei… 😉

8 Kommentare zu “Wunderschönes Taormina”

  1. Welch eine wunderschöne Stadt, die mir von meinem Besuch 2007 auch in toller Erinnerung geblieben ist. Allerdings waren Mann und Kinder damals nicht ganz so willig, längere Zeit dort zu verweilen, da es extrem voll und extrem heiß war.
    Dein Malheur mit dem Rückweg war natürlich bitter. Da ist man erstmal bedient. Gut, dass Du und Dein Fahrrad es aber so gut überstanden habt.

    1. Solche Dinge mit dem Rad kommen natürlich immer wieder ’mal vor, vor allem, wenn man sich in bergigen Gegenden aufhält! Da lobe ich mir Holland oder Dänemark… 😉 Vielen Dank für deinen Beitrag, Anja.

  2. Hallo Wolfgang,
    deine Einleitung zu diesem Blog hast du mal wieder sehr schön geschrieben. Ich glaube bei dir ist ein Schriftsteller verloren gegangen 😉 Solch ein Schilderwald gehört verboten, aber das ist den Sizilianern wohl schnuppe. Isola Bella ist wirklich bella-missimo. Taormina ist wirklich ein sehr schönes Fleckchen, was deine Fotos beweisen. Schreiben will ich dir jetzt noch, das ich noch eine kurze Hose habe, welche ich 1992 in Moab gekauft hatte. Sie ist wirklich unverwüstlich. Nur ein Gummizug brauchte sie einmal und ein kleines Loch in der Hosentasche wurde repariert. Ich liebe das grüne „Ding“!
    LG Roland

    1. Ja, schon echt eigenartig, wie sehr man an seinen Klamotten hängen kann! In eine 30 Jahre alte Hose würde ICH allerdings wohl nicht mehr reinpassen, aus irgendeinem Grund werden die Dinger im Lauf der Zeit immer enger… ;-))) Danke für deinen Beitrag!

      1. Ja, enger ist es auch schon 😏 und diesen Sommer habe ich es vermieden sie anzuziehen. Hoffnung auf „Besserung“ besteht schon noch 🆘

  3. Ich glaube, das Cafe Wunderbar und diese Treppe davor, habe ich schon in einer Folge „Hochzeitsreise ins Glück“ gesehen. Oder war es im „Traumschiff“? So tolle Fotos, Wolfgang! Ich bin neidisch! 🙂 LG Andrea

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