Und weiter geht’s auf meiner „Italienischen Reise“, immer auf Johann Wolfgang von Goethes Spuren! Mein heutiges Ziel war Verona, die an der Etsch liegende Großstadt. Ihre Altstadt gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe, ein Besuch lohnt sich also auf jeden Fall! Schon lange wollte ich mir diesen Ort, der für viele Touristen vor allem mit William Shakespeares Schauspieldrama Romeo und Julia verbunden ist, ansehen, aber bisher hatte es leider nie geklappt! In meiner Vorstellung gehörte dazu auch der abendliche Besuch einer pompösen Aufführung während der jährlich stattfindenden Opernfestspiele im gut erhaltenen Amphitheater. Es wurde wahrscheinlich unter Kaiser Tiberius um 30 n. Chr. erbaut und entstand damit bereits ein halbes Jahrhundert vor dem viel berühmteren Kolosseum in Rom. Wegen der Corona-Pandemie fallen in diesem Jahr allerdings sämtliche Veranstaltungen aus, sehr schade!

Ich verließ dem Campingplatz Lombardi in Malcesine heute Morgen gegen 8:00 Uhr; für beide Übernachtungen zahlte ich inklusive Kurtaxe insgesamt 41,80 EUR. Bis zum Wohnmobil-Stellplatz direkt neben der Altstadt von Verona waren nur etwa 70 km zu fahren. Zunächst führte die Route am Ostufer des Gardasees entlang bis nach Lazise. Dort bog ich in Richtung Südost ab und erreichte schon kurze Zeit später mein Ziel!

Ich war sehr gespannt auf die Belegung des Stellplatzes, den ich schon von früheren Recherchen kannte. Ich hoffte, dass nicht schon alles belegt sein würde, es stehen dort immerhin nur 36 Plätze zur Verfügung, und Verona ist wirklich ein sehr beliebtes Touristenziel, nicht zuletzt auch bei Wohnmobilfahrern. Andererseits traf ich ja relativ früh dort ein (ca. 10:00 Uhr), und ich schätzte, dass wegen der Corona-Restriktionen wohl auch noch nicht so viele Wohnmobile unterwegs sein würden.

Als ich ankam, war ich dann aber doch überrascht, der Platz war komplett leer! Nicht ein einziges Fahrzeug stand dort, und ich befürchtete schon, dass er eventuell ganz geschlossen sein und die Schranke für die Einfahrt sich gar nicht öffnen würde! Glücklicherweise war dies nicht der Fall; ich zog also ein Ticket, fuhr auf den Platz und suchte mir eine der markierten Parkbuchten im hinteren Bereich aus. Um es gleich vorweg zu nehmen: Jetzt, da ich mir ein paar Notizen zum heutigen Tagesablauf mache (22:30 Uhr), stehen gerade ’mal sieben Wohnmobile auf dem Platz, meines eingeschlossen!

Die Erkundung der Altstadt wollte ich zu Fuß erledigen; das Fahrrad würde da nur stören und blieb daher in der Garage. Um 10:30 Uhr ging es los. Das Wetter machte mir noch immer etwas Sorgen, immerhin war es, den ganzen Tag über betrachtet, etwas besser als gestern!

Die Altstadt befindet sich innerhalb einer Schleife der Etsch und wird im Süden von der äußeren Stadtmauer begrenzt. Allerdings sind die Überreste der Mauer heute zu einer Grünanlage umgewandelt worden, sodass sich ein schmaler Grünstreifen durch die Stadt zieht, in dem man spazieren gehen kann. Höhepunkt der Wallanlage ist das Stadttor Porta del Palio aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, das ich als erstes passierte; es liegt nur ein paar wenige Schritte vom Stellplatz entfernt.

Von dort führt die Stradone Porta Palio in nordöstlicher Richtung bis zur im 14. Jahrhundert erbauten Scaligerburg, schon der zweiten Burg dieser Art auf meiner Reise! Das in der sechstürmigen Fe­stung untergebrachte Museum zeigt Skulp­turen und Kunstwerke aus der damaligen Zeit, während man von der aus Ziegelsteinen errichteten Brücke einen schönen Blick sowohl auf das Bauwerk als auch auf den Fluss hat.

Danach besuchte ich den ersten von zwei wich­tigen Plätzen in der Altstadt, die Piazza Brà. Auf der rechten Seite befindet sich das sehenswerte Stadttor Arco d’Orologio mit Uhren auf beiden Seiten. Das Zentrum des Platzes ist geprägt von einer kleinen Grünanlage mit einem Was­serspiel und einem Reiterstandbild des ehemaligen italienischen Königs Vittorio Ema­nuele II.

Doch meine Aufmerksamkeit richtete sich sehr schnell auf das Bauwerk am Nordrand des Platzes. Mit einer Höhe von 24 m und einer Kapazität von rund 22.000 Zuschauern ist die dortige Arena das dritt­größte Amphitheater in Italien. Es wird überwiegend als Veranstaltungsort genutzt; statt Gladiatoren präsentieren sich heute allerdings Musiker und Sänger den vielen Besu­chern, insbesondere Letztere treten regelmäßig auf und präsentieren so bekannte Werke wie Carmen oder Aida.

Einige dieser Aufführungen kenne ich bereits aus TV-Übertragungen, daher wollte ich natürlich unbedingt auch ’mal einen Blick ins Innere werfen! Ich löste also ein Ticket (7,50 EUR), musste am Eingang eine Temperaturmessung (per Bildschirm) über mich ergehen lassen, setzte meine Mund-Nasen-Bedeckung auf, „kletterte“ danach auf den verschiedenen Rängen herum und machte sehr viele Fotos. Wie schon so oft, hatte ich auch hier den eigenartigen Effekt, dass ein Ort, den man aus dem Fernsehen kennt, in Wirklichkeit deutlich kleiner wirkt! In diesem speziellen Fall mag das allerdings auch daran gelegen haben, dass wegen der Spielpause nun plötzlich alles leergeräumt war, und dass man dadurch die Größenverhältnisse nicht wirklich einschätzen konnte. Mit allen Aufbauten einer klassischen Oper, den Akteuren sowie Tausenden von Zuschauern würde das wahrscheinlich doch etwas anders wirken…

An der gesamten Nordwestseite der Piaz­za Brà erheben sich hübsche, farbenfrohe Gebäude, in denen zahllose Cafés und Restaurants dazu einladen, dem Treiben auf dem Platz in Ruhe zuzuschauen. Viel war dort zu dieser Zeit allerdings nicht los…

Der Platz mündet an seiner Nordseite in die Einkaufsstraße Via Guiseppe Mazzini. Von ihr zweigen zahlreiche enge und verwinkelte Gassen ab.

Sie verbindet die Piazza Brà mit dem zweiten wichtigen Platz Veronas, der Piazza del Erbe, den ich mir natürlich ebenfalls genau anschaute.

Die Piazza del Erbe ist ein langgestreckter, aber recht schmaler Platz. Er diente schon seit Gründung der Stadt als Marktplatz, lediglich das Angebot der Waren hat sich im Laufe der Jahrhun­derte stark gewandelt. Konnte man früher Kräuter, Obst und Früchte erwerben, bieten einige Marktstände mittlerweile ausschließlich Sou­venirs an. Im nördlichen Bereich des Platzes steht auf einem Brunnen eine Madonnenfi­gur, die als Wahrzeichen der Stadt gilt.

Dieses Foto zeigt den schlanken Torre dei Lamberti. Der 84 m hohe Turm erhebt sich direkt am Rande der Piazza del Erbe. Der ursprüng­liche Turm wurde bereits im 12. Jahrhundert erbaut, benötigte jedoch nach einem Blitzeinschlag drei Jahrhunderte später eine Restaurierung. Von oben hat man einen fantastischen Panoramablick über die Stadt.

Der Arco della Costa verbindet den Palazzo Domus Nova und den Palazzo del Comune. Es handelt sich dabei nicht nur um einen Bogen, sondern tatsächlich um eine Brücke. Eigentlich insgesamt relativ unscheinbar, jedoch ab der Mitte des 18. Jahrhunderts hängt an ihm der Rippenknochen eines Wals herunter (auf dem Foto etwas schwer zu erkennen).

So langsam bekam ich Hunger, und daher richtete sich meine Aufmerksamkeit nun eher auf die vielen Restaurants und Cafés…

Ich wurde schnell fündig, gerade noch rechtzeitig, denn jetzt setzte tatsächlich ein heftiger Regenschauer ein! Ich setzte mich unter einen großen Schirm und bestellte einen Thunfischsalat und ein großes Bier. Dazu wurde noch ein appetitlicher Vorspeisenteller gereicht.

Nach dieser angenehmen Pause setzte ich meine Stadterkundung fort; der Regen hatte längst aufgehört. Links neben dem Torre dei Lamberti gelangt man am Palazzo del­ la Ragione vorbei zu einem weiteren kleinen Platz, der insgesamt etwas weniger belebt wirkt. Gemeint ist die Piazza dei Signori, die aber aufgrund ihres zentralen Denkmals oft auch als Dante-Platz bezeichnet wird. Dabei passiert man die wohl schönste Innenhoftreppe der gesamten Stadt, die Scala della Ragione.

In der Via Cappello befindet sich das bekannte, aber recht unscheinbare Gebäude mit der Hausnummer 23. Durch eine Toreinfahrt, deren Wände mit Hunderten von Liebesschwüren in allen erdenklichen Sprachen gespickt sind, betritt man den wohl berühmtesten Innenhof der Stadt. Die Casa di Giuletta (deutsch Haus der Julia) ist neben der oben beschriebenen Arena das bekannteste Markenzeichen Veronas und das Highlight für die zahllosen Besucher der Stadt.

An den oberen Etagen der Hauswände wächst der Efeu herab, abgesehen von der Wand, an dem sich der bekannte Balkon befindet. Darunter steht eine lebensgroße Bronzefigur. In der Hauptsaison benötigt man sehr viel Ausdauer und Glück, um sich der Figur nähern zu können. Zahlreiche Touristen versammeln sich um die Giulietta, um ihre Brust zu berühren, was angeblich Glück bringen soll.

Das war dieses Mal allerdings komplett anders: Aufgrund der speziellen Corona-Situation durften sich immer nur sehr wenige Menschen im Innenhof gleichzeitig aufhalten; überall gab es hässliche, rot-weiße Absperrbänder, sodass man absolut nichts, nicht ’mal die Wände, berühren konnte. Alles zusammen machte das einen wenig attraktiven Eindruck, daher möchte ich es bei diesem einen Foto, das den Balkon zeigt, belassen!

Nach dem Besuch einiger weiterer Sehenswürdigkeiten der Altstadt wanderte ich nun auf etwas anderen Wegen wieder in Richtung des großen Platzes mit dem Amphitheater. Dort schaute ich mich noch einmal in Ruhe um, genoss eine Weile lang das inzwischen deutlich besser gewordene Wetter und schlenderte später dann wieder zum Wohnmobilstellplatz zurück.

Nach einem kurzen Schläfchen und einer anschließenden Kaffeepause standen noch ein paar „Büroarbeiten“ an. Ich bereitete ein paar Kleinigkeiten für morgen vor und ging später nach einem einfachen Abendessen relativ früh schlafen.

9 Kommentare zu “In der Arena von Verona”

  1. Eine interessante Stadt, die wir auch 2005 besucht haben. Wir waren recht früh am Morgen dort, daher war sie noch ähnlich leer wie jetzt auf Deinen Bildern. Schade, dass der Innenhof bei Romeo und Julia jetzt so wenig attraktiv war, aber wären Menschenmassen dort gewesen, wäre es auch nicht viel besser.

    1. Das ist sowieso immer ein guter Tipp, die beliebtesten Sehenswürdigkeit einer Stadt immer möglichst früh oder spät zu besuchen, wo noch relativ wenige Menschen unterwegs sind! Herzlichen Dank für deinen Kommentar, Anja.

  2. Verona ist eine tolle Stadt. Ich durfte sie schon zweimal besuchen und habe mich jedes Mal sehr wohl dort gefühlt. Und irgendwann möchte ich unbedingt mal in der Arena ein Konzert oder eine Oper erleben. 🙂 LG Andrea

  3. Hallo Wofgang,
    so wie ich den Trip bei Koomot in Erinnerung habe, war es auf deiner Reise wegen Corona ja überall ziemlich leer und ich glaube das kam dir bestimmt oft gelegen, oder ? Andererseits war ja auch einiges nicht zu besuchen. In Verona waren wir bei unserem ersten Besuch am Gardasee auch und an den Platz mit dem Amphitheater kann ich ich mich gut erinnern. Wir hatten uns da niedergelassen um etwas zu trinken, bestimmt Cappuccino 🙂 Danach schlenderten wir durch die belebte Altstadt. Junior war damals 2 Jahre … wie die Zeit vergeht !
    Viele Grüße, Roland

    1. Danke für deinen Kommentar, Roland! Ja, die Städte waren sicher etwas leerer als sonst, wobei man allerdings auch berücksichtigen muss, dass ich meist am frühen Nachmittag unterwegs war (Siesta!) und ich ja auch immer das Bestreben habe, solange für ein Foto zu warten, bis möglichst wenige Menschen zu sehen sind. Die Fotos von den Stränden an der Adria, die ich demnächst zeigen werde, sprechen allerdings eine ganz andere Sprache; ich sag‘ nur „Ölsardinen“… 😉

      Wenn ich’s so recht überlege, hat euer Sohn trotz seines jungen Alters eigentlich schon recht viel von der Welt gesehen, oder? Inklusive z.B. USA, Kanada und Australien; das Glück haben nicht viele, denke ich…

      1. Ja, an die Fotos der Adria kann ich mich auch gleich erinnern. Da war ich damals mehr als nur überrascht. Wenn du meine Fotos in Facebook ansiehst vom Gardasee wird dir auch auffallen das meine Frau manchmal ziemlich viel Geduld mitbringen mußte bei vielen meiner Fotos :-)) Da überlegst du richtig Wolfgang, denn ich kenne kein Kind, von vielen meiner Freunde und Bekannten, die auch nur annähernd an die Reiseerlebnisse von Adrian (jetzt 27 Jahre alt) herankommen.

        1. Meine Überlegung lag auch deshalb nahe, weil es mit meinem Neffen Dominic ganz ähnlich ist: Schon seit er 6 Jahre alt war, haben wir ihn überall hin „mitgeschleppt“, in die USA, nach Kanada, nach Australien, Neuseeland, Norwegen, Irland usw.. Inzwischen ist er 38 und deutlich „weitgereister“ als wir Älteren! Er war schon in Weißrussland, in Russland, in Malaysia, in China und sogar in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas…

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