Eine Stunde, bevor der Wecker klingelt, werde ich wach und schaue aus dem Fenster in Richtung Osten! Zufrieden nehme ich zur Kenntnis, dass die Sonne bereits sehr fleißig ist und keinerlei Konkurrenz in Form von Wolken zu befürchten hat; ich lege mich also wieder hin. Kurze Zeit später nehme ich dann ganz eigenartige und vor allem laute Geräusche wahr, die ich mir nicht so richtig erklären kann! Es klingt, als sei eine Schule Buckelwale zu einem kostenlosen „Blaskonzert“ am Pier eingetroffen! Weil ich aber inzwischen schon wieder im Halbschlaf bin, hält sich mein Interesse in Grenzen und ich gleite wieder ins Reich der Träume…

Kurz nach 8:00 Uhr stehe ich dann endlich auf und öffne die Aufbautür meines Wohnmobil. Ich staune nicht schlecht, als ich ein großes Kreuzfahrtschiff sehe, das nur etwa 200 Meter von mir entfernt vor Anker gegangen ist! Daher also die Geräusche von vorhin; ich schätze, sie stammen von den Steuermotoren, die das Schiff auf die richtige Seite gedreht haben!

Es ist die Costa neoRiviera der Reederei Costa Crociere, 1996 gebaut, 216 m lang und für maximal ca. 1.250 Passagiere ausgelegt. [Update: Das Schiff fährt seit Dezember 2019 unter dem Namen AIDAmira bei der Schwestergesellschaft AIDA Cruises]

Also kein besonders riesiges Schiff, aber trotzdem bin ich sehr froh, dass ich die Felsenstadt Monemvasia schon gestern besichtigt habe! Heute dürfte es dort ein ziemlich großes Gedränge geben! Als ich mein Frühstück zubereite, sind bereits viele kleine Tenderboote unterwegs, um die Passagiere zum kleinen Hafen zu bringen.

Ich frühstücke draußen und unterhalte mich dabei ein wenig mit einem Wohnmobilnachbarn aus Konstanz. Er kommt daher, wohin ich heute will, während er dorthin fährt, woher ich gestern kam, nämlich nach Leonidi. Er wirkt ziemlich enttäuscht, als ich ihm erzähle, was ich dort am Ostersamstag erlebt habe; hätte er das gewusst, wäre er schon zwei Tage früher angereist!

Den dritten Tag in Folge habe ich wieder ’mal eine ziemlich abenteuerliche Fahrt vor mir; durch die Berge, auf superschmalen Straßen und durch Ortsdurchfahrten, die der reinste Horror sind! Aber irgendwie geht’s dann doch immer unfallfrei durch diese „Nadelöhre“!

Dieses Mal habe ich zum Glück gleich nach dem ersten Aufstieg eine günstige Gelegenheit, ein paar Fotos von dem Ort, den ich gerade verlassen habe, zu machen! Man schaut auf die wunderschöne Landschaft, das Meer sowie auf den wuchtigen Monolithen, auf dem die Felsenstadt liegt. Das zweite Foto zeigt übrigens auch sehr schön seine langgestreckte Form, die ich gestern so nicht sehen konnte, sowie (rechts) die am Fels „klebende“ Stadt selbst. Auch das Kreuzfahrtschiff ist natürlich noch da…

Immer wieder passiert es mir, dass ich in den Bergen in einiger Entfernung kleine, romantische Bergdörfer sehe, und ich mich frage, wie man dort wohl hinkommen mag! Nach einer Weile hab‘ ich dann aber „gelernt“, dass meine Strecke etwas später genau dort hindurchführen wird, eben nur gefühlte 10.000 Kurven später… 😉

Irgendwann hat die Bergfahrt dann aber doch ein Ende, und es geht endlich wieder in die Ebene hinab, auf bessere und vor allem breitere Straßen.

Mein heutiges Ziel heisst Elafonisos, eine hübsche kleine Insel an der Spitze des östlichen der drei „Finger“ der Halbinsel Peloponnes, nur etwa 600 m vom Festland entfernt. Ich muss also die Fähre nehmen! Der gleichnamige Hauptort hat etwas mehr als 800 Einwohner; am südlichen Ende der Insel soll sich ein Campingplatz befinden, der an einem der schönsten Strände des Peloponnes liegt, dem Simos Beach.

Am Fähranleger angekommen, kann ich die Insel bereits sehen! Leider muss ich noch fast 45 Minuten auf die nächste Fähre warten, aber die Zeit vergeht schnell und ich kann ein paar schöne Fotos machen. Das türkisfarbene Wasser sieht schon ’mal sehr vielversprechend aus!

Endlich kommt die kleine Fähre „angetuckert“; das Einschiffen verläuft natürlich typisch griechisch, das heißt, hektisch, laut, chaotisch, ungeordnet und… irgendwie professionell! 😉

Ich muss mit meiner Hannelore vorwärts auffahren und kurze Zeit später bei der Ankunft rückwärts und mit eingeklappten Spiegeln wieder ’runter; ich liebe „blindes“ Rückwärtsfahren! Ich zahle 25,- EUR für diesen „Hauptspaß“, das ist ganz ok!

Die Fahrt zur Südspitze dauert nicht lange. Ich treffe am Camping Simos ein, werde von einer sehr sympathischen, jungen Frau freundlich empfangen und eingecheckt; wie hier üblich, muss ich meinen Personalausweis abgeben und bekomme ihn bei der Abreise wieder zurück! Sie fragt mich, woher ich komme, welches meine weiteren Ziele in Griechenland sind und, vor allem, warum ich um Himmels Willen denn nur eine Nacht an diesem schönen Ort bleiben wolle… 😉

Der Campingplatz gefällt mir tatsächlich sehr gut, und ich suche mir eine der vielen freien Parzellen aus. Danach gibt’s eine Kleinigkeit zu essen und eine wohlverdiente ausgedehnte Mittagspause, die später nahtlos in eine Kaffeepause übergeht.

Danach gehe ich zu Fuß zum Simos Beach, schaue mich dort ausgiebig um und mache unzählige Fotos! Ja, hier kann man es wirklich aushalten! Es ist zwar etwas windig, aber superwarm und traumhaft schön! Allerdings ist wenig los, was wahrscheinlich sowohl an der Uhr- als auch an der Jahreszeit liegen mag.

Diese schmale Verbindung zu einer winzigen Halbinsel scheint für die meisten Besucher das beliebteste Fleckchen dieses Strands zu sein, wie man anhand der vielen Sonnenschirme vermuten kann…

Jetzt freue ich mich aber auf eine ausgedehnte, schöne Radtour einmal rund um die gesamte Insel! Um 15.00 Uhr fahre ich los, im Uhrzeigersinn immer an der Küste entlang. Radwege gibt’s hier nicht, aber viel Verkehr natürlich auch nicht. Die Straßen führen stets dicht am Ufer entlang, aber das garantiert leider nicht, dass keine Steigungen vorhanden sind…

Hier blüht um diese Jahreszeit alles, soweit das Auge reicht! Immer wieder halte ich, um auch ’mal Sträucher, Bäume, Büsche und Blumen zu fotografieren.

An Fotomotiven mangelt es hier nicht; ich lasse mir jede Menge Zeit und genieße die intakte Natur. Und natürlich das „Bombenwetter“!

Jetzt habe ich etwa die Hälfte der Umrundung geschafft; von hier aus sieht man wieder das Festland und den kleinen Ort, von dem aus die Fähre losging.

Schließlich erreiche ich den Ort Elafonisos und lasse mir dort besonders viel Zeit.

Die hübsche weiße Kirche ist ein richtiges kleines Schmuckstück, finde ich, erst recht vor diesem stahlblauen Himmel!

Ich schaue mich ein wenig im Ort um, genieße die tolle Atmosphäre am Hafen und suche nach einem Bäcker oder einem Supermarkt, denn möchte noch frisches Brot kaufen. Leider gibt’s hier weder das eine noch das andere, trotzdem finde ich in einer Art Café noch das allerletzte(!) Mini-Baguette. Auch diese Bedienung hat Zeit für ein kleines Schwätzchen; ich staune immer wieder darüber, wie superfreundlich und nett die Griechen sind (obwohl ich das eigentlich seit sehr vielen Jahren weiß).

Gleich nebenan hat noch ein Souvenirladen geöffnet und ich finde tatsächlich sogar einen Fotomagneten von der Insel; hätte nicht gedacht, dass es hier sowas gibt!

Zum Campingplatz habe ich jetzt noch etwa drei Kilometer. Ich bin schon fast aus dem Ort heraus, da sehe ich im Osten des kleinen Hafens einen langen Pier, der recht weit ins Meer hineinragt. Ich denke mir, das wäre eine gute Gelegenheit, vor dort aus noch einmal den Ort zu fotografieren; das mache ich also auch! Ich fahre bis zum äussersten Ende des Piers, stelle mein Fahrrad ab, schnappe mir die Kamera und fotografiere…

Herrje, hätte ich doch nur die Finger davon gelassen! Jetzt gerate ich in einen „bösen“ Schlamassel, den ich in meinem ganzen Leben wohl nie mehr vergessen werde!

Während ich noch durch den Sucher schaue, kommt urplötzlich ein heftiger Windstoß auf; hinter mir höre ich ein unheilvolles Scheppern! Ich drehe mich um und sehe noch, wie mein Fahrrad vom Wind umgestoßen wird und um ein Haar ins Wasser gefallen wäre! Ich kann gerade noch meinen rechten Arm ausstrecken und das Bike am Vorderrad packen, sonst wäre es passiert! Meine Kamera lasse ich einfach los, denn ich habe mir ja den Trageriemen um den Hals gehängt.

Mit Mühe ziehe ich das schwere Fahrrad wieder ein Stück von der Kante weg und richte es auf; mit Entsetzen sehe ich, dass der Deckel meiner linken Packtasche offen ist! Die Erkenntnisse, die sich daraus ergaben, drangen nur kleckerweise, wie in Zeitlupe, in mein Hirn! Die Kamera war noch da, hing ja um den Hals; die Fototasche ebenfalls, sie ist nicht ’rausgefallen, auch nicht deren weiterer Inhalt.

Aber wo zum Teufel sind meine Sehbrille (die Sonnenbrille habe ich ja auf) und mein Portemonnaie geblieben? Ich schaue mich hektisch um, entdecke aber nichts! Mir schwant Böses; mit einem Schritt trete ich ans Wasser und jetzt greift das blanke Entsetzen nach mir! Etwa 3 Meter tiefer schwimmen auf der Wasseroberfläche die beiden vermissten Gegenstände!

Angst und Schrecken macht sich jetzt breit, denn meine Geldbörse enthält praktisch mein „gesamtes Leben“! Mehr als 320 Euro hatte ich dabei, insgesamt drei Kreditkarten und drei ec-Karten, alle nur denkbaren Ausweise, den Kfz-Schein, Campingkarten und vieles mehr. Die Sehbrille, die mitsamt dem silbernen Etui gemütlich auf den kleinen Wellen schippert, als wolle sie die neue Freiheit genießen, kann ich leicht verschmerzen! Ich hab‘ verschiedene Ersatzbrillen dabei und zuhause werde ich mir halt einfach eine neue anfertigen lassen.

Ich gerate tatsächlich etwas in Panik! Ich starre auf das Wasser hinunter und kann im ersten Moment überhaupt keinen klaren Gedanken fassen. Und ich weiß genau, je länger ich nichts tue, desto schlimmer wird es; die Geldbörse würde nicht ewig so nett sein, auf der Oberfläche zu schwimmen, sondern baldmöglichst versuchen, den Meeresgrund zu erforschen!

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste: Auch mein Schlüsselbund mitsamt dunklem Lederetui war in hohem Bogen ins Meer geschleudert worden! Also der Zündschlüssel für das Wohnmobil mit der Funk-Fernbedienung, der Schlüssel für die Aufbautür, meine Wohnungs-, Briefkasten-, Fahrrad- und Akkuschlüssel… einfach alles futsch!

Das kann und darf alles nicht wahr sein! So langsam kommt wieder Leben in mir auf; was zum Kuckuck mache ich jetzt? Hineinspringen wäre womöglich lebensgefährlich gewesen; ich bin kein geübter Schwimmer und ich sehe weit und breit keine Treppe, keine Leiter, kein Seil und auch keine Boote! Ich hätte viele Hundert Meter schwimmen müssen, um überhaupt irgendwo wieder an Land kommen zu können! Außerdem war fraglich, ob ich das Portemonnaie überhaupt erwischen würde.

In ca. 100 Meter Entfernung sehe ich zwei Männer an einem großen Fischerboot hantieren; ich renne hin, versuche, von meinem Malheur zu erzählen, aber die beiden Fischer verstehen kaum ein Wort Englisch! Ich sehe im Boot eine lange Holzstange mit einer Art Haken an der Spitze und frage, ob ich sie ausleihen könnte; ja, kann ich! Auf die Idee, mir vielleicht irgendwie helfen zu können, kommen die beiden leider nicht, sie setzten ihr Schwätzchen fort, als wäre nichts gewesen!

Ich schnappe mir also die Stange und laufe wieder zurück. Inzwischen ist es noch windiger geworden und mein Fahrrad wackelt schon wieder bedenklich hin und her! Ich muss es nun als erstes ’mal etwas weiter von der Kante entfernen und lege es auf den Boden! Dann gehe ich mit der Stange zurück zum Wasser und muss zerknirscht zur Kenntnis nehmen, dass sich das Portemonnaie inzwischen verabschiedet hat! Man kann, obwohl das Wasser recht klar ist, nur sehr schwer auf den Grund schauen, denn zum einen ist er fast überall bewachsen, zum anderen fällt der Schatten der Kaimauer direkt auf den entsprechenden Bereich. Das Brillenetui „dümpelt“ noch an der Oberfläche, es ist ja auch deutlich leichter! Ich versuche, es mit der Stange etwas näher an die Wand zu „bugsieren“, das scheitert aber kläglich! Schließlich gebe ich auf und bringe die Stange zurück zum Fischerboot.

Ich muss meine gesamte Kraft aufwenden, um den beiden klar zu machen, dass ich wirklich dringend Hilfe benötigte; leider gibt es hier auf der Insel weder Polizei noch Feuerwehr, auch kleine Boote sind nicht vorhanden! Die meisten Ladenbesitzer stammen fast alle vom Festland und sind bereits mit der letzten Fähre verschwunden! Endlich erzählt mir einer der beiden, nachdem er sich mit seinem Kollegen besprochen hat, von einem Café, in dem jemand arbeiten soll, der von den Philippinen stammt; der würde gut englisch sprechen können und angeblich jemanden kennen, der ganz gern taucht!

Tauchen! Ist das das Zauberwort? Voller Hoffnung schnappe ich mir mein Fahrrad und düse, düse, düse, düse im Sauseschritt, den ganzen Pier zurück, in den Ort. Ich finde das beschriebene Café auf Anhieb und frage den Wirt nach jemandem, der Englisch spricht! Er grinst und deutet auf seine Frau, die jetzt aus der Küche kommt! Sie ist die Filipina, und sie spricht tatsächlich hervorragendes Englisch. Ich schildere ihr mein Pech; sie bittet mich, zu warten und fängt an zu telefonieren!

Ein paar Minuten später fährt ein PKW vor und ihr Sohn steigt aus. Er ist derjenige, der ab und zu taucht; er ist etwa 20 Jahre alt, Student, spricht ebenfalls englisch und liebt so ziemlich alle Wassersportarten. Seine Mutter erzählt ihm, was los ist; ich kann mein Glück kaum fassen, als er sich tatsächlich bereit erklärt, nach meinen Sachen zu tauchen! Er holte noch einen Freund zur Hilfe und gemeinsam treffen wir drei uns dann wieder am Pier.

Ich erzähle ihm, was ich alles vermisse und er schaut sich zunächst ’mal den Meeresboden genau an. Er scheint wirklich Adleraugen zu haben, denn er sieht dort sofort etwas Dunkles, was dort nicht hingehört, dann noch etwas Dunkles, etwas Helles und etwas quadratisch Buntes! Das Helle scheint das Brillenetui zu sein, das ist allerdings schon sehr weit abgetrieben, und ich mache ihm klar, dass es das Unwichtigste von allem ist! Mit dem Bunten kann ich nichts anfangen, er könne es auch ignorieren.

Nun macht er sich bereit; er zieht sich aus und friert sofort; es ist inzwischen richtig kalt durch den ständigen Wind! Es tut mir unheimlich leid, dass er jetzt auch noch ins Wasser muss! Zu meinem großen Schrecken erfahre ich jetzt erst, dass das Wasser hier 7 Meter tief ist; wir stehen also insgesamt 10 Meter über dem Meeresgrund! Und er muss unbedingt einen Kopfsprung machen, sonst kommt er nicht bis zum Grund hinunter!

Als er mir sagte „Wish me luck“, bekomme ich wieder Angst! Ist er vielleicht doch kein so guter Taucher? Ich frage ihn noch einmal, ob er auch genau, was er tut; er antwortet aber nicht und springt jetzt in das eiskalte Wasser!

Sein Kumpel und ich sehen, wie er den Grund erreicht und hin und her schwimmt; irgendwie scheint er sofort die Orientierung verloren zu haben, schwimmt in die falsche Richtung! Dann kehrt er aber um und kommt dem ersten „Dunklen“ sehr nahe. Kurz darauf taucht er auf, wirft einen Gegenstand hoch und etwas Schweres, Nasses klatscht direkt vor meine Füße! Ich traue meinen Augen kaum: Er hat tatsächlich mein Portemonnaie gefunden!!!

Nun ist er aber ziemlich fertig und muss erst ’mal heraus! Er sieht, etwa drei Meter entfernt, ein dickes Seil an der Wand hängen, was man von oben nicht sehen konnte, und klettert daran hoch, was ziemlich anstrengend aussieht. Jetzt sitzt er auf dem Boden, atmet schwer und… friert wie ein Schneider! Zum Glück kommt jetzt seine Mom den ganzen langen Weg vom Laden hierher und bringt zwei Wolldecken mit; typisch Mama, an so etwas haben wir vorher natürlich nicht gedacht!

Ich bedanke mich überschwänglich bei ihm und biete ihm schon an, die Aktion jetzt aufzugeben, aber er will noch einmal ‚rein! Beim zweiten Tauchgang konzentriert er sich auf das „Bunte“ (er meinte, er sähe aus wie eine Kreditkarte oder wie ein Ausweis; mir fehlt aber nichts entsprechendes). Unten findet er es aber nicht und muss schließlich wieder auftauchen, um sich erneut auszuruhen! Ich sehe, wie anstrengend es für ihn ist, das Seil erneut hochzuklettern, aber der junge Mann hat offenbar einen unglaublichen Ehrgeiz!

Nach einer etwas längeren Pause springt er, nun schon das dritte Mal, kopfüber ins Meer, findet das „Bunte“ aber wieder nicht. Dafür „angelt“ er jetzt nach etwas anderem, taucht plötzlich auf und wirft es nach oben!

Ich staune Bauklötze, als ich mein Schlüsselbund mit dem grauen Lederetui sehe; wie schon gesagt, bis jetzt hatte ich ja noch gar nicht realisiert, dass es auch Baden gegangen war! Ich könnt euch kaum vorstellen, was jetzt in mir vorging!

Nun will er doch tatsächlich noch ’mal hinunter; anscheinend kann er es einfach nicht ertragen, nicht alles herausgefischt zu haben! Ich sage ihm noch einmal, dass mir die Brille egal ist und das Bunte etwas sein müsse, was schon länger dort unten liegt; wir einigen uns darauf, dass er auf jeden Fall erst einmal eine deutlich längere Pause einlegen muss.

Inzwischen bin ich mit meinen Fahrrad beschäftigt und schaue mir alles noch ’mal in Ruhe an; ich kann wieder einigermaßen klar denken! Ich mache erneut eine kleine „Inventur“, vermisse aber nichts weiter! Jetzt sehe ich mir mein Portemonnaie an und will wissen, welchen Schaden das Bad im Salzwasser angerichtet hat! Lediglich die grüne Versicherungskarte und der Kfz-Schein sehen etwas „zerfleddert“ aus, aber das war nicht weiter schlimm!

Aber jetzt stelle mit Schrecken fest, dass mein Personalausweis fehlt! Mist, auch das noch! Nun war das zwar nicht das Allerschlimmste, aber jetzt wusste ich plötzlich, was der junge Mann mit dem „Bunten“ meinte! Ich erzählte ihm davon, und nun war er nicht mehr davon abzubringen, noch ein letztes Mal zu tauchen! Ich gehe zum Fahrrad zurück und kann kaum glauben, dass so etwas wie ein Personalausweis aus dem Portemonnaie gleiten kann; der steckt dort normalerweise so fest, dass das eigentlich nicht möglich war!

Mein „Held“ (ich weiß noch nicht einmal seinen Namen!) macht sich jetzt wieder bereit; ich stehe neben ihm und bin irgendwie in Gedanken immer noch bei dem blöden Personalausweis. Da fällt es mir plötzlich wie „Schuppen aus den Haaren“: Den Ausweis hab‘ ich doch an der Rezeption auf dem Campingplatz abgegeben; mein Gott, wie dämlich kann man denn sein…? Jetzt, im Nachhinein, ist mir klar, dass ich zu dem Zeitpunkt eben noch nicht klar denken konnte, sonst wäre mir das sicher eher eingefallen!

Ich kann den jungen Mann gerade eben noch davon abhalten, zu springen; es ist mir absolut peinlich, ihm zu beichten, wo sich mein Ausweis in Wirklichkeit befindet. Er nimmt’s mir aber nicht übel, scheint sogar eher erleichtert zu sein, denn jetzt sage ich ihm klipp und klar, dass er nicht mehr tauchen soll!

Wir packen alle Sachen zusammen und gehen gemeinsam zurück in Richtung Ort! Ich schenke ihm zum Dank 50 Euro, worüber er sich sichtlich freut, und entschuldige mich dafür, dass ich leider nur nasses Geld besitze!

Endlich kann ich die letzten Kilometer zum Campingplatz fahren, überaus froh, mein Portemonnaie und mein Schlüsselbund wieder zu haben; ich hätte nicht einmal gewusst, wo ich heute hätte übernachten sollen!

Am Wohnmobil passiert das, was ich mir schon gedacht habe: die Funkfernbedienung funktioniert natürlich jetzt nicht mehr! Das ist nicht weiter schlimm, denn ich kann auch mit dem Zündschlüssel oder mit dem Schlüssel der Aufbautür aufschliessen, allerdings würde das nicht die Alarmanlage deaktivieren! Ich sage also meinen Nachbarn, einer Gruppe von britischen Campern, Bescheid, dass meine Hannelore gleich fürchterlich zu Hupen anfangen würde. Das geschieht dann auch; ich suche sofort die Extra-Fernbedienung für die Alarmanlage und schalte sie ab!

Der Inhalt meines Portemonnaies war nach wie vor klitschnass, also spanne ich zum ersten Mal im Wohnmobil eine Wäscheleine und hänge alles fein säuberlich zum Trocken auf, Geldscheine, Ausweise, Bescheinigungen usw. inkl. Geldbörse! Ist diese Art von Geldwäsche eigentlich strafbar…? 😉

Jetzt denke ich glücklicherweise auch an ein schnelles Foto, sonst hätte ich euch jetzt ja überhaupt gar nichts zu diesem „Spezialabenteuer“ anzubieten…

Danach starte ich einen Video-Chat über Facetime mit meinem Bruder und meiner Schwägerin; irgendwem muss ich das alles ja schließlich erzählen, oder? Nach ein paar allgemeinen Worten (Wie geht’s? Alles gut?) erzähle ich dann meine Story! Die beiden werden immer hellhöriger, am Schluss können sie sich kaum noch halten vor Lachen! Ich möchte zuerst eigentlich empört darüber sein, dann aber bin ich doch eher erleichtert und kann auch mitlachen! Sowas Dämliches passiert ja auch nun ’mal nicht alle Tage… 😉

Alles in allem bin ich jetzt natürlich sehr, sehr erleichtert, dass ich so glimpflich davongekommen bin! Das hätte wirklich böse ins Auge gehen können, bis hin zum Abbruch meiner gesamten Reise!

Vorhin habe ich eine Kleinigkeit gegessen und wollte mir noch eine weitere Folge meiner aktuellen Netflix-Serie anschauen; nach ein paar Minuten merkte ich aber schnell, dass ich mich darauf einfach nicht konzentrieren konnte; meine Gedanken waren immer noch beim Tauchen… 😉

Sorry, dass ich euch diesen „kilometerlangen“ Text zumute, aber sicher versteht ihr, dass ich mir das alles ’mal von der Seele schreiben musste! Insofern dient es an dieser Stelle ja auch zur genauen Dokumentation für spätere Zeiten… 😉

6 Kommentare zu “Geldwäsche auf Elafonisos”

  1. Mein lieber Wolle – Du kannst Sachen erleben!!
    Aber wie sagt man so schön: Ende gut…. Schön zu lesen, was es immer wieder für hilfsbereite Menschen gibt und manchmal habe ich das Gefühl, dass ich in Griechenland die meisten finde…
    Jetzt werde ich natürlich wieder als „Korinthenkacker“ bestätigt: im WoMo habe ich Kopien von allen wichtigen Papieren und Trudi hat den Reserve WoMo Schlüssel- man weiß ja nie….ob ein Windstoß kommt!!
    Deine Bilder und Deine Erzählung von Elafonisos sind natürlich wieder sehr gut. Wieder ein neues Ziel!!
    Gut gemacht – VG

    1. Danke für deinen Kommentar, Bernd! Klar, Kopien habe ich selbstverständlich auch von allem, was irgendwie wichtig ist, natürlich digital und vor allem in der Cloud! Aber es hilft ja nichts, wenn du z.B. kein Bargeld mehr hast/bekommst, und die ganze Lauferei hinterher wünscht sich natürlich auch niemand! Reserveschlüssel macht natürlich Sinn, aber wenn man allein unterwegs ist…? 😉 Ihn am WoMo irgendwo unterzubringen, gefällt mir nicht, mal davon abgesehen, dass das versicherungstechnisch gar nicht erlaubt ist. Aber, wie du ja schon sagtest, ich hatte ja wirklich superviel Glück! Ich werde demnächst mal versuchen, nach einer eMail-Adresse des Cafés zu forschen, um mich noch einmal bei der Mama und dem Sohn zu bedanken… 😉

  2. Was wäre eine Reise ohne Abenteuer. Besonders, wenn sie dann doch noch glimpflich ausgehen und die Verwandtschaft darüber lachen kann (nein, ich habe nicht gelacht, ich fing nur an schneller zu lesen, da ich wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht).

  3. Hallo Wolfgang,
    der Blog beginnt so schön mit deiner Radtour um die Insel mit den vielen tollen Fotos und mir wird wieder bewußt welche Vorteile eine Urlaubsreise mit der Hannelore und einem Fahrrad ist. Persönlich werde ich aber so etwas wohl doch nie machen. Dann aber fährt mir der Schreck (auch beim lesen) deines Unglücks in die Glieder und ich habe mir ausgemalt was das augenblicklich für dich bedeutete. GottSeiDank war da mit dem jungen, ehrgeizigen Mann Hilfe vor Ort…und das war wieder Glück…puh !
    Viele Grüße, Roland

    1. Ja, war ’ne ziemlich blöde Situation, aus der ich aber wieder ’mal mit sehr viel Glück herauskam! Abenteuer sind ja schön und gut, aber sowas braucht wohl niemand… 😉 Danke für deinen Kommentar, Roland!

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