Aufstehen, 6:00 Uhr! Schon wieder! Noch vor der Sonne! Vor ein paar Jahren noch hatte mich darauf gefreut, als Rentner endlich jeden Tag ausschlafen zu können… 😉

Aber so schlimm war es natürlich nicht! Zum einen gehe ich, wenn ich auf Reisen bin, ja auch deutlich eher schlafen als zuhause, zum anderen freut man sich natürlich wahnsinnig auf den neuen Tag und auf tolle neue Eindrücke und Erlebnisse!

Das Wetter war genauso schön, wie ich es gestern verlassen hatte; da macht die Fahrt gleich doppelt so viel Spaß!

Von Chusclan fuhr ich zunächst wieder in Richtung A9, allerdings nicht auf demselben Weg wie gestern, sondern nach Süden, zu einer anderen Autobahnauffahrt. In einem Nachbarort fand ich eine Automaten-Tankstelle, um wieder ‘mal „Hannelores“ Durst zu löschen! Dabei wunderte ich mich über den sehr moderten Preis von 1,40 EUR pro Liter Diesel; hier in Südfrankreich hätte ich mit deutlich höheren Beträgen gerechnet!

Die A9 nach Südwesten war wesentlich belebter als die Autobahnen gestern, trotzdem konnte ich entspannt und bei bestem Wetter die schöne Landschaft geniessen! Dort, wo es unbebaute Flächen gab, sieht man viel Buschland mit roter Erde. Ich fühlte mich fast ein wenig an das Outback Australiens oder an den Westen der USA erinnert.

Über Montpellier fuhr ich nun bis nach Narbonne, von dort aus wollte ich, weil ich noch genügend Zeit hatte, über Landstraßen und vor allem an der schönen Mittelmeerküste entlang nach Spanien einreisen! Welche Freude, als ich das erste Mal seit meiner Abreise das Meer zu sehen bekam…

Nun kam ich aus dem Staunen kaum noch heraus; bis nach Cadaqués, meinem heutigen und in Spanien allerersten Ziel, präsentierte sich ein Ort schöner als der andere. Leider gab es nur wenige Gelegenheiten zum Halten, und aus dem WoMo heraus fotografiere ich natürlich nicht…

Es ging immer höher hinauf in die Berge und die endlos erscheinende  „Kurbelei“ auf den teilweise extrem engen Straßen verlangte mir einiges an Konzentration ab, aber die Ausblicke entschädigten dafür voll und ganz.

Gleich hinter der Grenze zu Spanien, die übrigens höchstens an ein paar verlassen wirkenden Gebäuden links und rechts der Straße zu erahnen ist, liegt der winzige Ort Portbou, an der so genannten Rattenbucht. Er hat einen Sporthafen, einen kleinen Strand, einige Restaurants und lebt hauptsächlich vom Tourismus und vom Bahnhof, einem der zwei wichtigsten Grenzbahnhöfe zwischen Frankreich und Spanien.   

Am Nachmittag sah ich dann zum ersten Mal aus der Ferne mein Reiseziel für heute; dort wollte ich insgesamt zwei Tage vergingen, nach der langen Anfahrt eine gebührende „Belohnung“, finde ich… 😉

Cadaqués hatte ich mir während meiner Reisevorbereitungen aus verschiedenen Gründen als ersten Anlaufpunkt ausgewählt! Einer davon war natürlich die Tatsache, dass der Ort kurz hinter der Grenze liegt und somit den nördlichsten Abschnitt meiner Erkundung der Costa Brava, der Wilden Küste, einleitet. Er ist gleichzeitig auch der östlichste Ort Spaniens, ‘mal abgesehen von den Balearischen Inseln.

Das ehemalige Fischerdorf liegt ausserdem auf der Halbinsel mit dem Cap de Creus, welches wiederum den östlichsten Punkt der Iberischen Halbinsel darstellt. Dieses Kap wollte ich natürlich auch besuchen…

Berühmt ist der Ort allerdings hauptsächlich wegen seines zwar schon verstorbenen, aber sehr prominenten Bewohners, dem surrealistischen Maler Salvador Dali, der hier aufwuchs. Seiner Popularität und seinem Wirken ist es zu verdanken, dass Cadaqués vom Bau riesiger Hotelanlagen verschont blieb und seinen ursprünglichen Charakter bis heute im Wesentlichen bewahren konnte; mit seinen weiß getünchten Häusern gilt es heute als eines der schönsten Dörfer Kataloniens

Ok, genug geschwärmt! Dies ist schließlich ein Reisebericht, kein Reiseführer! 😉

In Cadaqués gibt es einen mitten im Ort gelegenen Campingplatz, den ich um etwa 14:00 Uhr erreichte! Gerade noch rechtzeitig, bevor die Lady an der Rezeption sich zur „Siesta“ zurückziehen wollte. Ich sollte mir einfach einen passenden Platz aussuchen und dann nach 16:00 Uhr wegen der Personalien wiederkommen. Ok, soll mir recht sein!

Die Parzellen hatten alle Sandbelag, dazwischen lag jeweils ein kleiner Grünstreifen! Das Besondere waren allerdings die urigen und knorrigen Bäume, die auf diesen Streifen standen! Teilweise waren ihre Äste derartig krumm und schief, dass man mit einen 7,50-m-Wohnmobil vom Kaliber „Hannelore“ überhaupt keine Chance hatte, dort unfallfrei einzuparken. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich endlich einen geeigneten Platz gefunden und ganz vorsichtig eingeparkt hatte! Der kleine Baum auf der linken Seite war perfekt geformt: ich konnte meine Markise komplett ausfahren, während sein oberer Bereich sich elegant über sie lehnte… 😉 

Nachdem ich das WoMo an den Strom angeschlossen und Campingstuhl und -tisch herausgeholt hatte, war es Zeit für die obligatorische Kaffeepause! Eigentlich wollte ich direkt danach in den Ort, aber durch die lange Fahrerei war ich doch etwas müde geworden, deshalb legte ich mich für 30 Minuten auf’s Ohr. Um Punkt 16:00 Uhr war ich dann wieder an der Rezeption, checkte für zwei Tage ein (50,- EUR) und unterhielt mich ein wenig mit der freundlichen Dame, die sehr gutes Deutsch sprach!

Jetzt war ich wieder frisch und munter, bereit für meine erste Erkundungstour in Spanien mit dem Fahrrad! Eigentlich war ich mir gar nicht so sicher, ob das hier, in dieser bergigen Gegend, tatsächlich Sinn machen würde; der Campingplatz lag zwar mitten im Ort, allerdings etliche Meter über dem Meeresspiegel. Zur Promenade und zum Strand ging es steil bergab!

Ich schaffte es allerdings heil nach unten, ohne dass meine Bremsen versagten und ohne vor den Augen ahnungsloser Passanten direktemang ins Meer zu radeln; nun konnte ich mich in Ruhe umsehen!

Der Ort gefiel mir auf Anhieb! Es herrschte ein entspanntes Treiben, die Leute bummelten auf der Promenade entlang, saßen in Cafés oder wurden am Strand gegrillt! Was für eine schöne Atmosphäre, das war schon ‘mal ein sehr gelungener Einstieg in „mein“ neues Spanien… 😉

Hier traf ich auch prompt auf den schon erwähnten „Maestro“, Salvador Dali! Ok, auf seine Statue natürlich. Lässig blickt er, etwas hochnäsig, wie mir scheint, auf seinen Ort hinunter; den Spazierstock balanciert er gekonnt mit nur einem Finger! Ich bin schwer beeindruckt…

Nach einer Weile fuhr ich aus dem Ort hinaus, Richtung Osten, so dicht wie möglich am Meer entlang. Die Aussichten auf die schroffen Küsten und das Wasser waren einfach faszinierend!

Kurze Zeit später erreichte ich Port Lligat, eine kleine Bucht, an der das ehemalige Wohnhaus der Familie Dali liegt. Der Maler wohnte hier seit 1948 mit seiner Frau Gala, nach seinem Tod 1989 wurde daraus das Museum Casa-Museu Salvador Dali

Nach einer kleinen Pause, in der ich mir diese romantische Bucht etwas näher angesehen habe, kehrte ich um und fuhr auf einer etwas anderen, viel höher gelegenen Strecke wieder zurück zum Campingplatz.

Gegend Abend zog es mich erneut in den Ort, dieses Mal aber zu Fuß; dort wollte ich später auch etwas essen!

Der direkte Weg nach unten zur Promenade ist tatsächlich recht steil; ich bemühte mich, keine sinnlosen Gedanken an den beschwerlichen Rückweg zu verschwenden… 

Wie man sieht, führt die Straße am Ortsrand direkt am Wasser entlang. Hier findet man auch noch viele Fischerboote, und Netze und Bojen liegen überall verstreut herum…

Durch die halbkreisförmige Bucht, an der Cadaqués liegt, bieten sich auch immer wieder etwas entferntere Ausblicke auf den Ort. Hinten links sieht man die Kirche Santa Maria.

Ich schlenderte in Richtung Südwesten fast bis zum Ende der Bucht. Und so allmählich bekam ich offenbar Besuch, aber nicht etwa vom „kleinen Hunger“, sondern von seinem viel größeren Bruder! Ich machte mich also langsam auf den Rückweg und suchte mir ein passendes und gemütliches Lokal aus; es war schon sehr gut besucht, und zwar meiner Ansicht nach fast ausschließlich von Spaniern, meist Familien, die hier zu Abend essen wollten. Ich bestellt mir Lachsfilet mit gegrillten Tomaten und Auberginen, dazu einen halben Liter spanischen Rotwein und als Dessert Nougateis! Alles sehr lecker!

Nach dem Essen genoss ich die schöne Atmosphäre an der Promenade; es war jetzt zwar schon etwas kühl geworden, aber windstill, von daher kein Problem! Ich machte noch ein paar Fotos und bereitete mich moralisch auf die „Kletterei“ zurück zum Campingplatz vor!

Dort angekommen, saß ich bei einem Schlummertrunk noch ein wenig draußen und freute mich über einen rundum gelungenen Tag!

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