Meinen ursprünglichen Plan, von La Spezia mit dem Ausflugsboot nach Levanto zu fahren, hatte ich heute morgen endgültig verworfen. Um auch den Tag etwas besser ausnutzen zu können, wollte ich stattdessen nun bereits am Vormittag die entgegengesetzte Richtung fahren. Im Grunde genommen war es egal, aber durch die frühere Abfahrt hatte ich an den fünf Dörfern der Cinque Terre das etwas ungünstigere Sonnenlicht zum Fotografieren. War aber nicht so „wild“, wie ich befürchtete; ich denke, die Fotos können sich trotzdem sehen lassen…

Von Levanto aus ging die Tour zu vier von fünf Dörfern (Corniglia hat ja keinen Hafen) und danach nach Portovenere. Dort hatte ich fast drei Stunden Aufenthalt, bevor es dann mit einem anderen Boot nach La Spezia weiterging!

Ein volles Programm also heute! Abfahrten gibt’s um 10:00 Uhr und um 14:00 Uhr. Wie schon gesagt, das Fotolicht am Nachmittag wäre wohl deutlich besser, aber dann wäre auch der Andrang viel größer; also hatte ich mich für die erste Tour entschieden. Daher musste ich auch rechtzeitig aufstehen, denn ich wollte ja auch noch den Weg vom Campingplatz bis ganz nach „unten“ zum Bootsanleger zu Fuß zurücklegen; das Fahrrad sollte heute auf dem Campingplatz bleiben.

Am Tickethäuschen angekommen, musste ich mich an das Ende einer ziemlich langen Schlange anstellen; unten am Kai warteten schon eine Menge Leute mit Tickets auf die Ankunft des Bootes. Na, das kann ja heiter werden; viel voller könnte es am Nachmittag ja eigentlich auch nicht sein…

Mit dem Ticket hat’s aber dann doch geklappt, und das Boot legte sogar einigermaßen rechtzeitig ab. Leider bekam ich nur einen Platz auf der Steuerbordseite, aber zum Fotografieren konnte ich ja aufstehen, wenn es sein musste.

Bereits nach ca. 30 Minuten erreichten wir Monterosso al Mare, das erste der fünf Dörfer. Gut zu erkennen sind die Hotels und der lange Badestrand, beides hatte ich ja bereits vorgestern beschrieben.

Der zweite Ort war nicht weit entfernt: Vernazza. Der mit dem leckeren Eis… 😉

Ich war zunächst etwas überrascht, wie schnell das Boot von Ort zu Ort gelangte, trotz der immer etwas komplizierten An- und Ablegemanöver. Andererseits muss man sich aber klarmachen, dass zwischen dem ersten und dem letzten Dorf gerade ‘mal 9 km liegen; mit dem Zug von einem zum anderen Ort zu gelangen, ist natürlich wesentlich zeitaufwändiger.

Jetzt näherten wir uns Corniglia, den einzigen Ort ohne Hafen. Vom Wasser aus erkennt man die spezielle Lage des Dorfes, die ich ja auch schon beschrieben hatte, sehr gut!

Kaum hatte man das letzte Foto von einem Ort gemacht (meistens im Stehen, damit ich nicht nur Köpfe auf meinen Bildern habe), erschien, nach einer kleinen Drehung der Kamera, auch schon der nächste; hier kam gerade Manarola in Sicht!

Und kurze Zeit später auch Riomaggiore, der Ort, den ich vorgestern als erstes besucht hatte! Auch von Wasser aus finde ich dieses Dorf, was sein Erscheinungsbild angeht, am schönsten, glaube ich!

Nun folgte eine etwas längere Strecke, bis das Boot schließlich Portovenere erreichte. Auf einer Landspitze gelegen, wird man als erstes von der zwischen 1256 und 1277 errichteten, schwarz-weiß gestreiften Kirche San Pietro begrüsst.

Früher stand an ihrer Stelle ‘mal ein Venustempel, von dem der Ort seinen Namen hat. Hier soll einst die Venus aus dem Meer aufgetaucht sein, die Sandro Botticelli zu seinem weltberühmten Kunstwerk Die Geburt der Venus inspiriert hatte.

Über Portovenere hatte ich mich vor meiner Reise eigentlich gar nicht informiert. Umso überraschter war ich jetzt, als das Boot um diese Landspitze herum in den Golf von La Spezia einbog und an der bunten Häuserfassade vorbeifuhr!

Was für ein wunderschöner Ort! Kein Wunder, dass auch er, zusammen mit den Cinque Terre, zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Das „Häusermotiv“ kam mir sofort irgendwie bekannt vor; bestimmt hatte ich es schon früher ‘mal auf irgendwelchen Reiseführern oder Plakaten gesehen! Nun freute ich mich erst recht auf die fast drei Stunden Aufenthalt, zumal ich hier ja auch in aller Ruhe zu Mittag essen konnte.

Zunächst schaute ich mir den Ort etwas genauer an. Von der hübschen, zentral gelegenen Piazza Bastreri

…geht die enge und schattige Hauptgeschäftsstraße, die Via Capellini, ab.

Hat man sie durchwandert, gelangt man auf einen großen, leicht ansteigenden Platz, an dessen Spitze, Punta della Castagna, die bereits erwähnte Kirche thront.

Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht auf die Küste der Cinque Terre, aber auch auf die Bucht von La Spezia.

Nun wanderte ich zurück, am Wasser entlang und durch die Calata Doria. Hier gab’s jede Menge Restaurants, eines einladender als das andere! Und von jedem aus hatte man einen tollen Blick auf den lebendigen Hafen.

Mein Mittagessen bestand aus einer Portion Spaghetti mit Anchovis und einem „Spritz“, beides extrem lecker!

Ich lies mir sehr viel Zeit mit dem Essen und spazierte danach in die entgegengesetzte Richtung, nach Norden, am Ufer entlang. Es war jetzt wieder ‘mal extrem heiß, und der Schatten der riesigen Bäume kam mir sehr gelegen. Nach einer Weile drehte ich wieder um, denn die zweidreiviertel Stunden waren plötzlich wie im Flug vergangen…

Am Bootsanleger musste ich nur noch ca. 10 Minuten warten, dann konnte ich das Boot nach La Spezia besteigen. Es war deutlich größer als das erste, und es gab nur wenige Passagiere, also konnte ich mir auf dem Oberdeck den besten Platz auswählen.

Während der Bootsfahrt, die ebenfalls sehr abwechslungsreich war, sprach mich ein älteres Ehepaar an; sie saßen direkt vor mir und fragten, ob ich aus Neuseeland kommen würde! Ich war zunächst etwas perplex; sehe ich denn etwa wie ein Neuseeländer aus? Und wie erkennt man die überhaupt…?

Dann, nach einer kleinen Ewigkeit, fiel’s mir aber wie „Schuppen aus den Haaren“: Ich trug ja, wie so oft, ein Baseball Cap mit dem bekannten NZ-Emblem (für New Zealand); das hatte ich bereits 2010 auf meiner ersten Neuseelandreise gekauft, und es sah mittlerweile schon ziemlich… naja, sagen wir ‘mal… sehr weit herumgekommen aus! Ich klärte die beiden, die nämlich selbst Neuseeländer waren, schnell auf, und so kamen wir natürlich sofort ins Gespräch. Sie waren gerade auf einer Europareise und wollten hauptsächlich nach Irland, wo sie Verwandte hatten. Und ich musste ihnen „haarklein“ erzählen, wo ich überall in Neuseeland gewesen bin. Die Fotos kamen dabei natürlich etwas zu kurz… 😉

Hier sieht man bereits den Hafen von La Spezia. Auch von dieser Stadt hatte ich eigentlich keine „speziellen Vorkenntnisse“; der Anblick vom Wasser aus war aber schon ‘mal sehr schön!

Nach dem Anlegen legte ich mir mit Hilfe meiner Komoot-App eine Strecke zurecht, die mich über ein paar „Schnörkel“ zum Bahnhof der Stadt führen sollte. Ich wollte hier und heute zwar keine ausführliche Stadterkundung mehr machen, aber ich hoffte, dass mich die ausgewählte Route zumindest durch einige der Haupteinkaufsstraßen führen würde.

Schon nach ein paar Minuten war klar, dass ich mich jetzt in einer „richtig“ großen Stadt aufhielt; kein Vergleich zu Levanto oder gar zu den viel kleineren Orten der Cinque Terre. Hier sah es schon eher aus wie in Genua, nur noch etwas attraktiver…

Das war ein interessanter Spaziergang bis zum Bahnhof, und ich habe viele neue Eindrücke sammeln können. Überhaupt war es heute wieder einmal super schön, aber natürlich auch anstrengend, und so wollte ich jetzt direkt „nachhause“ fahren. Die Zugfahrt bis nach Levanto würde ja nicht sehr lange dauern, und der restliche Weg bis zum Campingplatz wäre auch schnell geschafft.

Am Fahrkartenautomaten stand vor mir eine Familie, die sich mit den Anweisungen auf dem Bildschirm abquälten; ihren Versuch, Fahrkarten für zwei Erwachsene und die beiden Mädels zu kaufen, mussten sie mehrfach abbrechen. Mal stimmte etwas mit dem Tarif nicht, ‘mal wurde die Kreditkarte nicht akzeptiert usw..

Kein Wunder, dass man da nervös wird, vor allem, wenn die Schlange hinter einem immer länger wird. Die junge Frau entschuldigte sich mehrfach bei mir, während ihr Mann den Automaten schon mit den ersten Schimpfworten bedachte! Es waren Australier aus Melbourne, ebenfalls auf Europareise und zurzeit in einem Hotel in Levanto. Später, im Zug, saßen wir per Zufall zusammen in einem Abteil und unterhielten uns angeregt, bis der Zug plötzlich in Levanto hielt; mir kam es vor, als wäre er nur ein paar Minuten unterwegs gewesen… 😉

Nach einer Viertelstunde war ich wieder am Campingplatz, wo ich etwas später eine weitere lange Unterhaltung mit der netten Lady aus der Rezeption hatte. Eigenartig, manchmal spreche ich, wenn ich auf Reisen bin, tagelang kein einziges Wort, an anderen Tagen wiederum habe ich abends einen trockenen Hals… 😉

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