Ich bin wieder ‘mal mit dem Wohnmobil unterwegs, dieses Mal für einen Kurztrip in das Alte Land, sozusagen direkt „vor meiner Haustür“. Für diejenigen unter euch, die mit dem Begriff nichts anfangen können: Als Altes Land bezeichnet man einen Teil der Elbmarsch südlich der Elbe in Hamburg und in Niedersachsen. Der Name der Kulturlandschaft weist auf seine Besiedlungsgeschichte hin und geht auf die Kolonisierung durch niederländische Siedler zwischen 1130 und 1230 zurück.

Meine Reise begann bereits gestern Abend gegen 18:00 Uhr; ich bin nach einen kurzen Tankstopp direkt zu meinem ersten Ziel gefahren, nach Buxtehude. Die knapp 40.000 Einwohner zählende Hansestadt gehört zwar nicht zum Alten Land, aber sie ist für mich schon seit meiner Jungendzeit ein Begriff. Deshalb wurde es höchste Zeit, sie auch ‘mal zu besuchen! Außerdem bot sie sich durch ihren großen Wohnmobilstellplatz Am Schützenplatz (nur 5,- EUR pro Nacht) perfekt als erste Anlaufstelle an.

Als ich eintraf, standen lediglich fünf oder sechs andere Wohnmobile auf dem Platz. Er ist mit 30 Parzellen in den Stellplatz-Apps ausgewiesen, aber ich wette, dass hier mindestens doppelt so viele Fahrzeug stehen könnten. Ich löste ein Ticket am Automaten und machte mir dann etwas zu essen. Danach genoss ich den schönen, sonnigen Abend.

Ich habe sehr gut geschlafen, entsprechend früh und munter kam ich heute wieder „aus den Federn“. Obwohl der Platz eigentlich mitten in der Stadt liegt, sorgen die umgebenden Grünanlagen dafür, dass hier eine wunderbare Ruhe herrschte.

Nach dem Frühstück brach ich zu meiner Stadterkundung auf. Die Sonne schien, und gut „eingepackt“ machten mir auch Temperaturen um den Gefrierpunkt nichts aus. Auf der Bahnhofstraße ging es zunächst ‘mal in Richtung Nordosten, zur Altstadt.

Kennt ihr eigentlich den Beinamen der Stadt? Man spricht von Buxtehude nämlich auch als Märchenstadt. Das Märchen vom Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel spielt beispielsweise in Buxtehude bzw. in der Nähe. Seite Ende 2007 ist die Stadt daher auch ein Teil der Deutschen Märchenstraße, und Hase und Igel gehören längst zu ihren Wahrzeichen. Es gibt etliche öffentliche Schilder, Hinweistafeln, Brunnen usw. zu diesem Thema, und auch sonst trifft man überall in der Stadt auf diese nette Geschichte, zum Beispiel in dieser Bäckerei.

Als Jugendlicher hatte ich Buxtehude allerdings immer mit etwas ganz anderem in Verbindung gebracht. Und auch heute fällt mir, sobald ich den Namen Buxtehude höre oder lese, sofort ein: Da, wo die Hunde mit dem Schwanz bellen! Ein wirklich eigenartiger Zusatz, oder? Es hat sehr viele Jahre gedauert, bevor ich mich überhaupt das erste Mal gefragt hatte, wie es dazu gekommen ist. Die gängigste Erklärung dafür hat etwas mit den bereits oben erwähnten holländischen Siedlern zu tun; ursprünglich soll es nämlich „De Hunten bellen“ geheißen haben, was auf deutsch übersetzt so viel wie „Die Kirchenglocken läuten“ heisst. Während woanders noch ein Klöppel verwendet wurde, hatte man die Glocken in Buxtehude bereits mit einem Seilzug geläutet; das am Ende ausgefranste Seil wurde dann sinnbildlich mit dem Schwanz eines Hundes verglichen…

In der Altstadt beeindruckten mich am meisten die vielen hübschen Fachwerkhäuser.

Das mittelalterliche Rathaus wurde 1911 durch einen Brand zerstört; beim jetzigen Neubau handelt es sich um einen Backsteinbau. Besonders markant ist der polygonale Eckturm.

Die Evangelische Pfarrkirche Sankt Petri. Ihr Turm gilt ebenfalls als ein Wahrzeichen von Buxtehude.

Die Este wird in einer grachtartigen Fleetanlage durch die Stadt geführt…

…und der Straßenzug am Westfleth gibt auch heute noch einen ungefähren Eindruck von der ursprünglichen Bebauung mit Giebelhäusern.

Der Igel wartet bereits auf Kundschaft, der Hase ist natürlich noch nicht da… 😉

Nun wurde es aber Zeit, zum Wohnmobil zurückzugehen, denn ich hatte ja noch Einiges für heute geplant. Schon um 11:00 Uhr ging es weiter nach Lühe, genauer gesagt, zum Fähranleger Lühe. Die Lühe-Schulau-Fähre, eine Personenfähre, verbindet hier Lühe mit Wedel.

Gleich neben dem großen PKW-Parkplatz befindet sich auch ein abgetrennter Bereich für Wohnmobile; hier kann man für 10,- EUR pro Tag stehen und hat einen fantastischen Ausblick auf den Fluss!

Da mir das Kleingeld für den Automaten fehlte, musste ich notgedrungen eine leckere Currywurst an einer der vielen „Fressbuden“ vertilgen… 😉 Heute war hier jede Menge los; der Parkplatz war voll und es „wimmelte“ nur so von Spaziergängern! Kein Wunder, denn abgesehen vom superschönen Wetter war heute ja immerhin auch Ostermontag!

Höchste Zeit also für eine „zünftige“ Radtour, auf die ich mich schon sehr freute! An der Elbe entlang zu fahren, ist immer ein absoluter Hochgenuss für mich; auf der schleswig-holsteinischen Seite bin ich inzwischen schon sehr häufig gefahren, hier aber noch nie!

Die erste Etappe führte mich in Richtung Nordwesten, immer am Elbufer entlang, auf dem beliebten Elbe-Radweg.

Nördlich von Hollern-Twielenfleth verließ ich das Elbufer in Richtung Süden.

Ich passierte nun die alte Mühle Venti Amica, die bei einem Sturm im letzten Juni so stark beschädigt wurde, dass sofort alle Flügel abmontiert werden mussten. Für den Wiederaufbau sind der Betreiber sowie der Mühlenverein auf Spenden angewiesen.

Nun fuhr ich wieder Richtung Osten, mitten durch das Alte Land, dem „Obstgarten Niedersachsens“. Hier reifen heutzutage auf über 10.000 ha Äpfel, Kirschen, Birnen und anderes Obst. 77 Prozent der Obstbäume sind Äpfel- und 12,7 Prozent Kirschbäume.

In Grünendeich war mir die hübsche Sankt-Marien-Kirche ein Foto wert, ein Fachwerkbau mit einem Glockenturm aus Holz.

Weiter ging es durch den kleinen Ort Steinkirchen

…bis ich schließlich den wohl bekanntesten Ort im Alten Land erreichte, Jork. Dort war ich auch früher schon sehr häufig im Rahmen von Ausflügen mit dem PKW, meistens zur Zeit der Apfelernte und während der Apfelfeste. Auch hier finden sich gut erhaltene alte Fachwerkhöfe mit Prunkpforten, den so genannten Altländer Toren.

Nach einer kleinen Pause machte ich mich auf den Rückweg und radelte wieder in Richtung Elbe.

Schließlich erreichte ich wieder meinen Ausgangspunkt, den Fähranleger Lühe. Das Foto zeigt neben dem immer noch sehr vollen Parkplatz auf der linken Seite das Lühesperrwerk; hier mündet die kleine Lühe in die Elbe.

Nun gab’s endlich den verdienten und obligatorischen Cappuccino und einen frischen Berliner! Den Nachmittag verbrachte ich hier am Platz; leider wurde das Wetter nun deutlich schlechter, gegen Abend fing es sogar an zu regnen! Insofern war ich sehr froh, dass ich meine Fahrradtour bei sehr schönem Wetter „durchziehen“ konnte…

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