Heute Vormittag stand der Besuch der Hauptstadt Albaniens, Tirana, an. Anders als sonst, fuhr ich dieses Mal nicht mit dem Fahrrad in die nur etwa 6 km entfernte Innenstadt. Da ich gegen Mittag ja bereits weiterfahren wollte, hatte ich gestern noch im Internet recherchiert und nach einem geeigneten Parkplatz mitten in der Stadt gesucht – und auch gefunden!

Der Parkplatz war recht groß, komplett eingezäunt und von zwei jungen Männern bewacht; so gefiel mir das! Ich stellte sicher, dass ich hier später in Euro bezahlen konnte, denn ich besaß natürlich kein einheimisches Geld. Markierungen für die einzelnen Parkparzellen fehlten, die Autos standen hier so, wie es ihnen gerade passte! Es war aber noch genügend Platz vorhanden, und so hatte ich keine Mühe, mein Wohnmobil im hinteren Bereich abzustellen. Ich machte mich fertig und ging dann zu Fuß Richtung Zentrum.

Auf dem Weg dorthin fielen mir zunächst ‚mal sehr viele von diesen recht monströs wirkenden Gebäuden auf, teils Wohnungen, teils aber auch Bürogebäude! Hmm, die mögen vielleicht zweckmäßig sein, aber hübsch ist anders, finde ich! Neueren Datums waren sie jedenfalls nicht…

Das erste richtig imposante Gebäude, auf das ich traf, war die erst 2012 eröffnete Kathedrale der Auferstehung Christi (albanisch Katedralja e Ngjalljës së Krishtit). Neben dem beeindruckenden Kuppelgebäude steht sein 46 m hoher Glockenturm, der im wesentlichen aus vier überdimensionalen Osterkerzen besteht..

Kurze Zeit später erreichte ich den zentralen Platz der Stadt, den ca. 38.000 qm großen Skanderbeg-Platz (albanisch Sheshi Skënderbej) . Dort hielt ich mich etwas länger auf und sah mich nach allen Seiten in Ruhe um.

Das Historische Nationalmuseum wurde 1981 eröffnet und 2007 zum Kulturdenkmal erklärt.

An seiner Fassade prangt ein gewaltiges Mosaik (11 m hoch, 40 m lang) mit dem Namen Albanien (albanisch Shqipëria); es prägt den gesamten Platz und zeigt Albaner aus verschiedenen Epochen.

Der Platz ist von weiteren öffentlichen Gebäuden umgeben; mehrere Straßen, die aus allen Richtungen kommen, enden hier. Zwischen der Moschee (siehe weiter unten), der Bank von Albanien, dem Kulturpalast mit der Oper und dem Museum ist eine fast quadratische Fläche aus Steinplatten entstanden, die nur im Südwesten von einigen Bäumen durchsetzt wird. Die Steinplatten stammen aus allen Gebieten Albaniens und sollen dessen nationale Einheit symbolisieren. 100 Springbrunnen sind in den Boden eingelassen, von denen ich allerdings nicht einen einzigen entdecken konnte. Insgesamt wirkte der riesige Platz auf mich ziemlich trist und vor allem… fast menschenleer!

Die Et’hem-Bey-Moschee mit dem 40 m hohen „Bleistift“-Minarett und der daneben liegende Uhrenturm liegen ebenfalls im Zentrum der Stadt, direkt neben dem Skanderbeg-Platz.

Später sah ich mir die unmittelbare Umgebung des Stadtzentrums an. Hier herrschte deutlich mehr Betrieb als auf dem großen Platz! Auf dem freundlich gestalteten Markt, der so gar nichts von einem orientalischen Bazar hatte, gab es eine schier unüberschaubare Anzahl von Waren, die mir, von ein paar Ausnahmen abgesehen, allesamt unbekannt waren.

Ich traf auf teilweise sehr moderne Gebäude und auf Shopping Malls, die sich bezüglich ihrer Architektur und der Art der Geschäfte von unseren kaum unterschieden.

Sehr praktisch: In der Innenstadt wird, wenn die Ampel auf Rot steht, der dazu gehörende Signalmast ebenfalls rot beleuchtet; das kann man schon aus sehr großer Entfernung sehen!

Auf dem Rückweg zum Parkplatz kam ich noch an dieser hübschen Anlage im Rinia-Park (albanisch Parku Rinia, zu deutsch Jugendpark) vorbei. Das futuristisch wirkende Gebäude rechts im Bild (nicht das Hochhaus) beherbergt ein Casino, dessen Terrasse einen schönen Blick auf den kleinen See bietet.

Am Parkplatz angekommen, zahlte ich zunächst die fällige Parkgebühr. Für 2,5 Stunden hatte ich 200 LEK zu zahlen; das wären eigentlich ca. 1,50 EUR. Ich gab dem jungen Mann 2 EUR, womit er offenbar mehr als zufrieden war! Nach einer kleinen Stärkung im Wohnmobil ging es dann schon wieder los, ins nächste Land…

Ich wollte noch heute Podgorica erreichen, die Hauptstadt Montenegros. Das sind nur etwa 150 km, aber ich benötigte tatsächlich fast 5 Stunden für diese Strecke; allein an der Grenze musste ich 45 Minuten warten. Die Route führte wieder ‚mal durch sehr schöne Landstriche.

Das Hostel mit angeschlossenem Wohnmobil-Stellplatz, etwas außerhalb der Stadt, fand ich erst nach dem zweiten Anlauf! Die GPS-Koordinaten aus meiner App stimmten leider nicht ganz und führten mich auf eine Tankstelle; die tatsächliche Zufahrt über eine sehr kleine Straße lag sehr versteckt, ein paar Hundert Meter weiter zurück!

Ich checkte ein (die junge Frau, die nach einiger Zeit aus dem Gebäude kam, sprach zwar kein Wort Englisch, aber irgendwie hatten wir uns doch noch verständigen können) und machte nach einer kleinen Pause einen kurzen Spaziergang, um meine unmittelbare Umgebung zu erkunden.

Alles in allem war hier allerdings „tote Hose“ angesagt; ich sah so gut wie keinen Menschen. Auch auf der oben erwähnten Tankstelle, die ich zu Fuß nach nur ein paar Schritten erreichte, war kaum Betrieb! Nach einen kleinen Schläfchen machte ich mir Abendessen (es gab Chili con Carne, zwar aus der Dose, aber durchaus genießbar!) und schaute dann auf meinem Tablet gleich drei Folgen von The Expanse, einer unterhaltsamen Science-Fiction-Serie.

Wie man wohl schon auf den Fotos gesehen hat, war dieser heutige Tag, was das Wetter anbelangt, leider ein kompletter „Griff ins Klo“, wie man so schön sagt! Zwar hat es nicht geregnet, aber der durchgehend trübe Himmel, der der Sonne nicht ‚mal den Hauch einer Chance ließ, kann einem ganz schön auf’s Gemüt schlagen, finde ich!

Sicher trug das miese Wetter auch dazu bei, dass ich Tirana wahrscheinlich in keiner besonders schönen Erinnerung behalten werde! Klar, wie immer weiß ich natürlich, dass man eine große Stadt nicht in knapp drei Stunden kennenlernen kann, aber der Eindruck, den man in dieser kurzen Zeit gewinnt, wäre bei strahlendem Sonnenschein sicher besser gewesen! Ich habe eine quirlige, teilweise sehr modern wirkende Stadt gesehen, die aber in vielen Teilen immer noch unter ihrer besonderen Vergangenheit zu leiden hat. Eigenartigerweise habe ich mich während des gesamten Rundgangs irgendwie sehr fremd gefühlt; diesen Eindruck hatte ich nicht ‚mal in Skopje oder in Belgrad

Ein Kommentar zu “Von Tirana nach Podgorica”

  1. Servus Wolle, wieder mal ein sehr interessanter und aufschlussreicher Bericht. Ich hoffe ja, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft noch über diese Route nach Griechenland fahren kann. 😊🇬🇷👍

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