Mit großer Erleichterung stellte ich heute nach dem Aufstehen fest, dass die Regenfront von gestern, die offenbar über ganz Norditalien gelegen hatte, komplett abgezogen war! Früh morgens war es zwar noch etwas bedeckt, aber die dünne Wolkenschicht zog langsam weiter, und danach kam strahlend blauer Himmel zum Vorschein! Ich fuhr also voller Vorfreude auf einen schönen Tag wieder mit dem Vaporetto (so werden die als öffentliche Verkehrsmittel genutzten Boote hier genannt) vom Campingplatz Fusina hinüber nach Venedig.

Die Haltestelle Zattere war jetzt erreicht (vorne unten). Die wuchtige Dominikanerkirche dahinter heisst Santa Maria del Rosario.

Nachdem ich das Boot verlassen hatte, wandte ich mich zunächst nach Osten und ging bis zur Spitze der Insel Guidecca, zum Punta della Salute. Von dort aus hat man einen wunderschönen Rundblick auf die Stadt.

Das 5-Sterne-Hotel Bauer sowie das Hotel Monaco Grand Canal, in dem ich 2010 schon ‘mal ein paar Tage verbracht hatte, liegen direkt am Beginn des Canal Grande.

Den schönsten Blick hat man aber in Richtung Nordosten auf die wunderschöne „Skyline“ von Venedig mit dem berühmten Campanile (dem Glockenturm des Markusdoms) und dem Dogenpalast.

Als nächstes wollte ich natürlich, wie auch schon vorgestern, den Markusplatz besuchen. Dazu musste ich zuerst einmal ein kleines Stückchen am Nordufer von Guidecca entlang und später bis zur Brücke Ponte dell’Accademia laufen. Auf dem Weg dorthin schaute ich noch kurz in die Kirche Santa Maria della Salute hinein; ich habe während meiner Venedig-Besuche schon so viele Fotos von diesem imposanten Gebäude gemacht, war aber leider noch niemals in der Kirche. Das holte ich jetzt nach! Die 1687 geweihte Kirche wurde zum Dank für das Ende einer Pestepidemie, die ab 1630 in der Stadt 46.000 (ein Drittel der Bevölkerung) Todesopfer gefordert hatte, erbaut.

Ein Blick in den Canal Grande. Hier sieht man in der Ferne bereits die erwähnte Brücke. Obwohl diese Holzkonstruktion eigentlich kein architektonisches Meisterwerk ist, gehört sie für mich ganz klar zu den schönsten Brücken der Stadt!

Die Ponte dell’Accademia ist die erste der nur vier Brücken über den Canal Grande. Sie verbindet die beiden Stadtteile Dorsoduro und San Marco.

Der Ausblick von der Brücke auf die Kirche Santa Maria della Salute ist einer der schönsten in Venedig! Aber auch ein Blick in die andere Richtung lohnt sich…

Nun war ich in San Marco und ging auf den inzwischen mir schon sehr vertrauten „Pfaden“ in Richtung Markusplatz, den ich kurze Zeit später erreichte.

Mittlerweile war ich in meinem gesamten Leben bestimmt schon zehnmal oder sogar noch öfter auf diesem Platz, aber ich glaube, ich könnte hier immer wieder viele Stunden verbringen, ohne dass es langweilig werden würde! Die Faszination dieses Ortes zu beschreiben, fällt mir schwer! Ich weiß für mich selbst noch nicht einmal so genau, ob es am Platz selbst und den umliegenden Gebäuden liegt oder an den vielen Menschen aus aller Welt, von denen sich wohl sehr viele endlich am Ziel ihrer (Reise-)Träume sehen und teilweise sogar überschwänglich feiern! Vielleicht ist es auch die Kombination aus beidem…

Der Markusdom ohne Gerüst! Nun durfte ich diesen für mich völlig neuen Anblick endlich auch bei Tageslicht genießen… 😉

Es gab Zeiten, da war der Markusplatz auch wegen der vielen Tauben eine große Touristenattraktion. Zeitweilig soll es angeblich mehr als 100.000 Tauben gegeben haben, die täglich vier Tonnen(!) Kot produzierten! Und der verschandelte nicht nur die altehrwürdigen und kostspielig restaurierten Gebäude, sondern zerstörte sie auch! Seit 2008 gelten nun neue und sehr strenge Gesetze, die unter anderem das Füttern der Tiere verbieten; bis zu 500 EUR an Geldbußen können da fällig werden! Diese Maßnahmen waren tatsächlich erfolgreich; mittlerweile gibt es nur noch ca. 1.000 Tauben auf dem Platz.

Der Dogenpalast (italienisch: Palazzo Ducale) ist immer wieder schön anzuschauen und ein tolles Fotomotiv! Leider hab‘ ich es immer noch nicht fertiggebracht, ihn auch ‘mal von innen zu besichtigen, das gilt auch für den Markusdom! Bisher haben mich immer die „ewig“ langen Warteschlangen davon abgehalten…

Die so genannte Seufzerbrücke (italienisch Ponte dei Sospiri), über die früher Gefangene auf dem Weg zur Haft oder zur Exekution geführt wurden, präsentierte sich endlich wieder ohne hässliche Reklame; bei meinem Besuch 2010 war sie komplett mit Werbeplakaten einer japanischen Automarke „zugekleistert“!

Mein weiterer Weg führte mich nun in den Osten der Stadt, auf der belebten Promenade in Höhe der Bootshaltestelle San Zaccaria

…mit Blick auf die gegenüber liegende Insel San Giorgio Maggiore mit der gleichnamigen Kirche und dem Kloster…

…an der Haltestelle Arsenale vorbei…

…bis zu meinem vorläufigen Ziel, dem Eingang zur Via Garibaldi. Hierhin zieht es mich immer wieder, denn ab hier kann man noch sehr viel vom ursprünglichen Venedig entdecken. Hier ticken die Uhren deutlich langsamer, und hier trifft man auch viel weniger Touristen!

Gleich auf der „Ecke“ suchte ich mir nun ein Lokal aus, in dem ich zu Mittag essen wollte. Ich orderte ein Zwei-Gänge-Menü; es gab Spaghetti und Pollo (Hühnchen), beides sehr schmackhaft! Zusammen mit einem großen Glas Bier und etwas Trinkgeld kostete mich das nur 24,- EUR; auf dem Markusplatz würde ich wahrscheinlich das Doppelte zahlen müssen…

Auch das ist Venedig! Bei dieser hübschen Grünanlage handelt es sich um eine breite, baumbestandene Allee; sie verbindet die Via Garibaldi mit den Giardini Napoleonici, den Napoleonischen Gärten. Am ihren Ende erreicht man wieder das Ufer.

Ich hatte in den vergangenen Jahren schon so einiges in und um Venedig herum gesehen, aber die für ihre Glaskunst bekannte Insel Murano bisher noch nicht; die wollte ich mir heute ‘mal anschauen. An der Haltestelle Giardini wartete ich daher auf das nächste Vaporetto, das ein paar Minuten später auch schon eintraf. Natürlich „vollgestopft“ mit Menschen, wie immer… 😉

Ich hatte mir bereits in San Marco für 20,- EUR ein Tagesticket am Automaten besorgt, deshalb musste ich für diese Tour kein neues kaufen.

An der nächsten Haltestelle auf dem berühmten Lido de Venezia stieg ich schon wieder aus, denn von hier aus musste ich ein anderes Boot nehmen, um nach Murano zu kommen.

Während der Wartezeit nutzte ich die Gelegenheit für ein paar weitere Fotos von Venedigs schöner „Skyline“. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber an solchen Ansichten kann ich mich wohl niemals satt sehen!

Was passiert, wenn in Venedig jemand stirbt? Richtig, er kommt auf die Insel!

Venedig leistet sich eine eigene Insel für den kommunalen Friedhof, die Isola di San Michele. Sie hat einen annähernd rechteckigen Grundriss mit einer Länge von 460 und einer Breite von 390 Metern. Mittlerweile platzt der Friedhof „aus allen Nähten“ (hmm, zugegeben, eine etwas eigenartige Formulierung in diesem Zusammenhang…;-). Die Leichen werden zunächst „normal“ begraben, nach einiger Zeit aber wieder exhumiert und dann in hohen Blöcken übereinander gestapelt! Hier ist übrigens auch der russische Komponist Igor Strawinsky begraben.

Schließlich erreichte ich die Insel Murano und stieg aus. Sie ist weltbekannt für ihre Glaskunst, lebt aber auch vom Tourismus und in geringem Umfang vom Fischfang. Ich hatte keinen festen Plan, ließ mich einfach treiben und spazierte durch die vielen hübschen Gassen, an ebenso hübschen Kanälen entlang. Jetzt am Spätnachmittag war hier nicht mehr so viel los, wie man an den nachfolgenden Fotos sehen kann, und so herrschte hier gleich eine völlig andere Atmosphäre als in Venedig. Hier gefiel es mir sehr gut, allerdings nicht ganz so gut wie Burano; die kleine Insel mit den „quietschbunten“ Häuschen, die noch weiter nordöstlich von hier liegt, hatte ich schon 2010 besucht.

Ein beliebtes Fotomotiv ist der freistehende Glockenturm der Basilika Santa Maria und Donato aus dem 12. Jahrhundert.

Ich wanderte nun am Canale Porto Longo und am Canale San Giovanni entlang bis zum Bootsanleger Faro; dort „zelebrierte“ ich meine schon längst überfällige Kaffeepause mit einem Cappuccino und einem leckeren Eisbecher.

Etwa 30 Minuten später nahm ich dann das nächste Vaporetto, das mich zurück nach Venedig brachte; die Strecke führte durch einen Teil des Canal Grande und dann wieder, sozusagen „außen herum“, zurück zum Anleger Zattere, an dem ich heute morgen angekommen war.

Von dort aus ging es kurze Zeit später wieder mit einer anderen Fähre zurück zum Campingplatz Fusina, zeitlich gerade richtig zum Sonnenuntergang…

Um 19:30 Uhr war ich wieder zurück am Wohnmobil; meine Füße „brummten“, als hätte ich einen Halbmarathon hinter mir! Ich setzte mich, obwohl es jetzt tatsächlich etwas kühl geworden war, mit meinem Campingstuhl direkt ans Wasser und genoss bei einem leckeren „Feierabendbier“ den tollen Ausblick auf die Lagunenstadt.

Wieder ‘mal ging ein wundervoller Tag zu Ende; der Regen von gestern war längst vergessen, und nun freute ich mich auf die beiden noch verbleibenden Tage meiner kleinen Cinque-Terre-Reise! Morgen fahre ich, schon zum dritten Mal in Folge, wieder an den Gardasee, in mein „geliebtes“ Bardolino.

Und übermorgen ist dort Weinfest!!!

2 Kommentare zu “Von Pestkirchen, Seufzerbrücken und Leichenstapeln”

  1. Huhu, ich lese jetzt ganz regelmäßig hier und habe dein Blog auch in meinen Blogroll aufgenommen, damit ich nix mehr verpassen. 🙂 Tolle Fotos, mein Kompliment und die eine oder andere Reise würde ich gerne auch mal machen, ist aber mit Hund und Tochter etwas schwierig.
    Venedig steht auch oben auf meiner Liste. Ich war zwar schon mehrfach dort, aber halt als Kind und einmal bei Regenwetter als Erwachsene. Wenn ich aber sehe, wie voll es mittlerweile dort ist, dann weiß ich nicht, ob ich das wirklich noch will. 😮
    Und wer weiß, ob es Venedig noch gibt, wenn ich endlich mal wieder mit dem Reisen loslegen kann.
    Liebe Grüße!

    1. Hi Andrea, herzlichen Dank für deinen Kommentar und dein Lob! Es freut mich, wenn du ab und an ‘mal hier vorbeischaust. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich deinen Blog (PhotoArt & More) ein wenig aus den Augen verloren hatte, das wird sich jetzt aber ändern!.

      Ich wünsch’ dir, dass du dich doch irgendwann ‘mal für eine Reise nach Venedig entscheidest, trotz der vielen Menschen! Es ist eine wundervolle Stadt, die zum Träumen anregt, und in der man trotzdem immer noch auch ruhigere „Ecken“ findet. Und ein Traum für Hobby-Knipser wie uns sowieso… 😉

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