Mit etwas mehr als 90 km war meine heutige Tagesetappe mit deutlichem Abstand die längste während meiner aktuellen Wohnmobilreise auf den dänischen Inseln Lolland, Falster und Møn. Meine Tour neigt sich inzwischen leider ihrem Ende zu, drei Tage bleiben mir allerdings noch, bevor es mit der Fähre wieder zurück nach Deutschland geht. Zeit genug also, um auch noch den südöstlichen Teil von Lolland zu erkunden, den ich zu Beginn meiner Reise ja noch nicht besucht hatte. Heutiges Ziel war Nysted, eine der ältesten und am besten erhaltenen Kleinstädte Dänemarks. Sie liegt am Ende einer kleinen Bucht, dem Nysted Nor.
Etwas weiter südlich, direkt am Eingang der Bucht, liegt Nysted Strand Camping. Der mit dem EU-Ökolabel ausgezeichnete Campingplatz liegt recht idyllisch eingebettet in einen lichten Buchenwald und an einem besonders kinderfreundlichen Ostsee-Sandstrand. Neben windgeschützten Stellplätzen bietet die Anlage auch gemütliche Miet-Hütten und viele Freizeitmöglichkeiten wie Minigolf und einen Fahrradverleih für Ausflüge in die Umgebung.

Ich checkte gleich für zwei Nächte ein, da ich im Vorfeld für diese Region auch zwei verschiedene Fahrradtouren ausgearbeitet hatte. Da der Platz fast ausgebucht war und ich heute durch die größere Distanz viel später als üblich eintraf, musste ich mit einem Stellplatz längs einer kleinen Sackgasse Vorlieb nehmen. Zwar war der etwas schräg und ich musste die Auffahrkeile einsetzen, aber ansonsten war alles in Ordnung! Wegen der schon vorgerückten Zeit verschob ich meine Radtour auf den Nachmittag und gönnte mir zunächst ’mal eine lange und entspannte Mittagspause, in der ich mich unter anderem auch ein wenig auf dem Campingplatz umschaute.
Gegen 13 Uhr ging es dann aber los, wieder bei perfektem Wetter! Mein erster Weg führte mich sofort ans Wasser und an den erwähnten Strand…



Danach fuhr ich am Ostufer der Bucht entlang. Hier boten sich mir bereits herrliche Blicke auf den Nysted…



…sowie auf das gegenüberliegende Schloss Aalholm; dazu später mehr.


Nachdem ich Nysted erreicht hatte, schaute ich mich zunächst im Hafen um, dann später im Ort selbst.


Die snörkeligen Gassen mit ihren bunten, teils windschiefen Fachwerkhäusern versprühen puren skandinavischen Nostalgie-Charme.


Die im gotischen Stil aus roten Backsteinen errichtete Nysted kirke stammt aus der Zeit um 1300 und thront unübersehbar auf einer Anhöhe mit Blick über die Stadt und den Hafen. Ein besonders markantes Merkmal des Sakralbaus ist der markante, heute kupfergedeckte Turmhelm aus dem 17. Jahrhundert, der weithin als maritimes Wahrzeichen der Region sichtbar ist. Im hellen Innenraum beherbergt die Kirche wertvolle historische Schätze, darunter ein gotisches Kruzifix aus dem späten 14. Jahrhundert sowie einen prachtvoll geschnitzten Barockaltar von 1693.


Das ehemalige Rathaus von Nysted wurde im Jahr 1824 erbaut und besticht durch seine klassizistische, gelbe Fassade, die sich harmonisch in das historische Stadtbild der Hauptstraße Adelgade einfügt. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und gilt als eines der charmantesten architektonischen Schmuckstücke im Zentrum der alten Kleinstadt.

Durch seine leuchtende Farbe und die exponierte Lage auf einer kleinen Anhöhe ist der alte Wasserturm zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen und einem beliebten Orientierungspunkt geworden, der Besucher schon von Weitem grüßt, wenn sie sich Nysted von der Landseite her nähern.

Nun kehrte ich zum Hafen zurück und gönnte mir während einer kleinen Pause ein typisch dänisches „Monster-Eis“. Leider beging ich den Fehler, eine Waffel zu wählen statt eines Bechers: Ich hatte kaum die Hälfte gegessen, da war die Waffel aufgrund der draußen herrschenden Hitze derart durchgeweicht, dass mir das Eis gnadenlos über die Finger lief. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Rest zu entsorgen! Andererseits wäre mir, wenn ich alles hätte verzehren können, bei der riesigen Menge an Eis, Sahne und Schokokuss bestimmt schlecht geworden… 😉

Später verließ ich den Ort und fuhr über einen kleinen Damm zur nordwestlichen Seite der Bucht, dem bereits erwähnten Schloss entgegen.





Das am Ufer der Bucht gelegene Schloss Aalholm zählt zu den ältesten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Festungen in Dänemark. Seine Ursprünge reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück, als die Anlage zum Schutz der Region errichtet wurde. Mit seinen roten Backsteinmauern, den markanten Türmen und dem umliegenden Wassergraben bietet das Gebäude ein wahrhaft märchenhaftes Fotomotiv. Obwohl sich das Schloss heute in Privatbesitz befindet und von innen nicht besichtigt werden kann, steht das weitläufige Gelände Besuchern offen. Der historische Schlosspark und die angrenzenden Wälder laden zu entspannten Spaziergängen mit wunderschönen Ausblicken auf die ruhige Ostseebucht ein.


Das markante gelbe Fachwerk-Langhaus diente früher als Unterkunft für das Dienstpersonal und die Hofangestellten des Schlosses. Hier lebten die Menschen, die für die alltägliche Bewirtschaftung, die Pflege der Parkanlagen und den Betrieb des herrschaftlichen Gutes zuständig waren. Nach einer umfassenden Sanierung wird das Gebäude heute als exklusive Ferienunterkunft genutzt. Es gibt mehrere moderne, stilvolle Ferienapartments mit direktem Blick auf das Schloss und den angrenzenden See.

Über den Damm fuhr ich wieder zurück und wandte mich im Ortseingang dann nach Norden, um meine große geplante Runde abzufahren. Die im 13. Jahrhundert erbaute Kirche in Kettinge ist eine beeindruckende mittelalterliche Langhauskirche, die im frühen 14. Jahrhundert durch gotische Umbauten fast auf die doppelte Größe erweitert wurde. Das absolute Highlight im Inneren sind die sechs spitzbögigen Gewölbe, die über und über mit faszinierenden Kalkmalereien im Stil des berühmten Elmelunde-Meisters verziert sind. Zu den wertvollen historischen Schätzen des Sakralbaus gehören außerdem ein romanischer Granit-Taufstein aus der Erbauungszeit sowie die reich verzierten Holzschnitzereien von Altar und Kanzel aus dem Jahr 1612.

Ich passierte zunächst überwiegend ländliches Gebiet und fuhr über weite Ebenden. Immer wieder boten sich mir herrliche Fotomotive, die bei diesem schönen Wetter natürlich bestens zur Geltung kamen.

Den Strohballen hier geht’s offenbar ähnlich wie uns Menschen: Hin und wieder braucht man halt jemanden, an den man sich anlehnen kann… 😉

Der Bække skov ist ein idyllisches Waldgebiet im Osten Lollands, dessen Name übersetzt Wald an den Bächen bedeutet. Zusammen mit den angrenzenden Wäldern wie dem Frejlev skov bildet er eine naturbelassene Kulisse nahe der Küste des Guldborgsunds, die sich wunderbar für ruhige Spaziergänge abseits der bekannten Pfade eignet.



Später erreichte ich im Süden wieder die herrliche Ostseeküste und hatte jetzt nur noch ein paar wenige Kilometer nach Westen zu fahren, um meine heutige Tour abzuschließen. Der warme Wind sowie die absolute Einsamkeit diese Passage schufen eine eigenartige Atmosphäre…







Um 17:15 war ich zurück auf dem Campingplatz, wo im Laufe des Abends eine Flasche Rosé ihr Leben lassen musste! Von meinem WoMo aus hatte ich einen hervorragenden Blick auf die schon mehrfach erwähnte Bucht und konnte dadurch sogar noch dieses Foto eines alten Seglers „ergattern“.

Nach einem kurzen Chat mit meiner Schwägerin, ein paar „Büroarbeiten“ und dem nachfolgenden Abendessen verbrachte ich den restlichen Tag bei einem Hörbuch. Ein weiterer, toller Tag ging zu Ende…
